Mittwoch, 23. Mai 2012

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen, vorausgesetzt es interessiert irgendjemanden

Da fahr ich nicht mehr hin. Sehr unübersichtliche Gegend


"Reisen, das ist mal was Nützliches, da kriegt die Phantasie zu tun. Alles andere bringt nichts als Enttäuschungen und Mühsal. Unsere Reise hier findet ganz und gar in der Phantasie statt. Das ist ihre Stärke [...]"

So steht es als Vorwort (ich glaube zumindest, dass es eins ist) in meiner Ausgabe der "Reise ans Ende der Nacht" von Louis-Ferdinand Céline. Eigentlich ist damit schon alles über die Unternehmung von Reisen gesagt. Allerdings reisen die wenigsten Leute ans Ende der Nacht und noch weniger reisen in der Phantasie herum. Weswegen dieser Einstieg vllt. auch ein wenig unglücklich gewählt scheint. Auf jeden Fall geht es heute um´s Reisen und zwar nicht zum Ende der Nacht, sondern zum Arsch der Welt und auch nicht in der Phantasie, sondern in Echt.

Wobei ich eigentlich eher unbrauchbar für Reiseberichte bin, da ich in meinem bisherigen Leben noch nicht allzu viel im Ausland war. Inlandsreisen sind uninteressant, außer man war in Berlin und wenn, dann auch nur im westlichen Teil. Ich war im östlichen, also Pustekuchen. Nun aber zurück zu den Auslandserfahrungen. In Österreich war ich mehrere Male. Damit lockt man allerdings niemanden hinter´m Ofen hervor. Dreimal Italien. Jeder Deutsche war in Italien. Wenn nicht, dann ist er kein richtiger Deutscher, sondern nur einer der hier halt so wohnt. Einmal in Frankreich. Jeder Deutsche hasst Frankreich. Wenn nicht...wir wissen ja worauf´s rausläuft. Ich glaube mich wage zu erinnern auch mal in der Schweiz gewesen zu sein. Sicher bin ich allerdings nicht. Wenn ja, dann war dieses Land anscheinend nicht gerade das Interessanteste, da ich mich an nichts erinnern kann. Wie auch immer.

Eigentlich verreist man ja nicht gern. Erst ist man ewig unterwegs und wenn man angekommen ist, dann ist man unzufrieden, weil es entweder überhaupt nicht wie zuhause ist oder genau so. Wenigstens kann man danach den Leuten was erzählen, von dem man denkt, dass es sie interessiert. Wobei ich nicht wirklich glaube, dass meine Nachbarn eine Story von mir hören wollen, in der es darum geht, dass man zwei Stunden am italienischen Strand herumgelaufen ist und keinen Liegestuhl gefunden hat. Selbstverständlich hat man Salmonellen bekommen durch irgendein Softeis oder ähnliches Klump und hat den Rest des Urlaubs auf der Porzellanschüssel mit defekter Spülung verbracht hat. Zu allem Überdruß, kann man mit dem "Spanisch - Deutsch, Deutsch - Spanisch"- Langenscheidt nichts anfangen, da man feststellen musste, dass Italienisch und Spanisch doch nicht ein und die selbe Sprachen sind. Außerdem war die Pizza nicht so wie die von Wagner oder Dr. Oetker und deshalb von vorne bis hinten nicht genießbar.

Meistens sind auch die Leute scheiße. Nun ja, solche unglaublich mitreißenden Geschichten kann man dann ein Jahr lang erzählen bis zum nächsten Urlaub. Offensichtlich fahren die meisten Leute weg um sich ihr eigenes Los schön zu reden. Man redet sich dann gerne ein, dass alle Leute im Gastland so leben wie man selbst, während seiner Höllenkur. Überlegt man allerdings ein bischen länger, wird man darauf kommen, dass nicht jeder in seinem eigenen Land wie ein Tourist lebt und dies sicher auch gar nicht will. "Mooooooooooooment mal!", kommt jetzt die Stimme, die immer Antworten auf irgendwas will, "wenn ich in den Urlaub fahre, dann kann ich dieses Land doch nur als Tourist erleben und kann mir gar kein Bild über ein gewöhnliches Leben in diesem Teil der Erde machen. Wie soll ich denn dieses Land für mich bewerten, wenn nicht als Touri?" Nun liebe Stimme, die immer Antworten auf irgendwas will: GAR NICHT!

Stimme: "Aber..."
ColaBiert!: "GAR NICHT!"
Stimme: "Arsch!"
ColaBiert!: "Selber"

Das hätten wir nun geklärt.

Im Prinzip gibt es zwei Länder, in die jeder mal will: USA und Japan. Auch wenn man die USA überhaupt nicht groovy findest wegen Bush und so. Aber hin muss man mal, damit man´s gesehen hat. Dann ist man da, macht ein Poserfoto von sich und dem Ground Zero und wird in Texas aus Versehen von einem Redneck erschossen. Toll. In Belgien haste das nicht.

Übrigens, lege ich nun den Fakt fest, dass jeder einmal einen USA- Artikel hatte bzw. noch hat. Jeder. Entweder einen Pullover, ein T-Shirt, eine Mütze oder sonst irgendwas. Jeder! Natürlich wurden diese wegen Bush und so in die Altkleidersammlung gegeben und jetzt rennen ehemalige Bratwurstbudenbesitzer, die wegen der Konkurrenz von McDonalds arbeitslos geworden sind, mit Stars´n´Stripes- Pullies durch die Gegend. Wie schön ist doch die Gegenwart.

Nach Japan will man in erster Linie um zu sehen ob es dort wirklich Höschen- Automaten gibt, bzw. um sich selbst zu überzeugen ob dieses ganze Zeug wirklich existiert, welches man durch´s Internet kennt. Sicher, in vielerlei Hinsicht sind unsere japanischen Freunde um einiges extremer als wir. Jedenfalls aus westlicher Sicht. Ich bin allerdings überzeugt, dass man Deutschland auch so einen Ruf geben könnte, wenn man irgendein groteskes Zeug zusammen sammelt und dieses, möglichst einseitig, dem Rest der Welt präsentiert. Das Japan- Zentrum der meisten Gehirne ist eben leider total verklebt von einem Schleim, bestehend aus rohem Fisch, Schulmädchenuniformen, Noise- Musik, Bondage, Seppuku etc. Ist man dann in Japan sitzt man wahrscheinlich rum wie Bill Murray in "Lost in Translation". Oder alle Vorurteile werden bestätigt. Kann ich leider nicht sagen, ich war noch nicht da.

Nach Großbritanien will ich übrigens auch. Allerdings nur wegen der "Speaker´s Corner" im Londoner Hyde Park. Für alle denen dies ein fremder Begriff ist: Jeder kann sich da hinstellen und Unsinn reden soviel er will. Ich stelle mir dies so vor: Der schreiende Christ aus der Münchner Fußgängerzone (genau, der mit dem weißen Schnurrbart und der Bastenmütze) multipliziert mit hundert. Das ist doch besser als ein Auftritt von Helge Schneider und Josef Hader zusammen. Kann man zumindestens annehmen.

Wie man richtig reist, habe ich bisher noch nicht geklärt. Also gut: Am besten mit Gepäck, sonst hat man nix dabei. Man bin ich gut. Und jetzt reise ich aus meinem Blog heraus, damit es nicht so voll ist und möglichst viele Leser Platz haben. Absolut wunderherrlich.


Montag, 7. Mai 2012

Kneipperei in Büschelfeld (oder: Die Regeln des bayerischen Volkstheaters)

Übliches, bayerisches Volkstheater


Es gibt verschiedene Dinge, die ich mit meiner Kinheit assoziiere. Dazu gehören neben Waldspaziergängen, begleitet von der Angst verloren zu gehen und einem aufblasbaren Halsreifen, mit dem ich relativ spät  das Schwimmen lernte, das bayerische Volkstheater in Gestalt von Peter Steiners Theaterstadl, dem Chiemgauer Volkstheater oder dem Komödienstadl. Und auch wenn man als Kind, die anspruchsvolle und vielschichtige Handlung dieser Stücke oft nicht versteht, so hat man doch Spaß an den urigen und kauzigen Figuren, die meistens damit beschäftigt sind, irgend etwas nicht zu verstehen oder ununterbrochen Türen zu zu schlagen. Los lässt das einen lebenslänglich nicht mehr. Viele Leute verarbeiten dies künstlerisch. Andere treten selbst dem örtlichen Bauerntheater bei oder werden depressiv. Wie auch immer diese Art der Unterhaltung das Fortleben beeinflusst, die wissenschaftliche Analyse der Stücke ist recht einfach. Damit jetzt nicht jeder Leser dieses Blogs, selbst eine Analyse anfertigen muss, habe ich mich an die Arbeit gemacht und ein typisches Bauerntheatervolksbühnenkomödienstück entworfen, welches ich früher oder später als Manuskript ans Münchner Schauspielhaus schicken werde. Aber das ist Zukunftsmusik, die uns jetzt nicht interessieren soll. Sehen wir uns lieber das (ewig-) gestrige an:

Ein immer wieder kehrender Faktor bei einem solchen Schwank ist das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne. Aus psychologischer Sicht, sicher mit Urängsten und Ähnlichem begründbar, was hier aber nicht hingehört. Schließlich ist so ein Stück zur Unterhaltung und nicht zum Nachdenken da. Wenn, dann wird die Angst unterbewusst übertragen, so wie es auch einige Experten dem Horrorgenre zuschreiben. Aber wie gesagt, dass Hirn wird ja jetzt ausgeschalten, da wir einen griabigen Schwank entwerfen. Nehmen wir für unser Beispiel die Tradition, in Gestalt eines, was sollte es sonst sein, kleinen, bayerischen Dorfes, dem wir den Namen Büschelfeld geben. Euro und Elektrizität sind hier erst einige Jahre nach der offiziellen Einführung angekommen, da man sich gerne in Skepsis übt und Alteingesessenes gern dabei belässt. Das Moderne wird dargestellt durch eine große Kneipp- Anlage, die in unmittelbarer Nähe des Dorfes gebaut werden soll. In wie weit das Kneippen als modern gilt, ist im Endeffekt egal, solange es nur genug Leute für Unfug halten. Also, das Grundgerüst steht schon einmal. Wir können uns denken, dass in einem solchen CSU- Dorf eher mit Misstrauen auf solche Sachen geantwortet wird. Genau darauf bauen nun 70% der Witze auf. Als Alternative zur Kneippkur- Anlage kann auch ein Schnellimbiss, ein Einkaufszentrum oder, wenn die Intention ganz umweltbewusst sein will, eine Müllverbrennungsanalge herhalten. In ganz avantgardistischen Stücken kann auch letzteres durch ein Atomkraftwerk ersetzt werden. Hauptsache es geht um etwas, was eigentlich niemand je in die Nähe eines 500 Seelen- Dorfes bauen würde.

Nun zu den Figuren: Die Hauptfigur ist meistens ein Bauer oder ein Bürgermeister. Manchmal auch ein Wirt. In unserem Fall ist es der Bürgermeister von Büschelfeld. Auffallend an dieser Figur ist, dass sie eigentlich Ungutes vor hat, oder dem Glück anderer Leute im Wege steht. Oft aus selbstgefälligen oder materialistischen Gründen. Trotzdem ist die Figur von anfang an sympathisch und ist am Ende natürlich geläutert. Auf jeden Fall will besagter Bürgermeister, nenen wir ihn Alois Bafframmer, unbedingt, dass in seinem schönen Dorf in Zukunft gekneippt wird, da er sich Einnahmen durch die Patienten verspricht. Der neue Maibaum bezahlt sich ja sicherlich auch nicht von alleine. Während des ganzen Stücks ist übrigens kein Vertreter der Kneippgesellschaft (oder wie man diese Insitution nennt) anwesend, damit der Eindruck eines gesichtslosen Unternehmens symbolisiert wird. Zurück zum Bürgermeister: Das Stück beginnt und der Vorhang öffnet sich unter Blasmusik und Applaus. Zu sehen ist Bafframmers Büro und er selbst, der gerade an seinem Schreibtisch sitzt und mit besagter Kneippgesellschaft telefoniert. Übrigens spielt das gesamte, restliche Stück in diesem Büro, in dem einfach jeder aus- und eingehen kann, wie bei einer Bahnhofstoilette. Nachdem das Telefonat beendet ist, kommt die Sekretärin ins Zimmer und bringt Kaffee, Unterlagen oder Ähnliches. Diese hält insgeheim nichts von den Plänen ihres Vorgesetzten, macht aber widerwillig mit und wird oft angeschrien. Auf jeden Fall spricht sie den gesamten Plan nochmals mit dem Bürgermeister durch, so dass der Zuschauer genau weiss worum es eigentlich geht. Meistens beginnt es mit "I woas nett, oba I hob koa guads Gfui bei der Soch." oder "Soi ma des wiaklich mocha? Glamms wiaklich, doss Büschelsfäid so a Kneipperei bracht?". Erster Running Gag: Man benutzt ununterbrochen das Wort "Kneipperei". Während dieses Gesprächs kommt heraus, dass man die Kneipp- Anlage auf einem ganz bestimmten Grund und Boden aufziehen will, der aber leider dem alten Großlindner Bauern gehört, von dem man weiss, dass dieser von neuen Ideen wenig hält und obendrein den Grund nicht rausrücken will. Dieser stellt die Identifikationsfigur der Geschichte da. Diesen kauzigen, urigen, freundlichen Mann will man seines Grundstücks, aus finanziellen Interressen berauben. Man braucht also einen Plan. Nun geht es erst richtig los!

Der Großlindner Bauer, ein richtig sympathischer, bodenständiger Typ tritt auf zwecks eines Geschäftes mit dem Bürgermeister und einer Vertragsunterzeichnung, die sowieso nicht zu Stande kommen wird. Als man in´s Gespräch kommt, tritt auch der zweite Running Gag in Kraft.

Bürgermeister: Woast Großlindner Bauer, mia woin bei der Wiesn do, die dia keaht a Kur- Anlag hi baun. Wo kronke Leit kneipn kenna.

Bauer: Wos? A Kneipn woits do hi baun?

Von nun an wird jeder, der von der Kneipp- Idee hört fragen, ob man auf den Grund des Großlindner Bauern eine Kneipe hinbauen will. Lustiger geht´s kaum. Wie erwartet steigt der Bauer nicht auf das Geschäft ein und erklärt mit altertümlichem Grinsen, dass diese Wiese schon seid Ewigkeiten in Familienbesitz steht und für keinen Preis der Welt zu erwerben ist. Nun ist guter Rat teuer. Während sich der Bürgermeister Gedanken macht und in Selbstgespräche versunken ist, kommt der beste Freund, meistens der Arzt oder Pfarrer in den Raum. Diese Figuren werden gerne als Komplizen eingesetzt, da sie normalerweise für Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit stehen. Religions- und Medizinskritik für das einfache Volk. In unserem Stück ist die Person der Dorfarzt. Der als Einziger gestochenes Hochdeutsch spricht und mit Fachbegriffen um sich wirft, was bei seinen Mitmenschen für Verwirrung sorgt. Der Bürgermeister erklärt sein Leiden und kommt auf einmal auf eine Idee! Der Doktor soll dem gutmütigen Bauern einreden er sei krank und die einzige Hilfe, die es gibt sei eine Kneipp- Kur. Nach erstem Zögern willigt der Arzt ein, da ihm der werte Herr Bürgermeister irgendetwas versprochen hat. Eine neue Röntgenmaschine oder einen Jackson Pollock für´s Wartezimmer. Also Korruption von der auch das gelackmeierte Volk etwas hat. Was die beiden Spitzbuben allerdings nicht bedacht haben ist, dass die sonst so devote Sekretärin an der Tür gehorcht hat und so nun genau über die zwielichtigen Machenschaften des Dorfoberhauptes  bescheid weiß. Der Plan ist nun also, dass man am nächsten Tag den alten Bauern wieder einlädt. Offensichtlich scheint dieser nichts anderes zu tun haben, so dass er jeden Tag ins Rathaus rennen kann. Man will ihn dann, wenn er nichts ahnend dasitzt, betrunken machen, damit ihm der Arzt anschließend einreden kann, er sähe gar nicht gesund aus und bräuche dringend die neuaritge Kur. Wunderbar.

Wie gesagt, hat die Sekretärin alles mitbekommen, sodass dieser Plan nicht ganz so funktionieren wird, wie es sich diese Gesellen ausgemalt haben. Was nun passiert ist relativ unabhängig von der eigentlichen Handlung. Verwechslungen, Türenzuknallen, irgendwer fällt hin, Geschrei, vielleicht bayerisches Gstanzln mit Schuhblattler oder eine Liebesgeschichte. Kann man alles individuell einsetzen. Auf jeden Fall laufen in einer Tour irgendwelche Leute im Büro herum als wäre es das Normalste der Welt. Gegen Anfang des letzten Akts sieht man die gesamte Familie des Bauern mit ihm und der Sekretärin, die die Leute unterrichtet hat aufgeregt im Büro herum stehen. Man kichert in sich hinein und jedem ist es klar: Der Spieß wird umgedreht. Als dann Bürgermeister und Doktor nichts ahnend ins Büro kommen und den Auflauf sehen, wird ihnen klar, dass dieser Abend anders wird als vorgestellt. Los geht die Gaudi! Irgendwie schafft es die Familie den besagten Spieß wirklich um zu drehen und am Ende ist der Bauer nüchtern und seine beiden Widersacher sind besoffen und bekommen von allen beteiligten eingeredet wie krank sie aussehen. Die Beiden haben natürlich Todesangst und stammeln durch die Gegend, als plötzlich der schlaue Bauer ihnen von einem Wundergetreide erzählt, dass er auf seinem großen Grund anbaut, welches den beiden Subjekten helfen könnte. Wer gut aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein, dass man eigentlich vor hatte diese Wiese für die Kneipper zu verwenden. Nun, angesichts des Todes, will man aber unbedingt diese Wiese, auf der komischerweise etwas angebaut wird, zum eigenen Überleben verwenden und ruft stockbesoffen bei der Kneippgesellschaft an, sie könnten ihr "Kneipp Wossa safa bises äana zua die Ohrwascheln naus lafft!" Der Vertrag wird zerrissen und man geht fröhlich lallend nach Hause.

Am nächsten Morgen hat man einen unvergleichlichen Kater, den man, wo sonst, im Rathaus auskuriert. Da kommt auch raus, dass man für dumm verkauft wurde, was dazu führt, dass man sich kurz aufregt, aber letztendlich doch wieder mit Gott und der Welt ausgesöhnt ist. Alle verneigen sich. Ende

Zwischen den Akten, meistens sind es drei, spielt eine bayerische Kapelle, bei der jeder einen anderen merkwürdigen Gesichtsausdruck hat. Nach so einem Stück ist man natürlich fix und foxi, vorrausgesetzt man hat sich nicht komplimentär mit den Figuren betrunken. Jedenfalls funktioniert ein bayerisches Theaterstück genau so und nicht anders. Die Figuren sind natürlich austauschbar, aber die Grundzustaten bleiben die Selben. Wenn man ganz genau hinschaut erkennt man dies auch bei Shakespeare wieder, jedenfalls sagt dies jeder Volksschauspieler, damit seine "Kunst" nicht als Unterhaltungsradau bezeichnet mit. Nun ja, vorrausgesetzt man hat keinen Blog, muss man sich mit diesem Thema auch nicht weiter auseinandersetzen, weshalb ich auch glaube, viele Leute mit diesem Eintrag irritiert zu haben. Ich kann ja mal was über´s Wetter sagen, damit alle mitreden können. Ich glaube diese Woche wird´s nicht so schön wie letzte Woche. Nicht unterhaltsam? Ja, aber sie wollten ja mitreden. Kasperl.

Montag, 23. April 2012

Gäbe es nur eine Trinkflaschenstöpselgröße, gäbe es diesen Eintrag nicht


Absolut keine Notwendigkeit für einen Flaschendeckel


Als ich vor einer Woche meine Zahnbürste fragte, was ich denn auf meinem schönen Blog so schreiben könnte, wusste sie nicht so recht und sagte erstmal überhaupt nichts. Ich dachte mir: "Nun gut, eine gute Idee braucht Entwicklungszeit, das weisst du ja selbst am besten." Also ließ ich der struppigen Kameradin ein wenig Zeit, bevor sie mir einen angemessenen Vorschlag unterbreiten konnte. Nachdem allerdings die Woche vorbei war und die Bürste immer noch nichts gesagt hatte, wurde es mir zu dumm mit diesem unkreativen Objekt und sie flog in hohem Bogen zum Fenster hinaus. Nun rieche ich bereits seid zwei Wochen unangenehm aus dem Mund (wissenschaftlich: Maulgammel) und habe immer noch keine neue Idee. Deshalb erzähle ich von einem kleinen Missgeschick, welches mir letztens erst widerfahren ist.

Kürzlich kam ich auf die famose Idee, mir eine spritzige Orangensaft Schorle zu genehmigen, da ich zufällig Orangensaft und kohlensäurehaltiges Mineralwasser mein Eigen nennen durfte. Mit Hilfe eines handelsüblichen Trichters mischte ich den Saft der runden Frucht mit dem einzigen Element, dass sich gut in Flaschen verkaufen lässt. Ich schüttete also das eine Zeugs in das Andere. Glücklicherweise ging nichts daneben, sodass ich nicht genötigt war zum handelsüblichen Lappen zu greifen. Nun schrieb ich aber, dass mir ein gar mistig Missgeschick widerfahren sei. Keine Angst, dazu komme ich jetzt: In meiner freudensbedingten Geistesabwesenheit versuchte ich die Flasche des Saftes, welche einen recht breiten Hals hatte, mit dem viel kleineren Deckel des klassischen Mineralwassers zu verschließen. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Deckel plumste in die Flasche und schwamm dort wie ein Boot voller betrunkener Schwaben ziellos herum.

Verständlicherweise war ich aufgebracht und ließ meinen Frust sofort an der Mikrowelle aus. Nun stinke ich nicht nur aus dem Mund wie ein Kläranlage, sondern esse diverse Speisen kalt, wenn nicht sogar tiefgefroren. Wie auch immer, kam mir doch bei meinem Malör ein philosophischer Geistesblitz: Nämlich dass der Mensch mit viel zu kleinen Mitteln versucht einen viel zu großen Sachverhalt zu verstehen und letztendlich hilflos dahintreibt. Für Sonderschulabbrecher: Der Mensch versucht sich etwas zu erklären, ist aber zu blöd dazu und ist letzten Endes frustriert. Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Nun wird die Stimme der Aufgebrachtheit natürlich aus ihrem Dachsbau gekrochen kommen und mir was husten. "Ächo, Ächö!! Sie neunmalkluger Stöpselphilosoph! Ächö, Ächö! Das weiss doch schon jeder Depp! Man muss sich einmal "Gute Zeiten unter uns" zu Gemüte führen und schon hat man den Sachverhalt verstanden!" Also gut, ich schreibe keine philosophische Abhandlung über offensichtliche Sachverhalte. Sowas nennt sich außerdem nicht Philosophie, sondern Richard David Precht. Egal.

Ich könnte natürlich auch eine Kunst- Performance daraus machen: Zehn halbnackte, junge Mädchen stehen nebeneinander und lassen unaufhörlich Wasserflaschendeckel in Orangensaftflaschen fallen. Dazu läuft im Hintergrund so etwas wie Zwölftonmusik. Allerdings nur mit fünf Tönen. Den Sinn dahinter ist absichtlich nicht zu erkennen, da Kunst erst richtig interessant ist, wenn man auf den ersten Blick nichts versteht. Nein, das war kein ironischer Kommentar, wie er sonst von "Das-kann-mein-Kind-doch-auch-malen"- Leuten kommt, sondern absolut ernst gemeint. Besagte Leute sollten am besten von Allan Kaprow überfahren werden. Und zwar mit einem Auto, von dem kurz zuvor Frauen Marmelade leckten und an welches Chris Burden genagelt ist. Anschließend kann Joseph Beuys gerne dem Publikum zeigen, wie man dem toten Kunstbanausen die Bilder erklärt. Der Kunststudent schnappt jetzt natürlich nach Luft, weil er vor lauter Lachen droht zu verrecken. Der Rest knallt mit dem Kopf auf den Tisch. Auch gut.

Da wir gerade beim Thema "Leute zum überfahren" sind: Als ich letztens im Norma den Dienst an der Kasse tätigen musste, hatte ich das Pech weder Fünfer Scheine, noch Münzen der Wertigkeit Eins und Zwei zu haben. Weiterhin hatte ich das Pech, einem Vollidioten sieben Euro herausgeben zu müssen, der überaupt nicht damit einverstanden war, dass er den Betrag in 50 Cent- Stücken bekam. Jedenfalls war meine fiese Cent- Aktion nicht das Einzige, was ihn an der Filiale störte, sondern auch die "Tatsache", dass es nie was Frisches gäbe. Ich hätte ihm vorschlagen sollen, dass er um 06:45 Uhr antanzen solle um sich an zu sehen, wie wir Kistenweise frich angekommene Erdbeeren, Eisbergsalate und Jeanshosen einräumen. Dann würde er sich sicher beschweren, dass es totlangweilig wäre sich so etwas ansehen zu müssen. Jedenfalls kam ich diesem Subjekt mit dem ultimativen Totschlagargument "Sie müssen ja nicht hier einkaufen", was vom Käufer hinter unserem Meckerfritzen bejaht wurde. Dieser beledigte den Cent- Verweigerer anschließend noch, wie dieser, nach eigener Aussage "noch nie beleidigt worden wäre". Nämlich mit: "Sie gehören ins Irrenhaus". Jedenfalls wurde uns noch ein Nachspiel versprochen.

Ui, neue Idee für eine Kunstaktion! Zehn halbnackte, junge Mädchen beschießen mit Hilfe von Steinschleudern einen gefesselten Vollidioten mit 50 Cent- Stücken. Wenn Hermann Nitsch noch Lust hat, kann er vorbei kommen und ihm einen Kalbskadaver um die Ohren hauen. Anschließend gibt es für alle Orangensaft mit Wodka. Vielleicht passt ja der Kartoffelschnaps- Deckel auf die Saftflasche.

Mittwoch, 28. März 2012

Neben Daniela Katzenberger war ein Sitzplatzfrei aber ich hatte David Bowie nicht mitgenommen


Mediale Identifikationsfigur

Ich mag David Bowie. Jedenfalls die Sachen die ich kenne. Genaueres kann man auf meiner Seite von Rate your Music nachlesen, die auf der rechten Seite verlinkt ist. Genug Eigenwerbung. Warum ich über Herrn Bowie schreibe, werdet ihr fragen? Geht euch eigentlich nichts an, aber in Ordnung. Der Grund warum ich eine Person erwähne, die nicht wirklich in den aktuellen Medien auftaucht, ist eine andere Person, die mit den aktuellen Medien recht gut vertraut ist. Ja, jetzt colabiert ihr schon vor Spannung. Und damit der Blog voll wird, werde ich die ganze Sache noch ein wenig mehr ausführen, sodass eure voyeuristischen Bedürfnisse für die nächste Zeit gesättigt werden.

Wie bereits im Titel vermerkt, hatte ich David Bowie, bzw. sein fabelhaftes Werk "Low" nicht mitgenommen, im Sinne von: Ich hatte es nicht auf dem tragbaren Musikabspielgerät (MP3 Player). Eigentlich hatte ich es gar nicht dabei. Jetzt fragen natürlich die Kritiker: "Wieso denn nicht? Du hast es doch immer dabei. Deshalb hörst du uns auch nicht, wenn wir dir auf der Straße zujubeln!" Ja, jetzt ist es auch wieder gut. Ich schreibe, dass ich es nicht dabei hatte, damit der Eintrag einen recht abstrusen Titel hat und damit ein guter Einstieg in die Sachlage gewährt ist. Ich wartete also ohne Musik auf den Bus. Als ich mir gerade darüber Gedanken machte, wo ich eigentlich hinwollte, kam er schon, sodass ich keine Zeit zum Überlegen hatte und einfach einstieg. Im Bus war natürlich alles gerammelt voll mit Leuten, wie es ein Bus eben so an sich hat, der gerammelt voll mit Leuten ist. Nun befand ich mich also auf einer bowielosen Platzsuche und wünschte mir, wenigstens für diesen Moment, alt und krank zu sein, nur um die Privilegien dieser Leute in Anspruch nehmen zu können. Da ich allerdings weder alt noch krank war, wanderte ich weiter durch das öffentliche Verkehrsmittel.

Schließlich, als ich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben und zu weinen begonnen hätte, entdeckten meine Augen einen freien Sitz. In Football- Spieler ähnlicher Manier polterte ich auf den Platz zu und setzte mich zufrieden. Vor Glück hätte ich wieder weinen können. Wie auch immer, ich kam für einen kurzen Moment auf die Idee nach rechts zu schauen und stellte fest, dass es sich bei meiner Sitznachbarin um die prominente Prominente Daniela Katzenberger handelte, die sich gerade so benahm wie sie sich eben immer benimmt. Natürlich blickte ich mich sofort um, um Kameras aus zu machen, da ich annahm hier würde gerade eine Episode ihrer Fernsehsow gedreht werden. Ich erblickte keine. Also nahm ich, mit etwas logischem Denken an, dass Frau Katzenberger wohl privat mit diesem Bus unterwegs war. Mir fiel es überhaupt nicht ein, sie zu fragen, wohin sie wollte, denn schließlich interessierte es mich nicht und auch eine Prominente wird wohl nicht zum Mond wollen, wenn sie mit dem Bus fährt. Ich vermutete allerdings, dass Frau Katzenberger nicht wusste, dass sie gerade nicht gefilmt wurde, da sie sich, wie bereits erwähnt, so benahm wie immer. Ich stupste sie sanft mit dem Ellenbogen an die Schläfe und sagte in diskretem Ton zu ihr: "Entschuldigung Frau Katzenberger, es liegt vielleicht daran, dass sie durch die andauernde Medienbegleitung bereits einen gewissen Verfolgungswahn haben, aber hier können sie ganz sie selbst sein, ich habe die Umgebung bereits nach Kameras untersucht." Keine Reaktion.

Vor ein oder zwei Wochen fragte Markus Lanz in seiner Talkshow übrigens seine Gäste (von denen die einzig mir bekannten Gesichter Frau Katzenberger selbst und Paul Breitner gehörten) was denn nun genau das Phänomen Katzenberger sei. Viel interessanter fände ich es allerdings, wenn jemand mal das Phänomen Lanz lüften würde, aber das nur nebenbei. An die Antworten der beteiligten Phänomene, kann ich mich nicht mehr genau erinnern, was schon einiges über deren inhaltlichen Wert aussagt. Nur Herr Breitner sprach auf einmal vom Verzehr von Hundekacke (Nein, das ist kein Scherz von mir). Darauf wollen wir aber nun nicht eingehen, alles zum Thema gibt es bei diesem wohlbekannten John Waters- Film.

Nun, was sagt uns nun allerdings dieses Phänomen Katzenberger? Zu allererst, dass es anscheinend genug Leute in diesem schönen Land gibt, die offensichtlich nicht viel haben, über dass sie sich Gedanken machen könnten. Anschließend noch, dass die Leute seid der Stummfilmzeit den gleichen Mustern folgen. So, nun sind alle verwirrt, die keine Hochschulreife haben. Egal, darum erkläre ich nun auch meinen Gedanken. Darum, und weil ich offensichtlich nicht viel habe, über dass ich mir Gedanken machen kann.

Was hinter Katzenberger, bzw. ihrer medialen Persönlichkeit steht, ist im Grunde das Selbe, wie bei den alten Slapstick- Künstlern wie Laurel & Hardy, Buster Keaton und den drei Stooges (damals noch ohne Iggy Pop). Man bringt den Leuten Personen über die sie lachen können, welche allerdings gleichzeitig sympathisch wirken. Ob man nun Keaton oder Katzenberger sympathischer findet, hängt wohl vom Zuschauer ab. Zweitere wird also, von sich selbst, wie von den Leuten dahinter, als Figur dargestellt, die im Gegensatz zu den schwarz- weißen Kollegen, allerdings mehr Authenzität vermitteln soll. Wie viel davon wirklich echt ist, weiss man grundsätzlich nicht, außer man hat Kontakt zu besagter Frau. Ebenfalls fragwürdig ist, ob die Identifikation mit der Fernsehfigur echt ist oder nur in der eigenen Fantasie statt findet, da man bei der kleinsten Gemeinsamkeit, die man höchstwahrscheinlich auch mit dem Rest der Menschheit teilt, meint man sähe gerade eine Seelenverwandte im Fernsehen. Also kurz gesagt: Witz- und Identifikationsfigur gleichzeitig zu sein, kann einem schnell eine große Fangemeinde bringen. Schafft man dies selber nicht, gibt es genug Leute, die einem dabei helfen können. Aufpassen sollte man allerdings, wenn einem dann vorgeschlagen wird, durch Formate wie Mitten im Leben oder Das Supertalent zum Ruhm zu kommen. Da wird letztendlich jede Identifikation subtrahiert und man hat nur noch den Ruf als Witzfigur.

Übrigens ist dieses Konzept nicht neu. Genau das gleiche Konzept wie Katzenberger war in den Neunzigern Verona Pooth (damals noch Feldbusch, für die Jüngeren unter euch). Irgendwie doof, irgendwie Camp, aber doch etwas, was man sich ohne Fremdscham, aber dafür mit gelegentlichem Auflachen anschaut. Jedenfalls wenn man nicht wie ich ist. Bei ihrer Erbin wird dieses Bild, noch durch das Sahnehäubchen BLOND ergänzt. Ein anderes Beispiel für eine mediale Figur, die genau so gut erfunden hätte sein können, war Hermes Phettberg, wobei bei ihm eher die Negativfaszination Grund des Erfolgs war. Außerdem hat sich dieser nicht für jeden Quatsch hergegeben und ist um Einiges interessanter und liebenswürdiger. Jedenfalls wenn man die selben Menschen wie ich interessant und liebenswürdig findet. Obendrein kann man hier annehmen dass er 100%ig real war bzw. heute noch ist. Aber das Thema würde jetzt den vorgegebenen Rahmen sprengen.

Nun hatte ich allerdings nicht das Glück neben Hermes Phettberg zu sitzen, sondern neben der, hier eigentlich viel zu oft erwähnten Daniela Katzenberger. Diese hatte mich offenbar nicht verstanden und spielte weiter die, von ihr erwartete Rolle. Also puffte ich sie nochmals leicht, diesmal gegen den linken Augapfel und redete ihr nochmals zu: "Frau Katzenberger, ich sagte doch bereits, dass sie hier aufhören können ihre Rolle zu spielen. Sein sie ganz natürlich, sie glauben gar nicht, wie viele Leute sie dann sympathischer finden würden. Sehen sie, dumm scheinen Sie ja nicht zu sein. Sie haben schließlich ein Buch geschrieben, dass bei uns im Norma zum Verkauf stand. Der Titel ist vielleicht ein bischen von der APPD übernommen, aber das macht ja nichts, steht auch gar nicht zur Debatte. Haben Sie keine Scheu, vor mir können Sie sein, wie sie wirklich sind."

Was ich allerdings darauf bekam, war ein Lächeln der Sorte "Diese Gesichtsverrenkung ist künstlich, aber sie soll echt wirken vor den Fotografen", neben dem Kindergärtnerinnen- Lächeln und dem Kifferlächeln wohl das Schlimmste seiner Art. Dies war der Tropfen der das Faß zum Überlaufen brachte. Noch dazu machte sie nach diesem Lächeln einfach weiter, Sie selbst zu sein. Ich fuhr von meinem Sitz hoch und erhob meine Stimme:

"Zum Kuckuck noch einmal! Sagen Sie jetzt bloß, dass sie wirklich so sind! Das hält man ja im Kopf nicht aus! Oder wollen Sie jedem Menschen in diesem bedauernswerten Land ihre Rolle auf die Nase binden, weil sie ja ach-so-authentisch sein wollen?! Lassen Sie sich mal eines sagen Frau K.: Manchmal ist es besser nicht authentisch zu sein, vorallem wenn man durch seine reale Persönlichkeit, anständigen und gebildeten Bürgern Fremdscham bereitet, die höher nicht sein könnte! Ist Ihnen eigentlich klar, dass sie wie eine Cartoon- Figur wirken? Wie Daisy Duck mit Hosen? Sie Marionette Sie! Sie Persoooooooooooooooooon!"

Meinen kleinen, cholerischen Ausbruch hatte sie allerdings nicht bemerkt, da Sie zu beschäftigt damit war, wie könnte es auch anders sein, sie selbst zu sein. Wer mich allerdings bemerkt hatte, war eine Gruppe müder Bauarbeiter, die nun gar nicht mehr so müde waren und mich leicht erbost bei der nächsten Station hinauswarfen. Eigentlich gar nicht mal so schlimm, nur hatten sich die fleißigen Herren geirrt und mich an der falschen Station aus dem Bus befördert. Also hatte ich eine halbe Stunde Fußweg vor mir, die ich ohne Musik verbringen musste. Ohne David Bowie. Den hatte ich ja nicht mitgenommen.

Mittwoch, 21. März 2012

Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur fragwürdige Informationswünsche


Auch wenn es nicht so scheint: Die Frage nach dem Inhalt der Alufolie ist angebracht.


Egal ob es um Wasser oder um die Interaktion mit der Umwelt geht: Klarheit ist wichtig! In der heutigen Zeit ist es wichtig, sich über die Dinge im Klaren zu sein, die um einen herum passieren. In der Regel ist diese Klarheit wichtiger als Ruhm und Reichtum, wobei sicher jeder Zweite sagen würde, dass er für ein paar Scheine und einen gewissen Bekanntheitsgrad ein wenig Realitätsverlust in Kauf nehmen könnte. Aber mal eine ernsthafte Frage:

Was nützt es einem wenn man sich von seinem Vermögen den teuersten Drucker der Welt gekauft hat, aber darüber in Unklarheit ist, wie er funktioniert?

Ein realitätsnäheres Beispiel gibt es wohl kaum. Und damit man nicht irgendwann, etwas verkohlt, samt dem Drucker in der Badewanne gefunden wird, wie der arme Millionär unseres Beispiels, hat der Mensch die Frage erfunden. Die Frage ist eine Informationsbeschaffungsmaßnahme bei der die Stimme am Ende des Satzes etwas höher wird. So steht es jedenfalls in der Fachliteratur.

Ganz interessant wird es, wenn man anhand der Fragen das Psychogramm des Fragers erstellen will. Folgende Kriterien sind dabei zu beachten:

  1. Häufigkeit des Fragens: Desto öfter ein Mensch am Tag Fragen stellt, desto weniger weiß er anscheinend. Dabei sollte man nicht sofort auf einen Deppen schließen, das wäre fatal. Um den Deppen zu erkennen, muss man nämlich noch die anderen beiden Punkte mit einbeziehen
  2. Gewichtigkeit der Frage: Diese lässt sich in erster Linie daran messen, wie einfach die Frage zu beantworten ist oder welchen Nutzen die Allgemeinheit von dieser Frage hat. Ein Beispiel: Die Frage "Wie viel kostet diese Jogging- Hose, deren Preisschild unauffindbar ist, junger Mann?" ist weniger gewichtig als "Herr Schabrelowski, ist der Mensch eigentlich nun die Krone der Schöpfung?". Beides nicht allzu einfach zu beantworten, aber im Gegensatz zur Frage nach der Krone der Schöpfung ist die Frage nach dem Hosenpreis doch eher trivial. Außerdem kann man auf die Frage auch mit der improvisierten Antwort "7,50 €" ausweichen und alle sind glücklich. Nun ist natürlich nicht jeder Hosenkäufer ein Depp. Deshalb sollten wir uns auch die letzte Kategorie ansehen.
  3. Angebrachtheit der Frage: Zum Einen bezeichnet dieser Punkt eine unangebrachte Frage, aufgrund des Umfeldes, z.B. wenn man sich auf einer Beerdigung nach der Toilette erkundigt und zum Anderen wenn man eine Frage stellt die von ihrer Sinnhaftigkeit her, eigentlich immer unangebracht ist. Und mit so einer Sorte von Fragen will ich mich nun beschäftigen.

Die Frage dritter Kategorie, zweiter Art (sagen wir einfach kurz "Dumme Frage"), wird recht häufig gebraucht. Grund dafür ist meist nicht mangelndes Wissen, sondern der Irrtum, dass man meint, zu jedem Tatbestand etwas sagen zu müssen. Die Frage, in welche Richtung der Zug fährt, obwohl man gerade an der Endstation ist, ist vielleicht unangebracht, aber verzeihlich. Schließlich kann es sein, dass der Fragende etwas wirr im Kopf ist, und das ist schließlich jeder gute Mensch einmal.

Auch verzeihlich ist, wenn ein Soldat im Schützengraben fragt "Welcher Arsch hat die Granate geworfen?" Es ist zwar mehr als offensichtlich, dass der Feind gegenüber die Granate geworfen hat, aber in einer Stresssituation wie einem Krieg, setzt das Hirn schonmal aus.

Nein, eine dumme Frage wäre z.B., wenn man seinen Gegenüber, der gerade ein Bein verloren hat, fragt, ob er sich verletzt habe. Auf dieses Beispiel wollen wir allerdings nicht eingehen. Es ist zu ausgelutscht. Schauen wir uns lieber meine Lieblingsfrage an:

Warst du beim Friseur?

Die Frage beantwortet sich nicht nur von selbst, sondern bringt auch keine wirkliche Klarheit ins Leben des vermeintlich Interessierten. Schließlich heißt es nach den Gesetzen der Logik:

Eine Veränderung der Haare ist verbunden mit fremdem Einwirken.

Die Frage wäre also angebrachter, wenn die betreffende Person dafür bekannt ist, sich selbst die Haare zu schneiden. Eigentlich wäre die Frage selbst dann bescheuert, da der Beschnittene ja, wie gesagt, dafür bekannt ist, sich selbst die Haare zu schneiden,

Diese Frage ist eigentlich in jedem Zusammenhang blöd. Ich weiss auch nicht wer auf die Idee kam, sie als Erster zu stellen. Es kann natürlich auch sein, dass es sich um eine Reflexfrage handelt. Wenn es das überhaupt gibt. Auch gut möglich ist, dass das Ganze so etwas wie ein verstecktes Kompliment sein könnte. Wenn man sagt "Holla! Deine Frisur sieht aber fesch aus!", ist es gut möglich dass dies bereits als Anmache verstanden wird und "Sexuelle Belästigung!!" geschrien wird. Außerdem gibt es verschiedene Leute, die mit Komplimenten nicht umgehen können und um sich schlagen.

Ein guter Freund hatte auf diese Frage übrigens die Antwort: "Nein, meine Haare wachsen nach innen." So sollte man diesen Leuten begegnen. Durch eine absurde Antwort, das widersinnige Fragverhalten offenlegen. Oder die Person verarschen, wie es im Volksmund heißt.

Obwohl....STOP!!!! Alles vergessen, was gelesen wurde!! Die Frage "Warst du beim Friseur?" ist doch nicht meine liebste, dumme Frage. An vorderster Stelle ist:

Welche Drogen hast du genommen?

Diese Frage kommt meist, nachdem man individuelles Verhalten an den Tag gelegt hat, wie z.B. energetisches Tanzen. Dann kommt schnurstracks so ein Subjekt, und führt dieses Verhalten auf Rauschmittel zurück. Exzentrisches Benehmen, im positiven wie im negativen Sinne, scheint für dieses Volk, wohl etwas unmenschliches und unnormales zu sein. Nun Ja, wie auch immer. Diese Fragerei, kommt meistens dadurch, dass die betreffenden Personen an der eigenen bedeutungslosen Mittelmäßigkeit leiden und den Individualismus anderer zu verstehen versuchen. Im Endeffekt bemitleidenswert.

Und hier kommt ihr ins Spiel! Kommentiert diesen Beitrag mit eurer bestmöglichen Antwort auf diese Frage und ihr gewinnt meine Achtung! Viel Spaß dabei, ich hoffe, ganz, ganz viele Leute kommen auf eine Idee.

Montag, 5. März 2012

Von der Ähnlichkeit mit prominenten Personen



Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beim obrigen Bild jegliche Assoziation mit Günther Grass fehl am Platz ist

Zu den ganz auffälligen Nachteilen an meiner Person gehört, neben den üblichen Nachteilen und Problemen, die aus der eigenen, individuellen Persönlichkeit resultieren, dass ich nicht die geringste Ähnlichkeit mit irgendeinem Prominenten habe. Wobei es mir in erster Linie egal wäre, aus welchem Beet des glamourösen Prominenzgartens mein Ebenbild gezogen würde. Musik, Film, Bildende Kunst, Politik, das alles wäre im Endeffekt egal, da die Tätigkeit der besagten Person nichts mit meinem Wunsch an sich zu tun hat. Außer dass es eine Tätigkeit von prominenter Natur ist. Zwar ist es in diesen, heutigen Tagen nicht allzu vorteilhaft wie Christian Wulff oder Karl- Theodor zu Guttenberg aus zu sehen, was sich auch niemand wirklich wünschen würde, aber dennoch bleibt mir durch mein unmediales Aussehen folgende Situation verweigert:

Eine junge Frau, gegebenenfalls auch ein junger Mann, würde mich auf der Straße, vielleicht gerade am Stachus an dem ich mir Kirschen in den Mund schiebe, da ich diese kurz zuvor käuflich erworben hatte, um eine spontane Lust nach Kirschen zu stillen, ansprechen und zwar entweder mit „Entschuldigung, dass ich sie einfach so anspreche, aber waren Sie nicht schon einmal im Fernsehen?“ oder mit „Verzeihung, das hören Sie sicher ständig, aber sind Sie nicht ?“. Eigentlich könnte die Frau, beziehungsweise der Mann, auch alt sein, mir ist das ganz gleich. Paarweise können sie auch auftreten. Eine junge Frau und ein junger Mann, eine alte Frau und ein alter Mann, eine junge Frau und ein alter Mann oder eine alte Frau und ein junger Mann. Hat mit der Konfrontation nicht wirklich etwas zu tun. Auf jeden Fall würde ich das Subjekt, dass mich gerade angesprochen hat, verwundert ansehen und nebenbei meine Kirschen hinunter schlucken. Ich müsste aufpassen, dass ich keine Kirschkerne verschlucke oder ausspucke. Dann wenn ich mich gefasst habe, würde ich sagen: „Nein tut mir leid, Sie müssen mich verwechseln“. „Oh, tut mir Leid“ würde dann zurückkommen, „sie sehen nämlich , unglaublich ähnlich.“. Darauf würde ich wiederrum antworten, dass dies nichts mache und mir außerdem immer passieren würde. Lächelnd verabschiedet man sich und geht weiter seiner Wege, mit dem guten Gefühl im Bauch, ein Missverständnis aufgelöst zu haben und ohne irgendwelche Folgeschäden daraus hervor gegangen zu sein. Sicher würde man es auch Freunden und Familie erzählen, dass man jemanden getroffen hatte, der aussieht wie , da man so was ja Leuten erzählt. Wenn man jemanden mit jemandem verwechselt, der in der Öffentlichkeit weithin unbekannt ist, dann hält man das lieber für sich geheim, weil es zu den peinlichsten und unverzeihlichsten Dingen gehört, die einem passieren können.


Wie auch immer, ich sehe ja niemandem ähnlich, also wird mich niemals jemand ansprechen. Schade eigentlich, da ich trotz meines Allerweltsgesichts - Jedes Gesicht, dass man nicht mit irgendetwas und irgendwem assoziieren kann, ist ein Allerweltsgesicht - etwas zum Thema „Ich im Fernsehen“ erzählen könnte. Sollte mich also irgendwer auf der Straße ansprechen, und mich fragen ob ich Erfahrungen vor der Kamera habe, würde ich antworten: „Und ob! Mit neun Jahren waren ich und einige Kameraden aus meiner Klasse bei „Tabaluga Tivi“ eingeladen. Ich habe es zwar nicht zum Kandidaten geschafft, - was nebenbei bemerkt, auch gar nicht so schlimm gewesen wäre, da der Vorstellungsfilm zu mir recht uninteressant ausgefallen sein müsste - aber letztendlich saß ich im Publikum. Allerdings glaube ich, dass ich kein einziges mal im Bild war. So etwas Ähnliches habe ich noch im Gedächtnis. Eigentlich auch gar nicht so schlimm, da ich während der Sendung mit einem, neben mir sitzenden Freund herum gekaspert habe und da kommt man, nicht mal als Kind, seriös rüber. Wenn ich es genau überlege war er aber auch kein richtiger Freund. Der war in höchstem Maße unsympathisch. Ich glaube er hieß Alex, ich weiss es aber nicht mehr genau. Ich würde auch nicht mein letztes Hemd darauf verwetten, dass er Alex hieß, nicht dass sie denken, es könnte ja ein Alex sein, den Sie kennen. Sie könnten ihm dann nicht mehr normal gegenüber treten, da Sie sich immer fragen würden, ob er der Alex ist, den der junge Mann, den Sie angesprochen haben, so unsympathisch findet. Tatsache ist allerdings, dass er bei jeder Gelegenheit erwähnt hat, dass er nur Einser schreiben würde, was logisch betrachtet vollkommen absurd ist, da in der Grundschule schließlich jeder irgendwo sein Problemchen hat. Meines war Mathe. Aber das hat uns ja hier nicht zu interessieren. Außerdem meinte er, seine Familie hätte schon des öfteren im Lotto gewonnen. Ich habe es damals geglaubt, da sie einen rießigen Krohnleuchter im Esszimmer hatten, der...“. Spätestens jetzt würde die Person anmerken, dass sie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel fahren müsse und sich deshalb diesen interessanten Auszug aus meiner Biografie nicht zu Ende anhören könne. Noch bevor ich etwas sagen könnte, würde der Mensch, der mir gerade noch so nahe war, mit gekünsteltem Lächeln und schnellem Schritt verschwinden. Nach einigen Sekunden des Herumstehens, würde auch ich weiter ziehen. Eine halbe Stunde später würde mir dämmern, dass diese Frau mich offenbar angelogen hat, da es nicht sein kann, dass jemand, der schnell zur Bahn oder zum Bus muss, an meinen Fernsehauftritten, aber nicht an Alex, von dem ich übrigens noch genau weiss, dass er so hieß, interessiert ist. Aber bevor Wut aufkommt, zeigt sich eher etwas Verständnis, denn schließlich wäre jeder bei einer solchen Informationsflut erstmal überwältigt und bräuchte einen stillen Platz, um diese zu verarbeiten. Ich nehme mich da übrigens nicht aus.

Letztens erst beim Tabakkauf, war ich mit Informationen, oder besser gesagt mit Informationsgier überfordert. Informationsgier ist übrigens Fragerei. Nach meiner Weltanschauung ist eine Frage auch eine Information und zwar die Information, dass der Gegenüber eine Information will. Aber das nur am Rande. Auf jeden Fall, wollte die Verkäuferin, die mir eigentlich schon den Tabak relativ ausgehändigt hatte, auf einmal mein Alter wissen. Es lässt sich erahnen, dass sie neu eingestellt war und in mindestens drei Wochen das Fragen unterlassen würde. Jedenfalls behagelte ich mich gerade selbst mit Informationen, das heißt, ich dachte über potentiell Interessantes wie Literatur, Musik oder Frauen nach, aber ich weiss es jetzt nicht mehr genau. Jedenfalls war ich von dieser einen Frage „Wie alt bist du denn?“, bereits so aus der Bahn geworfen worden, dass die Gedankenordnung in meinem Kopf sich nun in einen Wirbelsturm aller erster Güte verwandelte und ich nicht wusste was nun zu antworten war. Hätte sie übrigens „Wie alte sind Sie denn?“ gefragt, hätte ich geantwortet „Also wenn, sie mich schon siezen, dann müssten sie mich doch auch für alt genug halten um zu Rauchen“. Hat sie aber nicht. Also wurde sie auch nicht rot. Auf alle Fälle, vergaß ich in diesem Schockmoment mein Alter und brachte nur ein verdutztes „Ääh“ hervor. Ich kramte in meinem Kopf nach der Akte „Alter Rauchen“ (Niemand würde je eine Akte so benennen), aber anscheinend war es die Falsche, da ich in Versuchung kam „18“ zu sagen. Da ich allerdings älter als 18 bin, überlegte ich kurz logisch und versuchte mir mein Geburtsdatum vor´s geistige Auge zu führen. Da raste auf einmal aus meinem Hinterkopf die Zahl 20 heran, die auch zufällig mein Alter recht gut beschreibt. In der Zwischenzeit waren wie Stunden scheinende Sekunden vergangen und ich kam mir recht unglaubwürdig vor, so dass ich meinen Personalausweis aus der Tasche zog. Im Endeffekt bekam ich meinen Tabak und rauchte sofort eine Verarbeitungszigarette.


Womit wir wieder zur Frage kommen, was wäre, wenn ich einem Prominenten ähnlich oder gar identisch sehen würde. Hätte ich dann beim Tabakkauf mein Alter vergessen, würde die Verkäuferin oder ein zufällig herumstehender Zeuge diese Geschichte sofort an die Medien, in erster Linie an Boulevardblätter verkaufen. Dann stände in der Zeitung folgende Schlagzeile: „ im Teufelskreis der Drogen“ oder „, trotz Alzheimer noch in der Öffentlichkeit“. Diese prominente Person würde sich darauf hin zu Wort melden und die Geschichte revidieren, vielleicht sogar behaupten, nie an diesem Tabakstand gewesen zu sein. Man würde alles nachprüfen und den Artikel schließlich auf der zweiten Seite, einer folgenden Ausgabe als Irrtum entlarven und sich bei den Lesern sowie dem Opfer entschuldigen. Vielleicht gäbe es auch noch ein Interview in dem ich sagen würde, dass mir das dauernd passieren würde. Aber solange es niemand, der mir ähnlich sieht ins Fernsehen schafft wird es das leider auch nicht geben.

Es könnte sein, dass es mal jemanden gab, der im Fernsehen war und nebenbei auch noch so aussah wie ich, aber dann würde sich entweder niemand mehr an ihn erinnern oder man würde sagen: „Verzeihung, aber hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass sie aussehen wie , in vergangenen Zeiten?“ Worauf ich sicher sagen würde „Keine Ahnung, den kenn´ ich nicht.“ Im Endeffekt, wäre auch keine wirkliche Verwechslung passiert, das heißt, wenn irgendwer mein Gesicht hatte und im Fernsehen war, nützt mir das überhaupt nichts. Denn darauf angesprochen zu werden, dass ich aussehe wie jemand der mal so ausgesehen hat wie ich, kann ich wirklich verzichten.

P.S. Dieser Text wurde bereits vor zwei Monaten geschrieben und ich haderte mit mir, ob ich ihn der gierigen Öffentlichkeit preis geben sollte. Letztendlich habe ich es doch getan, wie man am obrigen Text sehr gut erkennen kann.

Dienstag, 14. Februar 2012

Eine rosarot-erregend-kuschelige Valentinstagserotikgeschichte


Die subtile Erotik in diesem Bild ist, trotz ihres subtilen Charakters, unübersehbar

Tja, meine Lieben, heute haben wir einen ganz besonderen Tag in unserem Kalender vermerkt. Den 14. Februar. Da werdet ihr nun aufbegehren: "Wie bitte? Was soll den an diesem Tag besonders sein? Anarchie! Anarchie!" Da sage ich dann: "Also zum ersten, lieber Mob, haben wir den 14.02.2012, den gibt es nur einmal überhaupt. Jedenfalls in unserer Zeitrechung. Und was noch wichtiger ist, ist die unumgängliche Tatsache, dass heute Valentinstag ist, der Tag der ewigen und einzigen Instanz, die den Menschen beherrschen und beglücken soll." "Na gut, Na gut..." sagt ihr nun kleinlaut und kriecht zurück in eure Löcher, während ich beginne meinen Eintrag zu schreiben.

Wer denkt, dass an diesem altehrwürdigen Feiertag des Herzens und des Gehirns Brauch ist, sich den "Firmlings"-Sketch von Karl Valentin in Endlosschleife an zu sehen, der liegt falsch wie jemand, der sich im Hotel im Zimmer geirrt hat und nun, in bester Loriot-Manier in einem fremden Bett schläft bis der angetrunkene Bewohner des Zimmers kommt und "Jesus, Maria und Josef! Wer sind denn Sie?" ruft. Sich diesen Sketch an zu sehen, meinetwegen auch mehrmals, ist zwar auch eine schöne und sinnvolle Freizeitbeschäftigung, aber an diesem Tag geht es in erster Linie um Liebe, Gefühle und Pralinen. Ab und zu sind auch Rosen dabei. Und aus diesem Tag, an dem selbst der Himmel so rot leuchtet wie eine herzförmige Lampe aus der Elektroabteilung, will ich nicht in meine Rolle des ewigen Grantlers zurück fallen und euch eine erotische Geschichte schenken. Nicht obszön und nicht abgeschmackt aber immer noch gut gewürzt mit Gefühl und Begehren. Dabei wünsche ich euch ganz viel Spaß. Noch einen Schluck kohlensäurehaltiges Mineralwasser und los geht´s!

Es war ungefähr 23.00 als Sven bei der großbusigen Paula ankam und sie ihm die Tür öffnete. Mit hochgezogener Augenbraue lächelte er sie verschmitzt an und flüsterte in ihr unwiderstehliches Ohr: "Du scheinst ja ein böses Mädchen gewesen zu sein. Wie es aussieht muss ich dir an den Hintern fassen." "Oh, es tut mir unglaublich leid." entgegnete die bereits heißgelaufene Paula, "Wenn du meinst es erlöst mich von meiner Ungezogenheit, dann muss es wohl sein." Und so packte ihr Sven mit festem Griff an ihr einladendes Gesäß. "Oh, was für ein schönes, festes...Sag mal, hast du in die Hose geschissen?" "Ja, ich dachte dass macht man heutzutage als Mitglied der oberen Mittelschicht so." "Pfui Teufel! Jetzt will ich auch nicht mehr!"....

Ach verdammt, wie komme ich jetzt da wieder raus? Besser gefragt, wie bin ich da überhaupt rein gekommen? Erstens einmal ist es nicht als allgemein erotisch anerkannt, wenn man sich in die Hose macht und zweitens glaube ich nicht, dass es von Mitgliedern der oberen Mittelschicht so gemacht wird. Am besten ich fange von vorne mit etwas ganz Neuem an, das habe ich ja nun königlich versaut. Und am besten wird es sein, wenn ich ohne Umschweife gleich zum Erotischen komme, sonst schläft die Hälfte der Leser auf halbem Weg ein. Also, auf ein Neues.

Hannelore lag bereits nackt und zuckend in Detlefs Bett und hinterließ mit ihrem schmackhaft geformten Körper runde Dullen in der Matraze. Und während sie, bereits ächzend vor sexueller Energie an ihren rosaroten Nippeln zupfte, erschien Detlef in der Tür mit seinem gurkenartigen Phallus, der...

"Gurkenartiger Phallus"?? Nein, das geht überhaupt nicht. Wenn dann schon: "Ein Phallus, der von Größe und Umfang her, an eine Gurke erinnerte.", aber nicht "gurkenartiger Phallus". Toll, jetzt hat jeder das Bild von einem großen, grünen Penis im Kopf. Das ist ganz und gar nicht erotisch. Ich höre die weiblichen und schwulen Leser schon erzürnt rufen: "Nein, nein und nochmals nein! Ein grüner Phallus darf nicht sein!". Schon gut, schon gut, beruhigt euch wieder, ich fang einfach wieder von vorne an.

Linda und Boris stürmten, von Geilheit und Lust angetrieben, in die Bahnhofstoilette, die um diese Zeit keine Besucher mehr hatte. Sich wild befummelnd, schloßen sie sich in einer Kabine ein und begannen sich, während sie den Mund des jeweils anderen mit der eigenen Zunge füllten, die Beinkleider ab zu streifen. Da öffnete Boris kurz seine Augen und erblickte eine Schmiererei an der Wand. "Suche heiße Boys zum telefonbumsen, bitte mit großen Schwänzen 089/937856" las er vor. "Vielleicht sollte ich da mal anrufen, was meinst du?"....

Ach Quatsch! Warum sollte er denn da anrufen? Schließlich ist er eh kurz vor´m Geschlechtsverkehr und dabei Lust auf Telefonsex zu haben, ist eher unwahrscheinlich, wenn nicht gar absurd. Außerdem sind diese Bahnhofstoilettenschmierereien, so denke ich jedenfalls, nicht als ernsthaftes Angebot, sondern als obszöner Jux zu verstehen. Obendrein ist das Ambiente auch nicht gerade einladend zum Kopulieren. Ok, das nächste Mal ohne Toilette.

"Eichhörnchen sind interessant" sagte Henning. "Lass uns bumsen" sagte Lola....

Das war ja nun wirklich zu einfach. Überhaupt kein Übergang. Aber man kann das noch als humorvolle Stelle gelten lassen, also machen wir einfach weiter.

"Schon. Wenn du dich als Eichhörnchen verkleidest" sagte Henning. "Ja, warum nicht. Aber du musst wissen, ich habe eine Nussallergie" sagte Lola. "Entweder ganz oder gar nicht" sagte Henning....

Das war jetzt eine schlechte Idee da weiter zu machen. Begraben wir Henning und Lola, samt ihren Eichhörnchen lieber gleich.

Nachdem Raphael seiner Angebeteten Angelika, das Höschen ausgezogen hatte, entschloß sie, das Selbe mit ihm zu tun. Aber als sie seine Shorts schon zur Hälfte herunter gestriffen hatte, bemerkte sie etwas. "Sag mal, hast du in die Hose geschissen?"...

Das hatten wir ja schon mal. Beim Zweiten mal klappt´s genauso wenig, da noch was Gutes draus zu machen. Nun aber richtig.

Mit wippenden Brüsten ritt Monika ihren Hengst Peter in´s sexuelle Nirwana....

Der Anfang ist gut. Auf diese Weise sollte es weiter gehen.

Und sie ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt...

Warum fällt mir jetzt da nichts mehr ein? Hmm, vielleicht noch ein paar mal "und ritt", dann kommt bestimmt was Feines.

...und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und...

Verflixt und zugenäht! Da kommt überhaupt nichts Feines. Das wird nur immer blöder. Ach, ich habe jetzt keine Lust mehr!!! Erotik ist sowieso nicht mehr das, was es mal war. Überbewertet bis zum geht nicht mehr. Und diesen endorphinbekifften Libidogeiern werde ich jetzt nicht auch noch, noch mehr Fressen in den Hals stopfen. Dammt noch mal! Die Leute colabieren ja heute vor Sexualität. Weniger Bumsen, mehr Bäume pflanzen! Das sag ich dazu.

Noch dazu ist der Valentinstag nicht nur überbewertet, sondern auch noch unnötig dazu! Und ein unvergleichlicher Rießenmist! Seiner liebsten schenkt man das ganze Jahr über Aufmerksamkeit, Pralinen und Blümchen und nicht nur an einem Tag im Februar. Aber das geht ja in diese klumpigen Prollschädel nicht rein. Das ganze Jahr den am billigsten aufgebrezelten Freizeitdiven hinterher glotzen und sich mit den genauso minderbemittelten Kumpels darüber unterhalten, was das jetzt für ein geiles Fahrgestell ist. Und das die ganze Zeit. Aber am Valentinstag macht man auf Kavalier, damit man mal zwischen die Beine der bemitleidenswerten Freundin kann, um sich wenigstens einmal in 365 Tagen als Einen bezeichnen zu können, der oben ist! Fahrt doch mit euren überlauten Gebrauchtwagen gegen die Bäume, die ich gepflanzt habe, während ihr sinnlos rumgebumst habt!

Und die Frauen! Das ganze Jahr kommt man mit Liebesbeweisen und sonstigem sentimentalem Schnickschnack, gibt ihr kiloweise Schinkennudeln aus und dann sagt man am 14. Februar mal nichts und ist automatisch schlimmer als Stalin und Dschingis Kahn zusammen! Glaube ich zumindest, ich hatte zur Valentinszeit noch nie eine Beziehung. Was auch gut so ist, wenn ich mir ansehe, was ich gerade geschrieben habe!

Also granteln wollte ich eigentlich nicht, aber das muss eigentlich schon mal gesagt werden. Finde ich <3