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Freitag, 27. Juli 2012

Leben und leben hassen





Ich nehme mal an, unter den Lesern dieses Blocks hat sich jeder schon mal Gedanken über das Leben gemacht. Und ich meine damit jetzt nicht Gedanken über das eigene Leben ("Fahr´ ich nach Italien oder Spanien?") oder das der Anderen ("Wie kann Olaf nur in so einem Loch hausen?"), sondern um das Existieren im Allgemeinen. Natürlich kommt da die alte Frage nach dem Sinn, die oft bei gemütlichen Runden im Stadtpark diskutiert wird. Meistens kommen dann solche Sachen dabei raus wie: "Der Sinn des Lebens ist es froh zu sein und Spaß zu haben.", "Ich will unbedingt nach London! Deswegen bin ich hier." oder in ganz extremen Horrorrunden: "Es war mein Schicksal Skinhead zu sein."



Sagt man dann so was wie: "Es ist also deiner Ansicht nach vorherbestimmt, dass der Mensch glücklich ist?", dann kommt sofort "Boah Mann, mein Sinn ist das halt sein! Jeder muss sich seinen Sinn suchen!". Will man dann immer noch einen drauflegen und kommt mit "Das ist kein Sinn sondern Zeitvertreib.", dann kommt ganz schnell mal ein schönes Wort ins Spiel:

PSEUDOINTELLEKTUELL


Da wollte ich jetzt aber eigentlich gar nicht hin. Nur kurz: Wenn Sie irgendwann etwas nicht verstehen sollten, können Sie dieses Wort verwenden und keiner wird es merken. Ähnlich ist es, wenn Sie mit einer Meinung nicht konform gehen und keine Eigene haben, bzw. diese nicht untermauern können. Einfach das Wort sagen und schon sind Sie aus dem Schneider.

Aber zurück zum Thema: Leben. Genau betrachtet entbehrt das Leben eigentlich jeglichen Sinnes. Man könnte aber auch sagen, der Sinn ist ziemlich unverständlich. Mit anderen Worten Pseudo***********. Aber darauf wollten wir ja nicht mehr eingehen, gel?


Also gut, betrachten wir das Leben mal ganz genau: Für gewöhnlich steht die Geburt des Menschen am Anfang. Auf Ausnahmen wollen wir nicht eingehen, da diese nicht allzu zahlreich sind und die Statistik im Nachhinein verfälschen würden. Nachdem man also von Blut und Vaginalsekret verschmiert auf die Welt gepresst wurde, heißt es Leben bzw. Überleben. Man verbringt also sein ganzes Dasein damit sich am Leben zu erhalten und ja nicht zu sterben. Zwischendurch geht man in die Oper oder zum Fußball, das kommt auf die Bildungsschicht an. Nun versucht also der Mensch, wie bereits gesagt, einige Jahre lang am Leben zu bleiben und investiert darin viel Zeit und Geld. Anschließend folgt dann die große Pointe (Halten Sie sich fest!): Man stirbt. 


Nachdem die Lachanfälle nun abgeklungen sind, können wir wieder zurück zum Ernst. Niemand der einigermaßen mitgelesen hat, kann leugnen dass dieses Konzept ein wenig abstrus wirkt. Ganz abnorm wird es, wenn man Gott ins Spiel bringt.


Mal ehrlich: Will ich jemanden anbeten, der sich so etwas ausdenkt? 


Man könnte genauso gut einen Grundschüler mit Glasknochen (Hohoho, das ist politisch nicht korrekt, dass man Leute mit Glasknochen erwähnen tut, hohoho) gegen Vitali Klitschko antreten lassen. Es ist klar, dass sich der Junge anstrengen kann wie er will, er wird den Kampf nicht gewinnen. 



Würde Gott mit etwas daher kommen, wie "Pass auf die Kartoffeln auf!" wäre es etwas anderes. Nun Gut, es ist jetzt keine allzu erfüllende Lebensaufgabe auf die Kartoffeln auf zu passen, aber zumindest ist es eine konkrete Aussage und die Meisten würden sich sicher damit abfinden. Die meisten Leute gehen auch Arbeiten. Einige Leute würden allerdings "die Fragestellung nicht verstehen", worauf Gott zum ersten mal sehen würde, was er hier eigentlich verbockt hat und wiederum Andere würden diese Aufgabe gnadenlos hinterfragen. Diese werden allerdings nicht weiter beachtet, da sie ja pseudo************ sind. 



Nehmen wir nun einmal an, ich würde nach meinem Ableben vor Gott höchstpersönlich stehen, dass sehe ungefähr so aus:


Gott: So, wer kommt als Nächstes. Ah, Pfeiffer. Mit drei "f" oder? *kicher*


Ich: *Umpf* Ja, schon...


Gott: Gut, gut. Schauen wir doch mal in Ihrer Sündenkartei nach, ob...


Ich: Moooooment mal! Erst mal bist du mir eine Antwort schuldig! Was soll der ganze Unsinn da unten? Man werkelt, werkelt und werkelt sein ganzes Leben lang und hat nix davon! Dazwischen wird man ein paar mal verlassen und den ein oder anderen Menschen den man mag holst du dir aus Jux und Gaudi zu dir nach oben! Dann haut sich wieder jeder auf die Gosch`, irgendwo ist wieder Krieg. Dann wieder Mord, Vergewaltigung, Diebstahl, Aids, Intoleranz etc., etc. Kann ich noch mit leben. Aber die Tatsache, dass du uns auf eine sinnlose Geisterbahnfahrt schickst, in der man sich mit Leibes Kräften bemüht nicht drauf zu gehen, obwohl sowieso nichts Anderes kommt ist wirklich unter aller Sau!



Gott: *Seufz* Schau mal, dass ist wie beim Joggen. Da hat man auch kein richtiges Ziel wo man hin laufen will, aber man läuft halt. Darauf kommt es an.


Ich: Hmmm...aha...o.k.


Nach zwei Minuten fällt mir auf wie blöd und unbefriedigend diese Antwort eigentlich ist und ich will schon "Moment mal!" sagen, aber da werde ich schon von zwei muskelbepackten Engeln, die "Security" auf der Brust stehen haben ins nächste Wartezimmer geschoben. Danach kommt der übliche Mumpitz mit Urinprobe und so. 


Nun ja, andererseits ist es ungemein befreiend und erleichternd, wenn man weiß, man hat eigentlich keinen Sinn und keine Aufgabe. Das erkannte schon Sartre und hat es massentauglich vermarktet mit T-Shirts, Kaffeebechern, Mousepads und so weiter. Wenn man dies weiß und trotzdem keine Freude am Leben hat, dann kann man sich ja immer noch betrinken. Also soll sich die verwöhnte, westliche Gesellschaft nicht so anstellen und sich freuen dass sie was zu fressen haben. Mann, wenn die Kinder in Afrika nicht wären, dann wäre was los. Dann könnte man aber rum meckern und sich mal gescheit selbst bemitleiden. Wäre mal dringend nötig zur Hinterfragung des Lebenssinnes!


Was höre ich da von den billigen Plätzen? Zynisch? Politisch nicht korrekt? Pseudo************??? 


Jetzt folgt eine Schlägerei. Guter Schluss. Echt guter Schluss. 


PS: Wenn man mehr über das Leben erfahren will, kann man gute Bücher von Camus lesen, gute Filme von Woody Allen gucken oder auf die Straße gehen. Die Wahl der Straße bleibt dem Individuum überlassen.




Mittwoch, 20. Juni 2012

Die Kunst des pazifistischen Kämpfens

 Kein Bild am Anfang! Ein Grund Krieg zu führen!

Endlich ist das Volk mal wieder kollektiv aktiv! Die EM ist in den Köpfen der Deutschen eingekehrt. War man vorher noch skeptisch aufgrund von verbrannten Hunden und hungernden Frauen (oder anders rum?), hat man nun alle diese Bedenken beiseite geschoben um sich wieder einmal an elf Haxen und einem Ball zu erfreuen. Im Endeffekt sollte es viel mehr EMs, WMs und H&Ms geben, damit unser völkisches Gefühl nicht in die andauernde Berg- und Talfahrt gerät, die sich vor und nach diesen Ereignissen zuträgt. Mal öfter ein Ereignis bei dem alle für´s Selbe sind und jeder das Selbe sagt, ein Ereignis bei dem jeder das Gefühl hat durch seinen Kampf die Welt zu verändern. Der Begriff "Kämpfen" muss nicht unbedingt wörtlich gemeint sein. Es reicht eigentlich, wenn man mit dabei ist und irgendwas macht, das mit der Sache zu tun hat z.B. Public Viewing. Jedenfalls ist das Alles wunderbar und sollte nicht hinterfragt werden.

Was auch so ein wunderbares "Wir halten zusammen"- Ereignis ist, ist Krieg. Ein gescheiter Krieg würde uns auch zusammenschweißen. Der Unterschied zwischen Krieg und der EM ist, dass man sich ein Peace Zeichen ins Gesicht malt und keine Deutschlandflagge. Wer auf Nummer sicher gehen will kann sich beide Motive beschriftet bei der Google Bildersuche ausdrucken. Nun, bevor Missverständnisse aufkommen: Ein Krieg, am dem wir übrigens nicht mal beteiligt sein müssen, schweißt uns nicht im Stile des ersten Weltkriegs zusammen, d.h. dass das Volk sich übermäßig auf das Geschlachte freut, sondern im pazifistischen Sinne. Alle finden den Krieg, egal gegen wen oder was und die damit verbundene Nation (USAUSAUSAUSA) voll doofidoof und zeigen dies auch öffentlich. Meistens am Wochenende auf einer Demonstration in der Nähe mit Kerzen und Transparenten.

Transparente sind bei einer Demo sowieso das Wichtigste. Der Uneingeweihte erkennt dadurch, dass diese Menschenansammlung einen Grund hat herumzustehen und Lieder zu singen, die die Interpreten selbst nicht mehr hören können. Das Basteln der Transparente ist etwas für die ganze Familie und kann so schonmal dazu führen, dass man in den eigenen vier Wänden und auf der Straße mit den Leuten einer Meinung ist. Wie kann der Krieg da etwas Schlechtes sein? Nein, Quatsch. Der Krieg gegen den Krieg. Gerade nochmal gut gegangen. Im Schnitt verdienen am Krieg die Besitzer von Bastelbedarfsgeschäften am meisten. Haben sie sonst nur Grundschullehrerinnen als Kunden, kommt nun auf einmal jeder Mensch der Frieden mag, um Farbe für die Schilder und Fahnen oder Utensilien für gelynchte Kriegstreiberpuppen zu kaufen. Von vornherein kauft der Kunde erstmal die falsche Farbe. Dieser Vorgang wiederholt sich ca. fünf mal. Entweder die Farbe bröckelt, ist zu schwach, nicht wasserdicht oder durchsichtig. Bis man dann endlich die richtige Tube vom dreckig grinsenden Bastelladenbesitzer gekauft hat, hat man eigentlich schon gar keine Lust mehr auf Frieden. Aber da man die Kinder nicht enttäuschen will, malt man Parolen und Phrasen auf die alten Bettlacken und rumpelt damit am Samstag auf die Straße.

Meine Lieblingstransparente sind übrigens die auf denen "Warum?" steht. Wahlweise auch "Why?". "Weshalb" oder "Wieso?" scheinen nicht allzu beliebt zu sein. Warum? Keine Ahnung. Ist ja auch egal. Was nicht egal ist, ist die Tatsache, dass auf Demonstrationen tausende Leute stehen, die nicht wissen warum der Krieg stattfindet, gegen den sie demonstrieren. Kann auch sein, dass sie nicht wissen warum sie demonstrieren. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Aber mal ehrlich: Jemand der auf eine Demo geht, informiert sich grundsätzlich zuvor darüber, was die Hintergründe seines Protestes sind. Ein Krieg. Eh klar. In der Regel erklären die Auslöser des Krieges ihre Absichten in den Medien. Ob diese dumm oder gerechtfertig, eindeutig oder zwielichtig sind, ist erstmal egal. Man hat ein "warum". Wenn man es nicht glaubt, kann man sich ja bei alternativen Medien oder Verschwörungstheoretikern informieren.

Ich weiss, ich weiss. Ich übertreibe bewusst. Ich weiss, dass ungefähr die Hälfte einer Friedensdemo Ahnung von ihrer Sache hat. Trotzdem werfe ich das Wort "Warum" mit dem Satzzeichen "?" dahinter in die Phrasenkiste. Jedenfalls in diesem Zusammenhang. Auch wenn man mit den Gründen nicht konform geht, sollte es eigentlich klar sein warum Krieg ist. Jedenfalls bei den Leuten, die sich lauthals damit beschäftigen.

Weiterhin liebe ich es wenn Kinder Transparente und Plakate umher tragen auf denen steht, dass sie Angst haben und Krieg dodal doof finden. Die selben Kinder, die sich sonst mit Plastikpistolen abschießen. Nun ja, den Pazifismus müssen Kinder erst lernen. Genau wie sie lernen müssen, was Krieg ist und welchen Sinn es hat gegen ihn zu demonstrieren. Am besten man macht das schon im Kindergarten. Ich stelle mir das ungefähr so vor:

Stuhlkreis wird aufgebaut. Anstatt eines Ballspiels wird den Kinder von der nun pseudoernsten Kindergärtnerin der Krieg erklärt. Das ist lustig, denn man kann das zweideutig sehen. Wie auch immer. 

"So Kinder, wisst ihr was Krieg ist?" Sabine meldet sich, wird aber nicht beachtet. "Krieg ist, Kinder, wenn Männer mit Gewehren sich tot schießen und dann tot sind" Mindestens fünf Jungen: "Cooooooool"

Man kann Kindern, die Action Man und Revolver als Vorbild haben keinen Pazifismus nahe bringen. Soll man das? Egal, die Grinsegärtnerin schüttelt den Kopf und erklärt weiter. Die eine Hälfte hört nicht zu und die Andere ist fasziniert. Bildungsauftrag hat geklappt, ab zur Demo auf der sich die Kinder wirklich "Warum?" fragen. 

Die einzige, allerdings fragwürdige Methode wie man einem fünfjährigen Jungen die Schrecken der modernen Kriegsführung erklären kann wäre folgende:

Grinsegärtnerin: "Timo, weisst du was passieren würde, wenn Deutschland im Krieg wäre?" 
Timo: "Äh Äh"
Grinsegärtnerin: "Dann müsstest du sterben, Timo! Deine Mama, dein Papa, deine Nachbarn, dein Hamster, dein Opa, deine Oma auch. Alle müssten sterben. Man würde euch alle erschießen. Einfach so. In den Kopf. Da kommt dann ganz viel Blut und so. Igittigitt! Auch deine Freunde hier im Kindergarten müssten sterben"
Timo: "Ich hab´ hier gar keine Freunde."
 Grinsegärtnerin: "Trotzdem. Auch ich würde wahrscheinlich sterben."
Timo: >keine Reaktion<
Grinsegärtnerin (verärgert, aber trotzdem noch die Haltung bewarend): "Schlimm gell? Und jetzt mal weiter Blumen und Vögel auf das Leintuch, damit die Soldaten wissen, was wir vom Krieg halten."

Jedenfalls glaube ich, dass man Kinder so sensibilisieren kann. Kann sein. Is auch egal. Is eh kein Krieg. Is ja EM. Da würde es sich eigentlich mehr lohnen mit "Warum?"- Schildern durch die Gegend zu laufen. Aber um ehrlich zu sein: Wäre nicht EM könnten die Leute weißgottwas schlimmes anstellen. Also sein wir dankbar dafür, dass in Polien und Ukriland gekickt wird was das Zeug hält. Olé....

Montag, 23. April 2012

Gäbe es nur eine Trinkflaschenstöpselgröße, gäbe es diesen Eintrag nicht


Absolut keine Notwendigkeit für einen Flaschendeckel


Als ich vor einer Woche meine Zahnbürste fragte, was ich denn auf meinem schönen Blog so schreiben könnte, wusste sie nicht so recht und sagte erstmal überhaupt nichts. Ich dachte mir: "Nun gut, eine gute Idee braucht Entwicklungszeit, das weisst du ja selbst am besten." Also ließ ich der struppigen Kameradin ein wenig Zeit, bevor sie mir einen angemessenen Vorschlag unterbreiten konnte. Nachdem allerdings die Woche vorbei war und die Bürste immer noch nichts gesagt hatte, wurde es mir zu dumm mit diesem unkreativen Objekt und sie flog in hohem Bogen zum Fenster hinaus. Nun rieche ich bereits seid zwei Wochen unangenehm aus dem Mund (wissenschaftlich: Maulgammel) und habe immer noch keine neue Idee. Deshalb erzähle ich von einem kleinen Missgeschick, welches mir letztens erst widerfahren ist.

Kürzlich kam ich auf die famose Idee, mir eine spritzige Orangensaft Schorle zu genehmigen, da ich zufällig Orangensaft und kohlensäurehaltiges Mineralwasser mein Eigen nennen durfte. Mit Hilfe eines handelsüblichen Trichters mischte ich den Saft der runden Frucht mit dem einzigen Element, dass sich gut in Flaschen verkaufen lässt. Ich schüttete also das eine Zeugs in das Andere. Glücklicherweise ging nichts daneben, sodass ich nicht genötigt war zum handelsüblichen Lappen zu greifen. Nun schrieb ich aber, dass mir ein gar mistig Missgeschick widerfahren sei. Keine Angst, dazu komme ich jetzt: In meiner freudensbedingten Geistesabwesenheit versuchte ich die Flasche des Saftes, welche einen recht breiten Hals hatte, mit dem viel kleineren Deckel des klassischen Mineralwassers zu verschließen. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Deckel plumste in die Flasche und schwamm dort wie ein Boot voller betrunkener Schwaben ziellos herum.

Verständlicherweise war ich aufgebracht und ließ meinen Frust sofort an der Mikrowelle aus. Nun stinke ich nicht nur aus dem Mund wie ein Kläranlage, sondern esse diverse Speisen kalt, wenn nicht sogar tiefgefroren. Wie auch immer, kam mir doch bei meinem Malör ein philosophischer Geistesblitz: Nämlich dass der Mensch mit viel zu kleinen Mitteln versucht einen viel zu großen Sachverhalt zu verstehen und letztendlich hilflos dahintreibt. Für Sonderschulabbrecher: Der Mensch versucht sich etwas zu erklären, ist aber zu blöd dazu und ist letzten Endes frustriert. Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Nun wird die Stimme der Aufgebrachtheit natürlich aus ihrem Dachsbau gekrochen kommen und mir was husten. "Ächo, Ächö!! Sie neunmalkluger Stöpselphilosoph! Ächö, Ächö! Das weiss doch schon jeder Depp! Man muss sich einmal "Gute Zeiten unter uns" zu Gemüte führen und schon hat man den Sachverhalt verstanden!" Also gut, ich schreibe keine philosophische Abhandlung über offensichtliche Sachverhalte. Sowas nennt sich außerdem nicht Philosophie, sondern Richard David Precht. Egal.

Ich könnte natürlich auch eine Kunst- Performance daraus machen: Zehn halbnackte, junge Mädchen stehen nebeneinander und lassen unaufhörlich Wasserflaschendeckel in Orangensaftflaschen fallen. Dazu läuft im Hintergrund so etwas wie Zwölftonmusik. Allerdings nur mit fünf Tönen. Den Sinn dahinter ist absichtlich nicht zu erkennen, da Kunst erst richtig interessant ist, wenn man auf den ersten Blick nichts versteht. Nein, das war kein ironischer Kommentar, wie er sonst von "Das-kann-mein-Kind-doch-auch-malen"- Leuten kommt, sondern absolut ernst gemeint. Besagte Leute sollten am besten von Allan Kaprow überfahren werden. Und zwar mit einem Auto, von dem kurz zuvor Frauen Marmelade leckten und an welches Chris Burden genagelt ist. Anschließend kann Joseph Beuys gerne dem Publikum zeigen, wie man dem toten Kunstbanausen die Bilder erklärt. Der Kunststudent schnappt jetzt natürlich nach Luft, weil er vor lauter Lachen droht zu verrecken. Der Rest knallt mit dem Kopf auf den Tisch. Auch gut.

Da wir gerade beim Thema "Leute zum überfahren" sind: Als ich letztens im Norma den Dienst an der Kasse tätigen musste, hatte ich das Pech weder Fünfer Scheine, noch Münzen der Wertigkeit Eins und Zwei zu haben. Weiterhin hatte ich das Pech, einem Vollidioten sieben Euro herausgeben zu müssen, der überaupt nicht damit einverstanden war, dass er den Betrag in 50 Cent- Stücken bekam. Jedenfalls war meine fiese Cent- Aktion nicht das Einzige, was ihn an der Filiale störte, sondern auch die "Tatsache", dass es nie was Frisches gäbe. Ich hätte ihm vorschlagen sollen, dass er um 06:45 Uhr antanzen solle um sich an zu sehen, wie wir Kistenweise frich angekommene Erdbeeren, Eisbergsalate und Jeanshosen einräumen. Dann würde er sich sicher beschweren, dass es totlangweilig wäre sich so etwas ansehen zu müssen. Jedenfalls kam ich diesem Subjekt mit dem ultimativen Totschlagargument "Sie müssen ja nicht hier einkaufen", was vom Käufer hinter unserem Meckerfritzen bejaht wurde. Dieser beledigte den Cent- Verweigerer anschließend noch, wie dieser, nach eigener Aussage "noch nie beleidigt worden wäre". Nämlich mit: "Sie gehören ins Irrenhaus". Jedenfalls wurde uns noch ein Nachspiel versprochen.

Ui, neue Idee für eine Kunstaktion! Zehn halbnackte, junge Mädchen beschießen mit Hilfe von Steinschleudern einen gefesselten Vollidioten mit 50 Cent- Stücken. Wenn Hermann Nitsch noch Lust hat, kann er vorbei kommen und ihm einen Kalbskadaver um die Ohren hauen. Anschließend gibt es für alle Orangensaft mit Wodka. Vielleicht passt ja der Kartoffelschnaps- Deckel auf die Saftflasche.

Mittwoch, 28. März 2012

Neben Daniela Katzenberger war ein Sitzplatzfrei aber ich hatte David Bowie nicht mitgenommen


Mediale Identifikationsfigur

Ich mag David Bowie. Jedenfalls die Sachen die ich kenne. Genaueres kann man auf meiner Seite von Rate your Music nachlesen, die auf der rechten Seite verlinkt ist. Genug Eigenwerbung. Warum ich über Herrn Bowie schreibe, werdet ihr fragen? Geht euch eigentlich nichts an, aber in Ordnung. Der Grund warum ich eine Person erwähne, die nicht wirklich in den aktuellen Medien auftaucht, ist eine andere Person, die mit den aktuellen Medien recht gut vertraut ist. Ja, jetzt colabiert ihr schon vor Spannung. Und damit der Blog voll wird, werde ich die ganze Sache noch ein wenig mehr ausführen, sodass eure voyeuristischen Bedürfnisse für die nächste Zeit gesättigt werden.

Wie bereits im Titel vermerkt, hatte ich David Bowie, bzw. sein fabelhaftes Werk "Low" nicht mitgenommen, im Sinne von: Ich hatte es nicht auf dem tragbaren Musikabspielgerät (MP3 Player). Eigentlich hatte ich es gar nicht dabei. Jetzt fragen natürlich die Kritiker: "Wieso denn nicht? Du hast es doch immer dabei. Deshalb hörst du uns auch nicht, wenn wir dir auf der Straße zujubeln!" Ja, jetzt ist es auch wieder gut. Ich schreibe, dass ich es nicht dabei hatte, damit der Eintrag einen recht abstrusen Titel hat und damit ein guter Einstieg in die Sachlage gewährt ist. Ich wartete also ohne Musik auf den Bus. Als ich mir gerade darüber Gedanken machte, wo ich eigentlich hinwollte, kam er schon, sodass ich keine Zeit zum Überlegen hatte und einfach einstieg. Im Bus war natürlich alles gerammelt voll mit Leuten, wie es ein Bus eben so an sich hat, der gerammelt voll mit Leuten ist. Nun befand ich mich also auf einer bowielosen Platzsuche und wünschte mir, wenigstens für diesen Moment, alt und krank zu sein, nur um die Privilegien dieser Leute in Anspruch nehmen zu können. Da ich allerdings weder alt noch krank war, wanderte ich weiter durch das öffentliche Verkehrsmittel.

Schließlich, als ich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben und zu weinen begonnen hätte, entdeckten meine Augen einen freien Sitz. In Football- Spieler ähnlicher Manier polterte ich auf den Platz zu und setzte mich zufrieden. Vor Glück hätte ich wieder weinen können. Wie auch immer, ich kam für einen kurzen Moment auf die Idee nach rechts zu schauen und stellte fest, dass es sich bei meiner Sitznachbarin um die prominente Prominente Daniela Katzenberger handelte, die sich gerade so benahm wie sie sich eben immer benimmt. Natürlich blickte ich mich sofort um, um Kameras aus zu machen, da ich annahm hier würde gerade eine Episode ihrer Fernsehsow gedreht werden. Ich erblickte keine. Also nahm ich, mit etwas logischem Denken an, dass Frau Katzenberger wohl privat mit diesem Bus unterwegs war. Mir fiel es überhaupt nicht ein, sie zu fragen, wohin sie wollte, denn schließlich interessierte es mich nicht und auch eine Prominente wird wohl nicht zum Mond wollen, wenn sie mit dem Bus fährt. Ich vermutete allerdings, dass Frau Katzenberger nicht wusste, dass sie gerade nicht gefilmt wurde, da sie sich, wie bereits erwähnt, so benahm wie immer. Ich stupste sie sanft mit dem Ellenbogen an die Schläfe und sagte in diskretem Ton zu ihr: "Entschuldigung Frau Katzenberger, es liegt vielleicht daran, dass sie durch die andauernde Medienbegleitung bereits einen gewissen Verfolgungswahn haben, aber hier können sie ganz sie selbst sein, ich habe die Umgebung bereits nach Kameras untersucht." Keine Reaktion.

Vor ein oder zwei Wochen fragte Markus Lanz in seiner Talkshow übrigens seine Gäste (von denen die einzig mir bekannten Gesichter Frau Katzenberger selbst und Paul Breitner gehörten) was denn nun genau das Phänomen Katzenberger sei. Viel interessanter fände ich es allerdings, wenn jemand mal das Phänomen Lanz lüften würde, aber das nur nebenbei. An die Antworten der beteiligten Phänomene, kann ich mich nicht mehr genau erinnern, was schon einiges über deren inhaltlichen Wert aussagt. Nur Herr Breitner sprach auf einmal vom Verzehr von Hundekacke (Nein, das ist kein Scherz von mir). Darauf wollen wir aber nun nicht eingehen, alles zum Thema gibt es bei diesem wohlbekannten John Waters- Film.

Nun, was sagt uns nun allerdings dieses Phänomen Katzenberger? Zu allererst, dass es anscheinend genug Leute in diesem schönen Land gibt, die offensichtlich nicht viel haben, über dass sie sich Gedanken machen könnten. Anschließend noch, dass die Leute seid der Stummfilmzeit den gleichen Mustern folgen. So, nun sind alle verwirrt, die keine Hochschulreife haben. Egal, darum erkläre ich nun auch meinen Gedanken. Darum, und weil ich offensichtlich nicht viel habe, über dass ich mir Gedanken machen kann.

Was hinter Katzenberger, bzw. ihrer medialen Persönlichkeit steht, ist im Grunde das Selbe, wie bei den alten Slapstick- Künstlern wie Laurel & Hardy, Buster Keaton und den drei Stooges (damals noch ohne Iggy Pop). Man bringt den Leuten Personen über die sie lachen können, welche allerdings gleichzeitig sympathisch wirken. Ob man nun Keaton oder Katzenberger sympathischer findet, hängt wohl vom Zuschauer ab. Zweitere wird also, von sich selbst, wie von den Leuten dahinter, als Figur dargestellt, die im Gegensatz zu den schwarz- weißen Kollegen, allerdings mehr Authenzität vermitteln soll. Wie viel davon wirklich echt ist, weiss man grundsätzlich nicht, außer man hat Kontakt zu besagter Frau. Ebenfalls fragwürdig ist, ob die Identifikation mit der Fernsehfigur echt ist oder nur in der eigenen Fantasie statt findet, da man bei der kleinsten Gemeinsamkeit, die man höchstwahrscheinlich auch mit dem Rest der Menschheit teilt, meint man sähe gerade eine Seelenverwandte im Fernsehen. Also kurz gesagt: Witz- und Identifikationsfigur gleichzeitig zu sein, kann einem schnell eine große Fangemeinde bringen. Schafft man dies selber nicht, gibt es genug Leute, die einem dabei helfen können. Aufpassen sollte man allerdings, wenn einem dann vorgeschlagen wird, durch Formate wie Mitten im Leben oder Das Supertalent zum Ruhm zu kommen. Da wird letztendlich jede Identifikation subtrahiert und man hat nur noch den Ruf als Witzfigur.

Übrigens ist dieses Konzept nicht neu. Genau das gleiche Konzept wie Katzenberger war in den Neunzigern Verona Pooth (damals noch Feldbusch, für die Jüngeren unter euch). Irgendwie doof, irgendwie Camp, aber doch etwas, was man sich ohne Fremdscham, aber dafür mit gelegentlichem Auflachen anschaut. Jedenfalls wenn man nicht wie ich ist. Bei ihrer Erbin wird dieses Bild, noch durch das Sahnehäubchen BLOND ergänzt. Ein anderes Beispiel für eine mediale Figur, die genau so gut erfunden hätte sein können, war Hermes Phettberg, wobei bei ihm eher die Negativfaszination Grund des Erfolgs war. Außerdem hat sich dieser nicht für jeden Quatsch hergegeben und ist um Einiges interessanter und liebenswürdiger. Jedenfalls wenn man die selben Menschen wie ich interessant und liebenswürdig findet. Obendrein kann man hier annehmen dass er 100%ig real war bzw. heute noch ist. Aber das Thema würde jetzt den vorgegebenen Rahmen sprengen.

Nun hatte ich allerdings nicht das Glück neben Hermes Phettberg zu sitzen, sondern neben der, hier eigentlich viel zu oft erwähnten Daniela Katzenberger. Diese hatte mich offenbar nicht verstanden und spielte weiter die, von ihr erwartete Rolle. Also puffte ich sie nochmals leicht, diesmal gegen den linken Augapfel und redete ihr nochmals zu: "Frau Katzenberger, ich sagte doch bereits, dass sie hier aufhören können ihre Rolle zu spielen. Sein sie ganz natürlich, sie glauben gar nicht, wie viele Leute sie dann sympathischer finden würden. Sehen sie, dumm scheinen Sie ja nicht zu sein. Sie haben schließlich ein Buch geschrieben, dass bei uns im Norma zum Verkauf stand. Der Titel ist vielleicht ein bischen von der APPD übernommen, aber das macht ja nichts, steht auch gar nicht zur Debatte. Haben Sie keine Scheu, vor mir können Sie sein, wie sie wirklich sind."

Was ich allerdings darauf bekam, war ein Lächeln der Sorte "Diese Gesichtsverrenkung ist künstlich, aber sie soll echt wirken vor den Fotografen", neben dem Kindergärtnerinnen- Lächeln und dem Kifferlächeln wohl das Schlimmste seiner Art. Dies war der Tropfen der das Faß zum Überlaufen brachte. Noch dazu machte sie nach diesem Lächeln einfach weiter, Sie selbst zu sein. Ich fuhr von meinem Sitz hoch und erhob meine Stimme:

"Zum Kuckuck noch einmal! Sagen Sie jetzt bloß, dass sie wirklich so sind! Das hält man ja im Kopf nicht aus! Oder wollen Sie jedem Menschen in diesem bedauernswerten Land ihre Rolle auf die Nase binden, weil sie ja ach-so-authentisch sein wollen?! Lassen Sie sich mal eines sagen Frau K.: Manchmal ist es besser nicht authentisch zu sein, vorallem wenn man durch seine reale Persönlichkeit, anständigen und gebildeten Bürgern Fremdscham bereitet, die höher nicht sein könnte! Ist Ihnen eigentlich klar, dass sie wie eine Cartoon- Figur wirken? Wie Daisy Duck mit Hosen? Sie Marionette Sie! Sie Persoooooooooooooooooon!"

Meinen kleinen, cholerischen Ausbruch hatte sie allerdings nicht bemerkt, da Sie zu beschäftigt damit war, wie könnte es auch anders sein, sie selbst zu sein. Wer mich allerdings bemerkt hatte, war eine Gruppe müder Bauarbeiter, die nun gar nicht mehr so müde waren und mich leicht erbost bei der nächsten Station hinauswarfen. Eigentlich gar nicht mal so schlimm, nur hatten sich die fleißigen Herren geirrt und mich an der falschen Station aus dem Bus befördert. Also hatte ich eine halbe Stunde Fußweg vor mir, die ich ohne Musik verbringen musste. Ohne David Bowie. Den hatte ich ja nicht mitgenommen.

Mittwoch, 21. März 2012

Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur fragwürdige Informationswünsche


Auch wenn es nicht so scheint: Die Frage nach dem Inhalt der Alufolie ist angebracht.


Egal ob es um Wasser oder um die Interaktion mit der Umwelt geht: Klarheit ist wichtig! In der heutigen Zeit ist es wichtig, sich über die Dinge im Klaren zu sein, die um einen herum passieren. In der Regel ist diese Klarheit wichtiger als Ruhm und Reichtum, wobei sicher jeder Zweite sagen würde, dass er für ein paar Scheine und einen gewissen Bekanntheitsgrad ein wenig Realitätsverlust in Kauf nehmen könnte. Aber mal eine ernsthafte Frage:

Was nützt es einem wenn man sich von seinem Vermögen den teuersten Drucker der Welt gekauft hat, aber darüber in Unklarheit ist, wie er funktioniert?

Ein realitätsnäheres Beispiel gibt es wohl kaum. Und damit man nicht irgendwann, etwas verkohlt, samt dem Drucker in der Badewanne gefunden wird, wie der arme Millionär unseres Beispiels, hat der Mensch die Frage erfunden. Die Frage ist eine Informationsbeschaffungsmaßnahme bei der die Stimme am Ende des Satzes etwas höher wird. So steht es jedenfalls in der Fachliteratur.

Ganz interessant wird es, wenn man anhand der Fragen das Psychogramm des Fragers erstellen will. Folgende Kriterien sind dabei zu beachten:

  1. Häufigkeit des Fragens: Desto öfter ein Mensch am Tag Fragen stellt, desto weniger weiß er anscheinend. Dabei sollte man nicht sofort auf einen Deppen schließen, das wäre fatal. Um den Deppen zu erkennen, muss man nämlich noch die anderen beiden Punkte mit einbeziehen
  2. Gewichtigkeit der Frage: Diese lässt sich in erster Linie daran messen, wie einfach die Frage zu beantworten ist oder welchen Nutzen die Allgemeinheit von dieser Frage hat. Ein Beispiel: Die Frage "Wie viel kostet diese Jogging- Hose, deren Preisschild unauffindbar ist, junger Mann?" ist weniger gewichtig als "Herr Schabrelowski, ist der Mensch eigentlich nun die Krone der Schöpfung?". Beides nicht allzu einfach zu beantworten, aber im Gegensatz zur Frage nach der Krone der Schöpfung ist die Frage nach dem Hosenpreis doch eher trivial. Außerdem kann man auf die Frage auch mit der improvisierten Antwort "7,50 €" ausweichen und alle sind glücklich. Nun ist natürlich nicht jeder Hosenkäufer ein Depp. Deshalb sollten wir uns auch die letzte Kategorie ansehen.
  3. Angebrachtheit der Frage: Zum Einen bezeichnet dieser Punkt eine unangebrachte Frage, aufgrund des Umfeldes, z.B. wenn man sich auf einer Beerdigung nach der Toilette erkundigt und zum Anderen wenn man eine Frage stellt die von ihrer Sinnhaftigkeit her, eigentlich immer unangebracht ist. Und mit so einer Sorte von Fragen will ich mich nun beschäftigen.

Die Frage dritter Kategorie, zweiter Art (sagen wir einfach kurz "Dumme Frage"), wird recht häufig gebraucht. Grund dafür ist meist nicht mangelndes Wissen, sondern der Irrtum, dass man meint, zu jedem Tatbestand etwas sagen zu müssen. Die Frage, in welche Richtung der Zug fährt, obwohl man gerade an der Endstation ist, ist vielleicht unangebracht, aber verzeihlich. Schließlich kann es sein, dass der Fragende etwas wirr im Kopf ist, und das ist schließlich jeder gute Mensch einmal.

Auch verzeihlich ist, wenn ein Soldat im Schützengraben fragt "Welcher Arsch hat die Granate geworfen?" Es ist zwar mehr als offensichtlich, dass der Feind gegenüber die Granate geworfen hat, aber in einer Stresssituation wie einem Krieg, setzt das Hirn schonmal aus.

Nein, eine dumme Frage wäre z.B., wenn man seinen Gegenüber, der gerade ein Bein verloren hat, fragt, ob er sich verletzt habe. Auf dieses Beispiel wollen wir allerdings nicht eingehen. Es ist zu ausgelutscht. Schauen wir uns lieber meine Lieblingsfrage an:

Warst du beim Friseur?

Die Frage beantwortet sich nicht nur von selbst, sondern bringt auch keine wirkliche Klarheit ins Leben des vermeintlich Interessierten. Schließlich heißt es nach den Gesetzen der Logik:

Eine Veränderung der Haare ist verbunden mit fremdem Einwirken.

Die Frage wäre also angebrachter, wenn die betreffende Person dafür bekannt ist, sich selbst die Haare zu schneiden. Eigentlich wäre die Frage selbst dann bescheuert, da der Beschnittene ja, wie gesagt, dafür bekannt ist, sich selbst die Haare zu schneiden,

Diese Frage ist eigentlich in jedem Zusammenhang blöd. Ich weiss auch nicht wer auf die Idee kam, sie als Erster zu stellen. Es kann natürlich auch sein, dass es sich um eine Reflexfrage handelt. Wenn es das überhaupt gibt. Auch gut möglich ist, dass das Ganze so etwas wie ein verstecktes Kompliment sein könnte. Wenn man sagt "Holla! Deine Frisur sieht aber fesch aus!", ist es gut möglich dass dies bereits als Anmache verstanden wird und "Sexuelle Belästigung!!" geschrien wird. Außerdem gibt es verschiedene Leute, die mit Komplimenten nicht umgehen können und um sich schlagen.

Ein guter Freund hatte auf diese Frage übrigens die Antwort: "Nein, meine Haare wachsen nach innen." So sollte man diesen Leuten begegnen. Durch eine absurde Antwort, das widersinnige Fragverhalten offenlegen. Oder die Person verarschen, wie es im Volksmund heißt.

Obwohl....STOP!!!! Alles vergessen, was gelesen wurde!! Die Frage "Warst du beim Friseur?" ist doch nicht meine liebste, dumme Frage. An vorderster Stelle ist:

Welche Drogen hast du genommen?

Diese Frage kommt meist, nachdem man individuelles Verhalten an den Tag gelegt hat, wie z.B. energetisches Tanzen. Dann kommt schnurstracks so ein Subjekt, und führt dieses Verhalten auf Rauschmittel zurück. Exzentrisches Benehmen, im positiven wie im negativen Sinne, scheint für dieses Volk, wohl etwas unmenschliches und unnormales zu sein. Nun Ja, wie auch immer. Diese Fragerei, kommt meistens dadurch, dass die betreffenden Personen an der eigenen bedeutungslosen Mittelmäßigkeit leiden und den Individualismus anderer zu verstehen versuchen. Im Endeffekt bemitleidenswert.

Und hier kommt ihr ins Spiel! Kommentiert diesen Beitrag mit eurer bestmöglichen Antwort auf diese Frage und ihr gewinnt meine Achtung! Viel Spaß dabei, ich hoffe, ganz, ganz viele Leute kommen auf eine Idee.

Montag, 5. März 2012

Von der Ähnlichkeit mit prominenten Personen



Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beim obrigen Bild jegliche Assoziation mit Günther Grass fehl am Platz ist

Zu den ganz auffälligen Nachteilen an meiner Person gehört, neben den üblichen Nachteilen und Problemen, die aus der eigenen, individuellen Persönlichkeit resultieren, dass ich nicht die geringste Ähnlichkeit mit irgendeinem Prominenten habe. Wobei es mir in erster Linie egal wäre, aus welchem Beet des glamourösen Prominenzgartens mein Ebenbild gezogen würde. Musik, Film, Bildende Kunst, Politik, das alles wäre im Endeffekt egal, da die Tätigkeit der besagten Person nichts mit meinem Wunsch an sich zu tun hat. Außer dass es eine Tätigkeit von prominenter Natur ist. Zwar ist es in diesen, heutigen Tagen nicht allzu vorteilhaft wie Christian Wulff oder Karl- Theodor zu Guttenberg aus zu sehen, was sich auch niemand wirklich wünschen würde, aber dennoch bleibt mir durch mein unmediales Aussehen folgende Situation verweigert:

Eine junge Frau, gegebenenfalls auch ein junger Mann, würde mich auf der Straße, vielleicht gerade am Stachus an dem ich mir Kirschen in den Mund schiebe, da ich diese kurz zuvor käuflich erworben hatte, um eine spontane Lust nach Kirschen zu stillen, ansprechen und zwar entweder mit „Entschuldigung, dass ich sie einfach so anspreche, aber waren Sie nicht schon einmal im Fernsehen?“ oder mit „Verzeihung, das hören Sie sicher ständig, aber sind Sie nicht ?“. Eigentlich könnte die Frau, beziehungsweise der Mann, auch alt sein, mir ist das ganz gleich. Paarweise können sie auch auftreten. Eine junge Frau und ein junger Mann, eine alte Frau und ein alter Mann, eine junge Frau und ein alter Mann oder eine alte Frau und ein junger Mann. Hat mit der Konfrontation nicht wirklich etwas zu tun. Auf jeden Fall würde ich das Subjekt, dass mich gerade angesprochen hat, verwundert ansehen und nebenbei meine Kirschen hinunter schlucken. Ich müsste aufpassen, dass ich keine Kirschkerne verschlucke oder ausspucke. Dann wenn ich mich gefasst habe, würde ich sagen: „Nein tut mir leid, Sie müssen mich verwechseln“. „Oh, tut mir Leid“ würde dann zurückkommen, „sie sehen nämlich , unglaublich ähnlich.“. Darauf würde ich wiederrum antworten, dass dies nichts mache und mir außerdem immer passieren würde. Lächelnd verabschiedet man sich und geht weiter seiner Wege, mit dem guten Gefühl im Bauch, ein Missverständnis aufgelöst zu haben und ohne irgendwelche Folgeschäden daraus hervor gegangen zu sein. Sicher würde man es auch Freunden und Familie erzählen, dass man jemanden getroffen hatte, der aussieht wie , da man so was ja Leuten erzählt. Wenn man jemanden mit jemandem verwechselt, der in der Öffentlichkeit weithin unbekannt ist, dann hält man das lieber für sich geheim, weil es zu den peinlichsten und unverzeihlichsten Dingen gehört, die einem passieren können.


Wie auch immer, ich sehe ja niemandem ähnlich, also wird mich niemals jemand ansprechen. Schade eigentlich, da ich trotz meines Allerweltsgesichts - Jedes Gesicht, dass man nicht mit irgendetwas und irgendwem assoziieren kann, ist ein Allerweltsgesicht - etwas zum Thema „Ich im Fernsehen“ erzählen könnte. Sollte mich also irgendwer auf der Straße ansprechen, und mich fragen ob ich Erfahrungen vor der Kamera habe, würde ich antworten: „Und ob! Mit neun Jahren waren ich und einige Kameraden aus meiner Klasse bei „Tabaluga Tivi“ eingeladen. Ich habe es zwar nicht zum Kandidaten geschafft, - was nebenbei bemerkt, auch gar nicht so schlimm gewesen wäre, da der Vorstellungsfilm zu mir recht uninteressant ausgefallen sein müsste - aber letztendlich saß ich im Publikum. Allerdings glaube ich, dass ich kein einziges mal im Bild war. So etwas Ähnliches habe ich noch im Gedächtnis. Eigentlich auch gar nicht so schlimm, da ich während der Sendung mit einem, neben mir sitzenden Freund herum gekaspert habe und da kommt man, nicht mal als Kind, seriös rüber. Wenn ich es genau überlege war er aber auch kein richtiger Freund. Der war in höchstem Maße unsympathisch. Ich glaube er hieß Alex, ich weiss es aber nicht mehr genau. Ich würde auch nicht mein letztes Hemd darauf verwetten, dass er Alex hieß, nicht dass sie denken, es könnte ja ein Alex sein, den Sie kennen. Sie könnten ihm dann nicht mehr normal gegenüber treten, da Sie sich immer fragen würden, ob er der Alex ist, den der junge Mann, den Sie angesprochen haben, so unsympathisch findet. Tatsache ist allerdings, dass er bei jeder Gelegenheit erwähnt hat, dass er nur Einser schreiben würde, was logisch betrachtet vollkommen absurd ist, da in der Grundschule schließlich jeder irgendwo sein Problemchen hat. Meines war Mathe. Aber das hat uns ja hier nicht zu interessieren. Außerdem meinte er, seine Familie hätte schon des öfteren im Lotto gewonnen. Ich habe es damals geglaubt, da sie einen rießigen Krohnleuchter im Esszimmer hatten, der...“. Spätestens jetzt würde die Person anmerken, dass sie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel fahren müsse und sich deshalb diesen interessanten Auszug aus meiner Biografie nicht zu Ende anhören könne. Noch bevor ich etwas sagen könnte, würde der Mensch, der mir gerade noch so nahe war, mit gekünsteltem Lächeln und schnellem Schritt verschwinden. Nach einigen Sekunden des Herumstehens, würde auch ich weiter ziehen. Eine halbe Stunde später würde mir dämmern, dass diese Frau mich offenbar angelogen hat, da es nicht sein kann, dass jemand, der schnell zur Bahn oder zum Bus muss, an meinen Fernsehauftritten, aber nicht an Alex, von dem ich übrigens noch genau weiss, dass er so hieß, interessiert ist. Aber bevor Wut aufkommt, zeigt sich eher etwas Verständnis, denn schließlich wäre jeder bei einer solchen Informationsflut erstmal überwältigt und bräuchte einen stillen Platz, um diese zu verarbeiten. Ich nehme mich da übrigens nicht aus.

Letztens erst beim Tabakkauf, war ich mit Informationen, oder besser gesagt mit Informationsgier überfordert. Informationsgier ist übrigens Fragerei. Nach meiner Weltanschauung ist eine Frage auch eine Information und zwar die Information, dass der Gegenüber eine Information will. Aber das nur am Rande. Auf jeden Fall, wollte die Verkäuferin, die mir eigentlich schon den Tabak relativ ausgehändigt hatte, auf einmal mein Alter wissen. Es lässt sich erahnen, dass sie neu eingestellt war und in mindestens drei Wochen das Fragen unterlassen würde. Jedenfalls behagelte ich mich gerade selbst mit Informationen, das heißt, ich dachte über potentiell Interessantes wie Literatur, Musik oder Frauen nach, aber ich weiss es jetzt nicht mehr genau. Jedenfalls war ich von dieser einen Frage „Wie alt bist du denn?“, bereits so aus der Bahn geworfen worden, dass die Gedankenordnung in meinem Kopf sich nun in einen Wirbelsturm aller erster Güte verwandelte und ich nicht wusste was nun zu antworten war. Hätte sie übrigens „Wie alte sind Sie denn?“ gefragt, hätte ich geantwortet „Also wenn, sie mich schon siezen, dann müssten sie mich doch auch für alt genug halten um zu Rauchen“. Hat sie aber nicht. Also wurde sie auch nicht rot. Auf alle Fälle, vergaß ich in diesem Schockmoment mein Alter und brachte nur ein verdutztes „Ääh“ hervor. Ich kramte in meinem Kopf nach der Akte „Alter Rauchen“ (Niemand würde je eine Akte so benennen), aber anscheinend war es die Falsche, da ich in Versuchung kam „18“ zu sagen. Da ich allerdings älter als 18 bin, überlegte ich kurz logisch und versuchte mir mein Geburtsdatum vor´s geistige Auge zu führen. Da raste auf einmal aus meinem Hinterkopf die Zahl 20 heran, die auch zufällig mein Alter recht gut beschreibt. In der Zwischenzeit waren wie Stunden scheinende Sekunden vergangen und ich kam mir recht unglaubwürdig vor, so dass ich meinen Personalausweis aus der Tasche zog. Im Endeffekt bekam ich meinen Tabak und rauchte sofort eine Verarbeitungszigarette.


Womit wir wieder zur Frage kommen, was wäre, wenn ich einem Prominenten ähnlich oder gar identisch sehen würde. Hätte ich dann beim Tabakkauf mein Alter vergessen, würde die Verkäuferin oder ein zufällig herumstehender Zeuge diese Geschichte sofort an die Medien, in erster Linie an Boulevardblätter verkaufen. Dann stände in der Zeitung folgende Schlagzeile: „ im Teufelskreis der Drogen“ oder „, trotz Alzheimer noch in der Öffentlichkeit“. Diese prominente Person würde sich darauf hin zu Wort melden und die Geschichte revidieren, vielleicht sogar behaupten, nie an diesem Tabakstand gewesen zu sein. Man würde alles nachprüfen und den Artikel schließlich auf der zweiten Seite, einer folgenden Ausgabe als Irrtum entlarven und sich bei den Lesern sowie dem Opfer entschuldigen. Vielleicht gäbe es auch noch ein Interview in dem ich sagen würde, dass mir das dauernd passieren würde. Aber solange es niemand, der mir ähnlich sieht ins Fernsehen schafft wird es das leider auch nicht geben.

Es könnte sein, dass es mal jemanden gab, der im Fernsehen war und nebenbei auch noch so aussah wie ich, aber dann würde sich entweder niemand mehr an ihn erinnern oder man würde sagen: „Verzeihung, aber hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass sie aussehen wie , in vergangenen Zeiten?“ Worauf ich sicher sagen würde „Keine Ahnung, den kenn´ ich nicht.“ Im Endeffekt, wäre auch keine wirkliche Verwechslung passiert, das heißt, wenn irgendwer mein Gesicht hatte und im Fernsehen war, nützt mir das überhaupt nichts. Denn darauf angesprochen zu werden, dass ich aussehe wie jemand der mal so ausgesehen hat wie ich, kann ich wirklich verzichten.

P.S. Dieser Text wurde bereits vor zwei Monaten geschrieben und ich haderte mit mir, ob ich ihn der gierigen Öffentlichkeit preis geben sollte. Letztendlich habe ich es doch getan, wie man am obrigen Text sehr gut erkennen kann.

Dienstag, 14. Februar 2012

Eine rosarot-erregend-kuschelige Valentinstagserotikgeschichte


Die subtile Erotik in diesem Bild ist, trotz ihres subtilen Charakters, unübersehbar

Tja, meine Lieben, heute haben wir einen ganz besonderen Tag in unserem Kalender vermerkt. Den 14. Februar. Da werdet ihr nun aufbegehren: "Wie bitte? Was soll den an diesem Tag besonders sein? Anarchie! Anarchie!" Da sage ich dann: "Also zum ersten, lieber Mob, haben wir den 14.02.2012, den gibt es nur einmal überhaupt. Jedenfalls in unserer Zeitrechung. Und was noch wichtiger ist, ist die unumgängliche Tatsache, dass heute Valentinstag ist, der Tag der ewigen und einzigen Instanz, die den Menschen beherrschen und beglücken soll." "Na gut, Na gut..." sagt ihr nun kleinlaut und kriecht zurück in eure Löcher, während ich beginne meinen Eintrag zu schreiben.

Wer denkt, dass an diesem altehrwürdigen Feiertag des Herzens und des Gehirns Brauch ist, sich den "Firmlings"-Sketch von Karl Valentin in Endlosschleife an zu sehen, der liegt falsch wie jemand, der sich im Hotel im Zimmer geirrt hat und nun, in bester Loriot-Manier in einem fremden Bett schläft bis der angetrunkene Bewohner des Zimmers kommt und "Jesus, Maria und Josef! Wer sind denn Sie?" ruft. Sich diesen Sketch an zu sehen, meinetwegen auch mehrmals, ist zwar auch eine schöne und sinnvolle Freizeitbeschäftigung, aber an diesem Tag geht es in erster Linie um Liebe, Gefühle und Pralinen. Ab und zu sind auch Rosen dabei. Und aus diesem Tag, an dem selbst der Himmel so rot leuchtet wie eine herzförmige Lampe aus der Elektroabteilung, will ich nicht in meine Rolle des ewigen Grantlers zurück fallen und euch eine erotische Geschichte schenken. Nicht obszön und nicht abgeschmackt aber immer noch gut gewürzt mit Gefühl und Begehren. Dabei wünsche ich euch ganz viel Spaß. Noch einen Schluck kohlensäurehaltiges Mineralwasser und los geht´s!

Es war ungefähr 23.00 als Sven bei der großbusigen Paula ankam und sie ihm die Tür öffnete. Mit hochgezogener Augenbraue lächelte er sie verschmitzt an und flüsterte in ihr unwiderstehliches Ohr: "Du scheinst ja ein böses Mädchen gewesen zu sein. Wie es aussieht muss ich dir an den Hintern fassen." "Oh, es tut mir unglaublich leid." entgegnete die bereits heißgelaufene Paula, "Wenn du meinst es erlöst mich von meiner Ungezogenheit, dann muss es wohl sein." Und so packte ihr Sven mit festem Griff an ihr einladendes Gesäß. "Oh, was für ein schönes, festes...Sag mal, hast du in die Hose geschissen?" "Ja, ich dachte dass macht man heutzutage als Mitglied der oberen Mittelschicht so." "Pfui Teufel! Jetzt will ich auch nicht mehr!"....

Ach verdammt, wie komme ich jetzt da wieder raus? Besser gefragt, wie bin ich da überhaupt rein gekommen? Erstens einmal ist es nicht als allgemein erotisch anerkannt, wenn man sich in die Hose macht und zweitens glaube ich nicht, dass es von Mitgliedern der oberen Mittelschicht so gemacht wird. Am besten ich fange von vorne mit etwas ganz Neuem an, das habe ich ja nun königlich versaut. Und am besten wird es sein, wenn ich ohne Umschweife gleich zum Erotischen komme, sonst schläft die Hälfte der Leser auf halbem Weg ein. Also, auf ein Neues.

Hannelore lag bereits nackt und zuckend in Detlefs Bett und hinterließ mit ihrem schmackhaft geformten Körper runde Dullen in der Matraze. Und während sie, bereits ächzend vor sexueller Energie an ihren rosaroten Nippeln zupfte, erschien Detlef in der Tür mit seinem gurkenartigen Phallus, der...

"Gurkenartiger Phallus"?? Nein, das geht überhaupt nicht. Wenn dann schon: "Ein Phallus, der von Größe und Umfang her, an eine Gurke erinnerte.", aber nicht "gurkenartiger Phallus". Toll, jetzt hat jeder das Bild von einem großen, grünen Penis im Kopf. Das ist ganz und gar nicht erotisch. Ich höre die weiblichen und schwulen Leser schon erzürnt rufen: "Nein, nein und nochmals nein! Ein grüner Phallus darf nicht sein!". Schon gut, schon gut, beruhigt euch wieder, ich fang einfach wieder von vorne an.

Linda und Boris stürmten, von Geilheit und Lust angetrieben, in die Bahnhofstoilette, die um diese Zeit keine Besucher mehr hatte. Sich wild befummelnd, schloßen sie sich in einer Kabine ein und begannen sich, während sie den Mund des jeweils anderen mit der eigenen Zunge füllten, die Beinkleider ab zu streifen. Da öffnete Boris kurz seine Augen und erblickte eine Schmiererei an der Wand. "Suche heiße Boys zum telefonbumsen, bitte mit großen Schwänzen 089/937856" las er vor. "Vielleicht sollte ich da mal anrufen, was meinst du?"....

Ach Quatsch! Warum sollte er denn da anrufen? Schließlich ist er eh kurz vor´m Geschlechtsverkehr und dabei Lust auf Telefonsex zu haben, ist eher unwahrscheinlich, wenn nicht gar absurd. Außerdem sind diese Bahnhofstoilettenschmierereien, so denke ich jedenfalls, nicht als ernsthaftes Angebot, sondern als obszöner Jux zu verstehen. Obendrein ist das Ambiente auch nicht gerade einladend zum Kopulieren. Ok, das nächste Mal ohne Toilette.

"Eichhörnchen sind interessant" sagte Henning. "Lass uns bumsen" sagte Lola....

Das war ja nun wirklich zu einfach. Überhaupt kein Übergang. Aber man kann das noch als humorvolle Stelle gelten lassen, also machen wir einfach weiter.

"Schon. Wenn du dich als Eichhörnchen verkleidest" sagte Henning. "Ja, warum nicht. Aber du musst wissen, ich habe eine Nussallergie" sagte Lola. "Entweder ganz oder gar nicht" sagte Henning....

Das war jetzt eine schlechte Idee da weiter zu machen. Begraben wir Henning und Lola, samt ihren Eichhörnchen lieber gleich.

Nachdem Raphael seiner Angebeteten Angelika, das Höschen ausgezogen hatte, entschloß sie, das Selbe mit ihm zu tun. Aber als sie seine Shorts schon zur Hälfte herunter gestriffen hatte, bemerkte sie etwas. "Sag mal, hast du in die Hose geschissen?"...

Das hatten wir ja schon mal. Beim Zweiten mal klappt´s genauso wenig, da noch was Gutes draus zu machen. Nun aber richtig.

Mit wippenden Brüsten ritt Monika ihren Hengst Peter in´s sexuelle Nirwana....

Der Anfang ist gut. Auf diese Weise sollte es weiter gehen.

Und sie ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt...

Warum fällt mir jetzt da nichts mehr ein? Hmm, vielleicht noch ein paar mal "und ritt", dann kommt bestimmt was Feines.

...und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und ritt und...

Verflixt und zugenäht! Da kommt überhaupt nichts Feines. Das wird nur immer blöder. Ach, ich habe jetzt keine Lust mehr!!! Erotik ist sowieso nicht mehr das, was es mal war. Überbewertet bis zum geht nicht mehr. Und diesen endorphinbekifften Libidogeiern werde ich jetzt nicht auch noch, noch mehr Fressen in den Hals stopfen. Dammt noch mal! Die Leute colabieren ja heute vor Sexualität. Weniger Bumsen, mehr Bäume pflanzen! Das sag ich dazu.

Noch dazu ist der Valentinstag nicht nur überbewertet, sondern auch noch unnötig dazu! Und ein unvergleichlicher Rießenmist! Seiner liebsten schenkt man das ganze Jahr über Aufmerksamkeit, Pralinen und Blümchen und nicht nur an einem Tag im Februar. Aber das geht ja in diese klumpigen Prollschädel nicht rein. Das ganze Jahr den am billigsten aufgebrezelten Freizeitdiven hinterher glotzen und sich mit den genauso minderbemittelten Kumpels darüber unterhalten, was das jetzt für ein geiles Fahrgestell ist. Und das die ganze Zeit. Aber am Valentinstag macht man auf Kavalier, damit man mal zwischen die Beine der bemitleidenswerten Freundin kann, um sich wenigstens einmal in 365 Tagen als Einen bezeichnen zu können, der oben ist! Fahrt doch mit euren überlauten Gebrauchtwagen gegen die Bäume, die ich gepflanzt habe, während ihr sinnlos rumgebumst habt!

Und die Frauen! Das ganze Jahr kommt man mit Liebesbeweisen und sonstigem sentimentalem Schnickschnack, gibt ihr kiloweise Schinkennudeln aus und dann sagt man am 14. Februar mal nichts und ist automatisch schlimmer als Stalin und Dschingis Kahn zusammen! Glaube ich zumindest, ich hatte zur Valentinszeit noch nie eine Beziehung. Was auch gut so ist, wenn ich mir ansehe, was ich gerade geschrieben habe!

Also granteln wollte ich eigentlich nicht, aber das muss eigentlich schon mal gesagt werden. Finde ich <3

Dienstag, 7. Februar 2012

Ich bin Azubi eines mittelständischen Import/Export- Unternehmens in Zivil



Oben: Ich an Fasching 2011, verkleidet als der handlose Harry

Stellen Sie sich vor im April kommt jemand zu Ihnen und sagt Ihnen Folgendes:

"Immer wenn April ist, bin ich automatisch traurig, ziehe einen Trauerschleier auf, rezitiere Sartre und trample in den öffentlichen Blumenbeeten im Stadtpark herum"

Sofort werden Sie sich mit einer großen Menge Kutips die Ohren säubern und sich vergewissern ob Sie wirklich das Gesagte vernommen haben oder Sie rufen wild gestikulierend nach Mitarbeitern einer sanatorischen Einrichtung. Beides wäre natürlich gerechtfertigt und für jeden, den es interessiert, absolut nachvollziehbar.

Nun nehmen wir an, Sie treffen im Februar eine Person, die Ihnen Folgendes zu berichten hat:

"Immer wenn es Februar ist, bin ich fröhlich und ziehe mir aufgrund meiner Feierlaune einen Cowboyhut auf, trinke für fünf Personen, singe Lieder, die sonst nur bei den Proleten in Mallorca Gehör finden und trample anschließend in den öffentlichen Blumenbeeten im Stadtpark herum."

Nach kurzem Überlegen ob Sie der Person gleich eine schmieren wollen, fällt Ihnen ein: "Holla! Es ist ja Fasching, da macht man so was."

Man sieht also, bescheuertes Verhalten ist immer abhängig vom traditionellen Hintergrund und der Gewohnheit. Fasching bildet da, sogar noch vor Silvester und dem Erntedankfest, das wohl extremste Beispiel.

Wobei Fasching in den Kindertagen, doch immer ein freudiges Ereignis war. Verkleiden und Krapfen fressen. Welch Eden! Meine favorisierten Kostüme waren Batman und Zorro. Hauptsache in schwarz und irgendwie exzentrisch. Hätte ich damals von Personen wie Rozz Williams und Andrew Eldritch gewusst, wären mir auch diese als Kostümierung gut genug gewesen. Was dann allerdings immer recht unangehnem war, waren Kinderfaschingsparties. Wenn ich nun als Zorro durch die Gegend berzerkerte, wollte ich eigentlich nur Zorro sein. Keinesfalls wollte ich mit irgendeiner Prinzessin, einer Fee oder sonst irgendetwas blöd im Kreis herum tanzen oder mit Kindern, die mir schon damals zu unreif waren Reise nach Jerusalem spielen. Ich glaube sowieso, dass kein Kind an Fasching wirklich tanzen will. In erster Linie wollen das eigentlich die Eltern, die das Rumgeschubse unglaublich süß finden, während die Kinder darauf warten sich nun endlich die Plastikschwerter und -degen um die Ohren, oder auch wahlweise in die Augen hauen zu können.

Wenn man dann irgendwann aus Muttis Garderobenregime entwachsen ist und sich das ganze Jahr über schwarz anziehen kann, verliert auch die Faschingsfeier ihren Reiz. Außer bei einigen Leuten, denen in der Pubertät das Gehirn in die Poren wandert, aus denen es dann an den Badezimmerspiegel gespritzt wird. Dieses Verhalten wird dann bis ins Erwachsenenalter beibehalten, meistens weil man einen Grund zum Betrinken haben will. Wenn man allerdings, so wie ich in der Pubertät, nicht unbedingt auf gröhlende Bierbehälter steht und man außerdem alleine schon den Besitz von Alkohol als Grund zum Betrinken sieht, verabschiedet man sich irgendwann aus der Lach- und Speigesellschaft.

Historisch gesehen, machte Fasching durchaus Sinn. Im Mittelalter, in dem die Leute sowieso nicht allzu viel zu lachen hatten und die einzige Freizeitbeschäftigung im Ausdrücken von Pestbeulen bestand, griff man in der kalten Jahreszeit gerne zum Alkohol. Durchaus legitim. Um allerdings nicht als Trunkenbold zu gelten, was am örtlichen Pranger geendet hätte, maskierte man sich um anonym dem Himbeergeist fröhnen zu können. So war es in diesen Jahren nicht unüblich betrunkene Leute durch die Straßen stolpern zu sehen, die einen getrockneten Kuhfladen mit Augenlöchern im Gesicht trugen. Viele ertranken zwar, wenn sie in den Dorfbrunnen stolperten oder erfroren einfach aufgrund des Frostes, aber der Brauch wurde jedes Jahr wiederholt. Bis zum heutigen Tage.

Wobei der große Unterschied ist, dass man Fasching damals aus Frust und nicht aus Freude feierte. Heute ist es anders. Man begeht dieses Fest weil man so lustig und fröhlich ist. Jedenfalls redet man es sich ein. "Heute häng´ ich mich nicht auf, heute bin ich Cowboy!", ist der durchschnittlich am meisten gesagteste Spruch vom ersten bis zum 23. Februar. Jedenfalls wird dies von "Was sagt der Mensch im Monat"- Spezialisten bestätigt. Regressionswahn ist hier allerdings wahrscheinlicher, als saisonabhängiger, aus der menschlichen Natur geborener Frohsinn. Denn in keinem Lexikon steht unter dem Begriff "Frohsinn" folgendes:

"Meist im Februar auftretender Gemütszustand positiver Natur, der zu kostspieligem Kostümkauf, exzessivem Trinkverhalten, aggresivem Gestikulieren und Herumtrampeln in den öffentlichen Blumenbeeten des Stadtparks führt."

Entgegen vieler Behauptungen sind die Sparwitzbombadements des Fernsehens NICHT das Schlimmste an Fasching. Diese kann wenigstens durch Wegschalten ignoriert werden. Versuchen Sie das mal, wenn Sie zufällig in einen Faschingsumzug geraten, bei dem Sie mit Bonbons gesteinigt werden, während Ihnen penetrante Tröten und die Audioverbrechen eines Jürgen Drews die Gehörgänge penetrieren. Noch dazu rumpeln Sie in einer Tour mit irgendeinem Clown, der als Indianer oder Polizist verkleidet ist, zusammen und brauchen somit eine Ewigkeit um diesen Kriegsschauplatz zu verlassen. Da kann Arte auch nicht helfen.

Was an diesem Schreckensfest allerdings sehr schön ist, ist dass man wunderschöne, alkoholgeschwängerte Ausrufe wie "Meine Frau betrügt mich mit einem Bären!" oder "Dem Scheiß- Superman hau ich auf´s Maul!!" hören kann, so dass wenigstens der Voyeurismusgehalt, der Veranstaltungen ein nicht unbeträchtliches Maß hat. Allerdings muss man darauf achten, sich nicht aktiv ein zu mischen, bzw. aktiv eingemischt zu werden. Die Gefahr für Leib und Leben ist hier nicht unerheblich.

Wie auch immer. Ich meinerseits frage mich zwar das ganze Jahr über, wie sich manche Menschen so sehr zum Deppen machen können, dass man sich, aus der eigenen Ehre heraus nicht mal mehr fremdschämen kann, aber an Fasching nochmal mehr als doppelt so viel über das gewöhnliche Maß hinaus. Im Gegensatz zu Silvester, bei dem wenigstens noch ein wenig sentimentaler Schmonz mit hinein fließt, ist Fasching (genauso wie Karneval und Konsorten) ein Fest, das zu einiger Freude bei mir führen würde, wenn es von unserem Erdenrund verschwinden würde, samt der Leute, die jährlich auf ihre Geschmacksgrenze erbrechen, die sie sonst das ganze Jahr über so in den Vordergrund rücken. Meinetwegen soll man den Kindern ihren Spaß lassen, den sie meistens auch nicht haben, da die Eltern ein niedliches Foto für das Fotoalbum mit dem schlafenden Kätzchen auf dem Cover haben wollen, aber zum Besaufen, Pöbeln und um sich auf einer McDonalds- Toilette schwängern zu lassen, gibt es schon genug andere Events unter´m Jahr, die ebenfalls unerträglich sind. Mit was ich mich noch anfreunden könnte wäre folgende Alternative: Jeder feiert Fasching mit einer Auswahl an Bekannten oder Unbekannten und einer dekadenten Menge Alkohol und Plastikmasken in den eigenen vier Wänden, und nicht auf der Straße oder gar in "Locations". Da würde ich nichts dagegen sagen, vorausgesetzt, ich werde nicht eingeladen!

PS: Der Zusammenhang zwischen Titel und Text ist Folgender: Sollte ich zufällig in eine der oben abgewatschten Veranstaltungen reinrumpeln, würde ich auf die dümmlich grinsend dahingelallte Frage, warum ich nicht verkleidet sei antworten: "Ich bin doch verkleidet als Azubi eines mittelständischen Import/Export- Unternehmens in Zivil. Du elender Volldepp."

PSS: Wenn irgendeiner dachte ich bringe so was unlustiges und oberflächliches wie "Fasching kommt ursprünglich von Faschismus, wie man an den gleichen Wortanfängen sehen kann.", dann soll er seine Hand in einen Mixer halten und das Ergebnis, verfeinert mit einer halben Zwiebel auf ex trinken.

Dienstag, 31. Januar 2012

Bubble Tea: Vor- und Nachteile eines leicht unnötigen Getränks



Dass ich verschiedenen, neuen Produkten mit einem gewissen Skeptizismus gegenüber stehe, lässt sich weder auf reaktionäre Ablehnung, noch auf Angst vor der Übernahme der Kultur zurückführen. Inwiefern beides zusammenhängt, bzw. inwiefern beides das gleiche ist, wird an anderer Stelle diskutiert. Wie auch immer, die Tatsache, dass ich dem iPad, der mobile Freisprechanlage (die meinen Augen auch nur erfunden wurde, um Schizophrene vor komischen Blicken zu schützen) und diesen Brillen, die statt Gläsern eine Art Zaun haben, nicht mit offenen Armen entgegenstolpere kommt daher, dass ich als anspruchsvoller und gebildeter Konsument, das vor mir liegende Produkt immer erst auf Brauchbarkeit und Sinn prüfe. Und viele der heute auf den Markt kommenden Konsumgüter entbehren jeglichem höheren Sinn, bzw. sie dienen nicht mehr der Vereinfachung des Alltagslebens, sondern der Erschwerung (siehe Dr. Balduin Kracksauer: "Masochismus und Technologie"). Hätte ich allerdings zu der Zeit gelebt, in der das elektrische Licht erfunden wurde, wäre ich in der Tat aus dem Häuschen gewesen, da man nun einigermaßen von der Kerzenindustrie unabhängig war und außerdem das Verletzungsrisiko durch nächtliches Stolpern über die Hauskuh erheblich verringert wurde. Eine wunderbare Zeit war das.

Ein weiteres Produkt, dessen Sinn ich nicht wirklich auszumachen weiss, nennt sich "Bubble Tea". Bubble Tea ist ungefähr das, wenn man mit dem Strohhalm Blasen in seinem Frühstückstee macht, nur moderner. Im Gegensatz zu iPad, eBook und Diafragma, habe ich dieses neuartige Etwas eigens getestet! Vielleicht weil mir die Blogthemen ausgegangen sind, vielleicht aus finanzieller Gleichgültigkeit oder vielleicht auch aus purer Abenteuerlust kaufte ich mir letztens mit zwei bekannten Gesellen einen solchen Tee. Nun ja, da ich meine Meinung bereits erwähnt habe, muss man jetzt nicht mehr unbedingt weiterlesen. Also Tschüß.

Neeeeeiiiin, war nur ein Witz *lol*. Tatsache ist, dass dieser Eintrag nicht so einer der Sorte "Unsere Jugendlichen trinken schon so manches Ungewöhnliches" oder "Herje, jetzt haben wir uns gerade erst vom Eistee erholt" sein soll, bei dem man das Produkt, samt seiner Eigenschaften darstellt als wäre es das Unglaublichste auf der Welt, aber den Artikel am Schluß mit einer gehörigen Portion Selbstironie wieder entschärft. Nein, das machen wir hier überhaupt nicht. Eher soll es, in Anlehnung an die Erörterung der deutschen Schulen, in Vor- und Nachteile gegliedert werden, sodass der Leser (Ja, das sind Sie) sich am Ende eine eigene Meinung bilden kann. Wir sind hier ja nicht irgend so ein Propagandaorgan wie diverse andere Seiten. Bevor wir allerdings die harten Fakten loslassen, erstmal die Situation wie sie war:

Ich und zwei Typen mit denen ich unterwegs war (im Volksmund: Freunde, Kumpels, Kameraden...), kamen auf die glorreiche Idee mal neben den alten Konsumklassikern wie Zigaretten und Sauerstoff, mal etwas neues auszuprobieren. Da kam man auf die Idee mit dem Bubble Tea. Für alle die dieses Getränk nicht kennen, mal die Meinung von Lebensmittelexperte Leonhard Gruber, der für die Zeitschriften "Essen Heute", "Essen Aktuell" und "Ess Express Press" heitere Kolumnen schreibt, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen:

"Also, das is jetzt Tee. Aber nicht richtig. Kalter Tee, aber nicht Eistee, sondern halt kalter Tee. Aber nicht so wie man sich das vorstellt. Grün oder Schwarz. Also der Tee. Der ist grün oder schwarz. Gesüßt ist wichtig. Grün, schwarz und gesüßt. Und Milch. Milch muss auch noch. Nicht so wie in England, sondern anders. Also mit Milch eben. Sirup! Also gibt´s in Asien. Also ferner Osten. Aber auch jetzt bei uns weil, das alles schwappt rüber. Wie Sushi. Hat aber mit Sushi nichts zu tun. Sind dann aber auch Kugeln drin. Bei denen und bei uns auch. Ja. Die sind aus Stärke. Also aus Speisestärke. Mit dem Strohhalm, man trinkt das mit dem Strohhalm, kann man die aus dem Tee hochsaugen und dann essen. Oder mit dem Tee, also dem Bubble Tee runterspülen. Den Hals runter. Und gibt´s auch in Geschmacksrichtungen also zum Beispiel Apfel und Pfirsisch und Banane und so. Schoko glaub ich nicht."

Jetzt dürfte alles klar sein. Ok, weiter mit der Geschichte: Als wir endlich den Laden gefunden hatten, das iPhone des einen Kollegen hatte übrigens dabei versagt, so viel zu sinnvoller Erneuerung, waren wir da. Die junge Verkäuferin wirkte allerdings nicht ganz so hip und trendy wie das Getränk, dass sie anbot. Ihre Stimmung hätte eher zu schwarzem Kaffee gepasst. Wie auch immer. Tatsache ist, dass der Laden reduzierte Eröffnungspreise anbot d.h. 3,50 € pro Becher. Wenn man bedenkt, dass der Batz sonst 4,10 € kostet, sollte man sich das schonmal überlegen. Ich entschied mich für einen Blasentee (normalerweise wird so eine Bezeichnung eher für die medizinische Wirkung eines solchen Heißgetränks verwendet) mit Kiwigeschmack, der ein eher unappetitliches Grün ausstrahlte. Die anderen Beiden hatten es auch nicht besser. Ich kann mich noch erinnern, dass der eine genau so aussah wie meiner, nur mit anderem Geschmack bzw. anderem Namen und der andere nach Brackwasser aussah. Zum Glück hat uns keiner gesehen, den wir kannten. Nun wollen wir aber zu den Pro- und Kontraargumenten kommen, wenn es um dieses Modegetränk geht, da ich ja vorher ganz groß rumposaunt habe, dass ich das jetzt mache. Wunderbar:

KONTRA

1. Der Geschmack

Nun ja, wie es mit Modegetränken immer so ist, kommt deren Popularität weniger vom Geschmack bzw. vom "Feeling" sondern von der Ausgefallenheit und Exzentrität der jeweiligen Flüßigkeit. So auch hier: Außergewöhnlich ist das Getränk auf jeden Fall. Wenn man allerdings daran denkt, dass Malaria auch etwas Außergewöhnliches ist, ist die erste Begeisterung schon pasé. Mit diesem Argument kann man alle zum Schweigen bringen. Tatsache ist, dass der Kiwiblasentee irgenwo zwischen künstlicher Süße und abgestandenem Tee einzuordnen war, gepaart mit defekten Milchshake- Genen. Wie auch immer, nach kurzer Zeit hing das gesamte Gebräu zum Hals heraus und ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass dies die Zukunft der flippigen Getränke sein sollte.

2. Lebensgefahr

So richtig charakteristisch für Bubble Tea ist ja, noch vor dem Gepantsche mit allen möglichen Sachen, die man im Kühlschrank findet, der Einsatz dieser kleinen "Bubbles", sprich künstlicher, kleiner, geschmackloser Bällchen. Diese erinnern irgendwie an Plastik. Und das kann wirklich niemand leugnen. Nun wäre das alles nicht so schlimm, wenn man diese Bällchen nicht unkontrolliert hochsaugen müsste, durch besagten Strohhalm. Ich erschrack mich wie eine Kaulquappe als ich, in der Hoffnung Flüßigkeit im Munde zu sammeln, aufeinmal drei oder vier dieser Bälle verinnerlicht hatte, vor denen mich kein Mensch gewarnt hatte. Für mich ist es gerade noch einmal gut gegangen, da ich zum Glück über einen trainierten, funktionierenden Würgreiz verfüge, der dafür sorgte die Bälle unter Kontrolle zu halten. Doch Eduard H. E. aus B. hatte nicht so viel Körperkontrolle: Er erstickte am 21.01.2012 jämmerlich an einer der Kunstblasen. Zwei Stunden quälte sich der Frührentner aus B. zuckend und strampelnd auf dem Boden herum, bevor seine Lunge schließlich explodierte. So oder so ähnlich muss es gewesen sein.

Tja, hört sich schonmal nach etwas an, für das man eher unfreiwillig Geld ausgibt. Aber vielleicht können die PRO- Argumente noch mehr überzeugen:

PRO

1. Kindheitserinnerungen

Als ich eine der Bälle in meiner Hand wandt und es mit der Kraft meiner Fingerspitzen zum Platzen brachte, kamen mir Erinnerungen an meine Kindheit, wie Schüße aus einem Gewehr in mein Gehirn geschossen. Denn auch wenn diese ekelhaften Dinger künstlich waren, sie erinnerten mich an diese kleinen, weißen Beeren, die man in seiner Kindheit pflücken und durch Drauftreten zum Platzen bringen konnte. Ich wage sogar zu sagen, dass diese Beeren (man sagt auch Knallerbsen) zu einer jeden guten Kindheit gehören müssen. Ansonsten kann man sie von vornherein vergessen. Also die Kindheit. Spaziergänge mit meiner Mutter, der Geruch des Herbstlaubes, das lustige Ploppen der Beeren. Diese Assoziationen woben in meinem Gehirn das einzigartige Netz einer wunderbaren Kindheit, noch unberührt von dem Ernst und dem Kummer der Erwachsenenwelt. Welch glorreiche Zeit, die so einmalig ist, dass sie nur einmal im Leben vorkommt. Vor Glück hätte ich fast die Kontrolle über meine Körperfunktionen verloren, wenn nicht auf einmal der ekelhafte Geschmack meine Gedankenwelt bezüglich Kindheit und Knallerbsenstraucher liquidiert hätte. Das war ein schöner Moment.

2. Spaßfaktor

Wie so oft im Leben, kommt der Spaß an einer Sache erst durch den Missbrauch derjenigen. Beispiele dafür sind Einkaufswagenrennen, Küchentopfschlagzeugsolos oder Butterweitwurf. In diesem Fall war es eine Erneuerung, der ich positiv gestimmt war. Aus Schulzeiten (Nein, da kommt jetzt kein schwelgerischer Rückblick. Die Schulzeit wird nie etwas nostalgisches haben, an das man gerne zurückdenkt. Es war immer ein SCHEIßDRECK.), kennt man ja noch das alte Spiel: Wir kauen auf einem Stück Papier herum, ich beorzugte übrigens DinA 4- Seiten, stopft das in einen Strohhalm und schießt das durch die Gegend. Ein Rießenspaß. Beim Bubble Tea ist der große Vorteil, dass man kein Papier verschlucken muss, sondern diese Speisestärkebällchen gleich, wie sie sind, auf den Feind abfeuern kann. Diese sind von vornherein nass und fester als das vermeintliche Papierbällchen. Offensichtlich ist dies auch der Grund für 60% des Bubble Tea- Verkaufs. Vielleicht nicht im Sinne der Erfinder, aber die sollen die Klappe halten, da diese ja genug Geld damit scheffeln.

Nuuuuuuuun sehen wir also, dass das besagt Getränk über eine große Menge guter und schlechter Eigenschaften verfügt, die zugeschnitten auf den einzelnen Charakter gut oder schlecht sind. Ob man sich dies nun antun will, oder ob man meinen, wie immer sehr guten Text als Verbraucherschutzhinweis verwendet, bleibt jedem selbst überlassen. Tatsache ist: Brauch ich jetz nich so wirklich. Glaub ich zumindest. Wobei...erstmal alle Geschmacksrichtungen durchprobieren, bevor man mitreden kann!

Dienstag, 17. Januar 2012

Kommunengeschichte: Herrsching


Liebe Leute ihr habt es echt gut. Jetzt werdet ihr nämlich durch meinen Blog nicht nur unterhalten, sondern ihr lernt auch noch was. Und zwar etwas was ihr nie irgendwo einbringen könnt und was auch niemanden wirklich interessiert. Aber hier geht es ja nicht um eure Interessen sondern um mich. Und wie jeder Mensch komme ich irgendwo her. Und genau das sollte in der kleinen Kommunengeschichtsecke unterstrichen werden. Mit was Anderem sollte ich da wohl beginnen, als mit meinem Heimatort, dem guten, alten Herrsching. Was, Herrsching sagt euch nichts? Kein Wunder, habt ihr schon mal einen Ort sprechen hören? Ihr Deppen. Wie auch immer, um genau sowas zu erfahren seid ihr ja hier. Und damit ihr in Zukunft bei allen Diskussionen über Herrsching mitreden könnt, gibt es hier einen kleinen Geschichtskurs zu meiner Heimat:

Die Anfänge:

Die Geschichte der Gemeinde Herrsching geht bis ins Jahr 3500 vor Christus zurück. Ein Zusammenschluß germanischer Stämme war auf der Durchreise und ließ sich hier, in diesem wunderschönen Bereich am Ammersee nieder um ein Tierhautzeltlager auf zu schlagen. Wahrscheinlich aus Gründen der Freude über den zurückgelgten Weg oder aus Verehrung heidnischer Gottheiten, entschied man sich den Met auszupacken und ein ausschweifendes Fest zu feiern. Aus Bildern, die mit Tierknochen in den Boden eingeritzt wurden und versteinertem Erbrochenem lässt sich schließen, dass dieses Fest um Einiges ausschweifender war, als man es sich heute vorstellen kann. Was allerdings aus heutiger Sicht nachvollziehbar ist, ist der Kater, den die simplen Menschen am nächsten Morgen hatten. So entschloß man sich zu bleiben, bis die üblen Kopfschmerzen vorbei sein sollten. Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass die Stämme im Bereich des heutigen Bayern besonders feierlaunig waren und so bei jedem noch so nichtigen Anlass zum Honigwein griffen. Einer dieser Anlässe war z.B. das Ende des Katers, welches abermals mit Unmengen von Alkohol gefeiert wurde. Dieser Teufelskreis führte dazu, dass diese lustigen Gesellen unfreiwillig an diesem Ort festsaßen. Und das über ein paar Jahrtausende lang. Hier sind bereits die Ursprünge der Herrschinger Gesellschaft erkennbar.

1534: Erste schriftliche Erwähnung

Im oben bereits angedeuteten Jahr, fand es sich dass ein Kaufmann names Nepumuk Brunsscheitel auf einer Geschäftsreise durch dieses Gebiet kam und einen Haufen zurückgebliebener und betrunkener Menschen entdeckte, an denen offensichtlich jede Modernisierung vorbei gegangen war. In sein Tagebuch schrieb Nepumuk an diesem 15. April: "Ich glaub ich spinn!", was auch noch aus heutiger Sicht durchaus nachvollziehbar ist. An seinem Ziel, man geht davon aus, es war die Finanzmetropole Frieding, erzählte er im ansäßigen Wirtshaus natürlich von seiner postgermanischen Begegnung, worauf der Wirt Ludwig Huberhauer, der wegen seines entenähnlichen Gesichtes auch "Antn Huaba" genannt wurde auf die Idee, Kapital aus den armen Möchtegernnomaden zu schlagen. Er und einige Handlanger reisten also ins besagte Gebiet um dort in einer Nacht- und Nebelaktion alle, vom germanischen Stamm angebauten Honigfelder zu verbrennen. Als diese Untat geschehen war, baute er über Nacht eine Bretterbude zusammen und verkaufte dort mitgebrachtes Bier und erlesene Spirituosen. Die Naturburschen, die gar nicht wussten was los war, sahen sich nun gezwungen sich bei diesem Monopol ihren Rausch zu besorgen. Da sie von nie von jeglichen Bezahlungsmitteln gehört hatten, benutzten sie die Technik des Anschreibens um Bier und Schnaps erwerben zu können. Der listige Antn Huaba vertraute allerdings nicht auf die Ehrlichkeit der Barbaren und fand seine Mittel und Wege sie zur Bezahlung zu bringen. So wachten einige der Männer und Frauen mit einem Pferdekopf in ihrem Pferdehautzelt auf und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich der modernen Welt anzuschließen um so Geld verdienen zu können.

1774: Auf dem Weg zur Gemeinde

In diesem Jahr hatte sich das Bild des zukünfigen Herrschings bereits maßgeblich verändert. Statt Hautzelten standen nun wirkliche Hütten dort. Statt Grunzlauten vernahm man so etwas Ähnliches wie eine Sprache und die Bude des entengesichtigen Wirtes hatte sich in eine gemütliche Gaststube verwandelt, die den Namen "Antn Wirt" trug. Da er nun im Geld schwamm machte ihm auch diese Hänselei nichts mehr aus. Mit der Zeit gesellten sich zur Urbevölkerung auch andere Alkoholi..äääh einfache Menschen die sich rund um den Antn Wirt niederließen. So entstand ein kleines Dorf mit Bauern, Bäckern, Metzgern und Prostituierten. In diesem Jahr bekam diese Gemeinde übrigens auch ihren Namen. Aus Höhlenmalerein ist überliefert, dass ein chinesischer Geschäftsmann mit dem Fahrrad das Dorf besuchte und ihm eine große Menge Geld schenkte, da er gerade nichts anderes zu tun hatte. Aus Dankbarkeit nahm das Dorf seinen Namen an. Es ist allerdings noch unklar wie der Mann hieß. Die zwei wahrscheinlichsten Theorien sind die, dass er Sching hieß sodass der Name von der Anrede Herr Sching herrührte und die eventuelle Tatsache, dass er Ing hieß und die Menschen so begeistert von ihm waren, dass sie ihn als Bürgermeister wollten ("Herrsch Ing!"). Man hat anschließend nichts mehr von diesem Asiaten gehört, sodass es im Endeffekt auch egal ist.

1894: Die Eisenbahn zieht ein

Bis 1894 dümpelte das Dorf so vor sich hin, bis man in diesem Jahr schließlich entschied eine Bahnverbindung einzuführen. So wurde, wieder mal in einer Nacht- und Nebelaktion, ein bahnhofsähnliches Steingebilde rund um den Antn Wirt gebaut und ein paar Gleise bis zur nächsten Ortschaft Hechendorf (Dazu an anderer Stelle mehr) gelegt. Nun hatte der Antn Wirt doppelten Zuwachs. Seinen Monopolcharakter musste er allerdings lassen, da auch andere Leute auf die Idee kamen Wirtshäuser und Lokale aufzumachen. So entstanden u.a. der Seehof, der Andechser Hof und ein Schwulenlokal, dass aufgrund eines Rechtschreibfehlers "Feni´s" hieß. Auch wurde in diesem Jahr der Ammersee von einigen Bürgern nicht nur zur Müllbeseitigung, sondern auch zum Baden entdeckt. Da die Technik des Schwimmes Bayern allerdings erst um 1900 rum erreicht ertranken dabei recht viele Hobbybader. Glück im Unglück für die Gemeinde! Als man mit den Angehörigen die Wasserleichen mit Hilfe von großen Booten suchte, entdeckte man den Freizeitspaßfaktor dieser Tätigkeit und so führte man nur zwei Jahre später die Dampferrundfahrt über den Ammersee ein. Damals allerdings noch ohne Landungssteg, sodass man dazu noch die lange Seepromenade anlegte, sodass der Dampfer überall anlegen konnte...oder so. Das Kuhrparkschloß baute man übrigens auch. Aber damals wie heute, ist es unklar wofür eigentlich.

1936: Hitler

Ein weiteres großes Ereignis war der Besuch des populären Diktators Adolf Hitler im Jahre 1936. Ob man sich damit rühmen kann ist allerdings fragwürdig. Noch dazu, da nicht wirklich etwas Interessantes passierte. Es ist überliefert, dass er beinahe vom Gemeindesteg gefallen wäre und im nahegelegenen Vereinsheim eine Apfelschorle umgeworfen hat. Und das auch nur aus Versehen. Interessanter war daraufhin der Krieg, den er nicht ganz aus Versehen veranlasst hat, der aber nichts direkt mit Herrsching zu tun hat. Weitestgehend blieb Herrsching auch noch verschont. Ob der große Feuerwehrbrand von 1943 als Kriegsschaden betrachtet werden kann ist unwahrscheinlich.

Heute

Ab da ist eigentlich, außer meiner Geburt 1991, die allerdings in Pasing stattfand, nichts aufregendes passiert. Lediglich, dass ein Karussel beim Dampfersteg gebaut wurde, der Kuhrpark umgegraben wird und Seewinkel. Ach ja, und den Antn Wirt gibt es immer noch. Er hat allerdings den Großteil seiner Macht eingebüßt, was wohl an den stinkenden Bahnhofstoiletten daneben liegt.

Nun, liebe Leser, da ihr alles über Herrsching wisst, könnt ihr euch eine eigene Meinung darüber bilden ob da nun eine Daseinsberechtigung ist oder nicht. Auf jeden Fall ist Herrsching nicht mehr weg zu denken für einige Leute und hat bei bestimmten Personen einen Wert. Darüber lässt sich nicht streiten. Und selbst wenn meine Gemeinde von Barbaren, Alkoholikern und Kleinkapitalisten abstammt, kann ich voller patriotischem Stolz sagen: Immer noch besser als Frieding!

Dienstag, 27. Dezember 2011

Traditioneller Kriegszustand

Nachdem das erste, große Fest des Dezembers von mir bereits geschändet und lebendig begraben wurde, will ich mich mit dem folgenden Text dem zweiten, großen Event des kalten Monats widmen. Anfangs schien mir dafür der Stephanstag am 26. Dezember richtig zu sein, allerdings gibt es darüber nichts, was nicht schon mal gesagt worden ist. Deshalb dachte ich mir, dass ein Eintrag über den letzten Tag des Jahres, Silvester natürlich, angebrachter wäre.

Dass wir Silvester überhaupt feiern verdanken wir der Erfindung der Zeitrechnung, da es bei unserer Art der Zeitrechnerei üblich ist, nach 365 Tagen einen Strich zu machen, der ein vergangenes Jahr darstellen soll. Man kennt dies von Gefängniswänden. Damit niemand den Tag vergisst, beschließt man jährlich ein großes Fest zu feiern und den Tag nach einer Cartoon- Katze zu benennen, dessen Optimismus man sich als Vorbild für das nächste Jahr nimmt. So weit, so unverständlich. In der Zwischenzeit hat sich dieser Tag, der eigentlich auf nackter Bürokratie beruht, zu einer Regressionsveranstaltung gewandelt, die ansonsten nur mit dem Oktoberfest vergleichbar ist. Was im Mittelpunkt steht sind Trunkenheit, Gewaltbereitschaft in Gestalt der modernen Kriegsführung und ein Knabbermix bei dem einem eigentlich nur die Salzstangen schmecken. Klingt verwirrend? Nachvollziehbar! Deshalb sollte man mal einen typischen Silvesterabend rekonstruieren, wie er Jahr für Jahr in normalen Haushalten stattfindet. Dabei gibt es zwei verschiedene Typen auf die ich eingehen will:

Typ 1: Meistens Kleinfamilien oder ältere Ehepaare. Der Abend beginnt zwischen 18 und 19 Uhr mit "Dinner for One" auf einem dritten Programm. Danach wartet man mit Tonnen von Salzstangen, Chips und Erdnussflips bis Null Uhr vor dem Sofa, während man sich die Zeit mit einem Silvesterevent im Fernsehen oder einem unterhaltsamen Film vertreibt. Um 0.00 Uhr rumpeln alle ans Fenster um sich, untermalt vom Feuerwerk der Nachbarn ein frohes, neues Jahr zu wünschen. Nebenbei schlürft man Sekt. Übrigens der einzige Tag im Jahr an dem die Kinder Alkohol trinken dürfen. Die Eltern gehen mal schwer davon aus, dass dies für die nächsten 15 Jahre so bleiben wird. Danach geht die Sippschaft ins Bett. In manchen Fällen verpulvert man sein Geld sogar selbst am Himmel! In der Regel hat man dafür auf den Urlaub verzichtet und ist während dem Schießen zu beschäftigt in den Himmel zu schauen.

Hört sich nicht spannend an? Tja, keine Sorge. Es gibt ja noch

Typ 2: Meistens verkörpert durch Pubertierende oder "Jung gebliebene" (auch "Post-Pubertäre" genannt). Ende des Sommers macht dieser Typus in der Gruppe aus, was man an Silvester denn macht. Da man entweder altersbedingt auf keine öffentlichen Veranstaltungen gehen kann oder man es privat gemütlicher findet (Def. Gemütlichkeit: Zustand zwischen bereits bekannten Leuten zu sitzen), macht man eine Haus- bzw. Wohnungsparty. Das hat den Vorteil, dass man sich mit keiner Rechnung herumärgern muss, seine eigene Musik spielen kann ("Machste ma´ bitte was bei YouTube an?") und die weiblichen Gäste nicht durch potentiell interessantere Männer abgelenkt werden können.

Nun schaut man also, wer sturmfrei, eine eigene Wohnung oder taube Nachbarn hat. Die Person die sich freiwillig meldet, hat meistens nicht viel zu sagen und meint in den eigenen vier Wänden nun Authorität spielen zu können. Ein folgenschwerer Irrtum. Ungefähr gegen 20.00 Uhr will man bei der betreffenden Bude sein. Ungefähr gegen 20.45 ist man da, das man entweder nicht wusste wie die Öffentlichen fahren oder vergaß, dass alle Geschäfte (auch der Norma) früher geschlossen haben und zähneknirschend einen Wodka für 25 Euro bei der Tanke kaufen musste. Der Gastgeber sitzt in dieser Zeit stumm auf der Couch und macht gar nichts, da er auf das Klingeln gefasst sein will. Als dann endlich alle da sind stößt man gemeinsam an und schreit dabei. In der Regel hat jeder, außer der Gastgeber, schon sein drittes Getränk (siehe Vorglühen). Nun wird wahlweise bei Winamp oder Youtube eine Playlist abgespielt, die alle zwei Minuten von einem Musikwunsch unterbrochen wird, der sich genauso anhört wie der Rest der Liste, aber für den Betreffenden eine ganz besondere Bedeutung hat. Zwischen dem Stamperln und Husten schlägt mindestens eine Person Flaschendrehen vor und geizt dabei nicht mit schlechten Anmachsprüchen, während er verschmitzt seine Augenbraue hochzieht. Spätestens jetzt fragt man sich warum man diesen Trottel überhaupt eingeladen hat.

Während zwei Mädchen im Wohnzimmer "crazy dancen", unterhalten sich mindestens zwei Jungens darüber wenn sie von den anwesenden Damen am liebsten ins Bett kriegen würden und welche von ihnen nach einem Amboß im Gesicht nur besser aussehen könnte. Der Rest stolpert zwischen dem Schlafzimmer der Eltern, der Küche und der Toilette herum, lacht gekünstelt und macht Fotos, die einen gelungenen Abend suggerieren. Übrigens war es ja auch erlaubt Freunde mit zu bringen. Das ließ man sich natürlich nicht zweimal sagen. Nun hängen also neben den üblichen Subjekten auch noch irgendwelche Leute in der Wohnung herum, die keiner kennt. Diese sagen entweder gar nichts und machen einen durch ihre Schweigsamkeit nervös oder lassen mit ihrem Benehmen sogar den verzweifelten Flaschendreher symphatisch erscheinen. Spätestens um 22 Uhr schläft die erste Person. Wenn es ein Mädchen ist, setzt sich Flaschendreher Heinz neben sie mit dem Vorwand auf die acht zu geben. Eigentlich hofft er nur, dass sie mit dem Kopf auf seine Schulter sinkt. Alle sind von ihm angewidert. Ist ein Mann der betrunkene Schläfer, so interessiert es Keinen. Er wird dann höchstens mit Penisen und Hakenkreuzen vollgemalt.

Ab und an kommt es an diesem Abend, wohl durch den sechsten Wodka Bull, zum Streit zwischen zwei Personen. Oft geht es dabei um den potentiellen Sexualpartner oder darum, dass man eventuell mal irgendwann irgendwas irgendwo gesagt hat, was irgendwie mit dem Anderen zu tun hat. Man beschließt die Beiden in verschiedenen Ecken der Bude zu verteilen und sich die Stimmung nicht verderben zu lassen. Sollte jemand senitmental werden, aufgrund des siebten Wodka Bull, so verdirbt man in der Regel den Abend desjenigen der ihn/sie am besten kennt, indem man ihn/sie zum Psychologen erklärt, der nicht mehr von der Seite der labilen Person weichen darf. Der Gastgeber hat sich in der Zwischenzeit ins Koma getrunken oder aufgehängt. Beides ist auf die Gäste zurück zu führen. Sollte es nun Mitternacht sein und sollten alle Personen noch leben bzw. ansprechbar sein, wünscht man sich mit einem großen "WOOOOOOUUUHOOUUUUU" ein frohes Neues. Die Jungs haben natürlich Raketen und ähnlichen Käse mitgebracht, die nun gegen die Außenwand der Wohnung von Typ 1 fliegen. Wenn man Glück hat, schießen die Volldeppen die Raketen vom Balkon nach draußen und nicht nach drinnen, geschweige denn von drinnen nach oben. Jedenfalls wird das Geballer nach einer Dreiviertelstunde von der Polizei beendet und man zieht sich erstmal zurück um den restlichen Alkohol zu vernichten. Gegen 00:30 sinkt die Stimmung in Depressionsnähe, da bereits alle Stimmung buchstäblich verschoßen wurde und man verlässt klammheimlich das Schlachtfeld ohne den Gastgeber aufzuwecken (falls nicht die vorher beschriebenen Taten eingetreten sind). Auf der Straße können sich nun die Streithähne und der Wochenenddepressive ausleben, während der Rest das Weite sucht.

So ungefähr laufen 67% dieser Feiern ab. Muss jedenfalls so sein. Öffentliche Feiern gibt es natürlich auch, aber das ist eigentlich das Selbe wie Typ 2, nur mit Leuten die sich nicht kennen. Dort fliegen die Raketen aber ebenfalls parallel zum Boden.

Nun wissen wir alles über Silvester außer ob man nun den Anfang des neuen Jahres feiert oder das Ende des Alten. Zweites ist zwar wahrscheinlicher, aber im Endeffekt wird etwas Anderes behauptet. Wer es weiß soll es aufschreiben.

Allen Lesern dieses Blogs wünsche ich hiermit ein Jahr 2012, welches besser wird als das Jahr 2011...man kann´s jedenfalls mal versuchen!