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Freitag, 27. Juli 2012

Leben und leben hassen





Ich nehme mal an, unter den Lesern dieses Blocks hat sich jeder schon mal Gedanken über das Leben gemacht. Und ich meine damit jetzt nicht Gedanken über das eigene Leben ("Fahr´ ich nach Italien oder Spanien?") oder das der Anderen ("Wie kann Olaf nur in so einem Loch hausen?"), sondern um das Existieren im Allgemeinen. Natürlich kommt da die alte Frage nach dem Sinn, die oft bei gemütlichen Runden im Stadtpark diskutiert wird. Meistens kommen dann solche Sachen dabei raus wie: "Der Sinn des Lebens ist es froh zu sein und Spaß zu haben.", "Ich will unbedingt nach London! Deswegen bin ich hier." oder in ganz extremen Horrorrunden: "Es war mein Schicksal Skinhead zu sein."



Sagt man dann so was wie: "Es ist also deiner Ansicht nach vorherbestimmt, dass der Mensch glücklich ist?", dann kommt sofort "Boah Mann, mein Sinn ist das halt sein! Jeder muss sich seinen Sinn suchen!". Will man dann immer noch einen drauflegen und kommt mit "Das ist kein Sinn sondern Zeitvertreib.", dann kommt ganz schnell mal ein schönes Wort ins Spiel:

PSEUDOINTELLEKTUELL


Da wollte ich jetzt aber eigentlich gar nicht hin. Nur kurz: Wenn Sie irgendwann etwas nicht verstehen sollten, können Sie dieses Wort verwenden und keiner wird es merken. Ähnlich ist es, wenn Sie mit einer Meinung nicht konform gehen und keine Eigene haben, bzw. diese nicht untermauern können. Einfach das Wort sagen und schon sind Sie aus dem Schneider.

Aber zurück zum Thema: Leben. Genau betrachtet entbehrt das Leben eigentlich jeglichen Sinnes. Man könnte aber auch sagen, der Sinn ist ziemlich unverständlich. Mit anderen Worten Pseudo***********. Aber darauf wollten wir ja nicht mehr eingehen, gel?


Also gut, betrachten wir das Leben mal ganz genau: Für gewöhnlich steht die Geburt des Menschen am Anfang. Auf Ausnahmen wollen wir nicht eingehen, da diese nicht allzu zahlreich sind und die Statistik im Nachhinein verfälschen würden. Nachdem man also von Blut und Vaginalsekret verschmiert auf die Welt gepresst wurde, heißt es Leben bzw. Überleben. Man verbringt also sein ganzes Dasein damit sich am Leben zu erhalten und ja nicht zu sterben. Zwischendurch geht man in die Oper oder zum Fußball, das kommt auf die Bildungsschicht an. Nun versucht also der Mensch, wie bereits gesagt, einige Jahre lang am Leben zu bleiben und investiert darin viel Zeit und Geld. Anschließend folgt dann die große Pointe (Halten Sie sich fest!): Man stirbt. 


Nachdem die Lachanfälle nun abgeklungen sind, können wir wieder zurück zum Ernst. Niemand der einigermaßen mitgelesen hat, kann leugnen dass dieses Konzept ein wenig abstrus wirkt. Ganz abnorm wird es, wenn man Gott ins Spiel bringt.


Mal ehrlich: Will ich jemanden anbeten, der sich so etwas ausdenkt? 


Man könnte genauso gut einen Grundschüler mit Glasknochen (Hohoho, das ist politisch nicht korrekt, dass man Leute mit Glasknochen erwähnen tut, hohoho) gegen Vitali Klitschko antreten lassen. Es ist klar, dass sich der Junge anstrengen kann wie er will, er wird den Kampf nicht gewinnen. 



Würde Gott mit etwas daher kommen, wie "Pass auf die Kartoffeln auf!" wäre es etwas anderes. Nun Gut, es ist jetzt keine allzu erfüllende Lebensaufgabe auf die Kartoffeln auf zu passen, aber zumindest ist es eine konkrete Aussage und die Meisten würden sich sicher damit abfinden. Die meisten Leute gehen auch Arbeiten. Einige Leute würden allerdings "die Fragestellung nicht verstehen", worauf Gott zum ersten mal sehen würde, was er hier eigentlich verbockt hat und wiederum Andere würden diese Aufgabe gnadenlos hinterfragen. Diese werden allerdings nicht weiter beachtet, da sie ja pseudo************ sind. 



Nehmen wir nun einmal an, ich würde nach meinem Ableben vor Gott höchstpersönlich stehen, dass sehe ungefähr so aus:


Gott: So, wer kommt als Nächstes. Ah, Pfeiffer. Mit drei "f" oder? *kicher*


Ich: *Umpf* Ja, schon...


Gott: Gut, gut. Schauen wir doch mal in Ihrer Sündenkartei nach, ob...


Ich: Moooooment mal! Erst mal bist du mir eine Antwort schuldig! Was soll der ganze Unsinn da unten? Man werkelt, werkelt und werkelt sein ganzes Leben lang und hat nix davon! Dazwischen wird man ein paar mal verlassen und den ein oder anderen Menschen den man mag holst du dir aus Jux und Gaudi zu dir nach oben! Dann haut sich wieder jeder auf die Gosch`, irgendwo ist wieder Krieg. Dann wieder Mord, Vergewaltigung, Diebstahl, Aids, Intoleranz etc., etc. Kann ich noch mit leben. Aber die Tatsache, dass du uns auf eine sinnlose Geisterbahnfahrt schickst, in der man sich mit Leibes Kräften bemüht nicht drauf zu gehen, obwohl sowieso nichts Anderes kommt ist wirklich unter aller Sau!



Gott: *Seufz* Schau mal, dass ist wie beim Joggen. Da hat man auch kein richtiges Ziel wo man hin laufen will, aber man läuft halt. Darauf kommt es an.


Ich: Hmmm...aha...o.k.


Nach zwei Minuten fällt mir auf wie blöd und unbefriedigend diese Antwort eigentlich ist und ich will schon "Moment mal!" sagen, aber da werde ich schon von zwei muskelbepackten Engeln, die "Security" auf der Brust stehen haben ins nächste Wartezimmer geschoben. Danach kommt der übliche Mumpitz mit Urinprobe und so. 


Nun ja, andererseits ist es ungemein befreiend und erleichternd, wenn man weiß, man hat eigentlich keinen Sinn und keine Aufgabe. Das erkannte schon Sartre und hat es massentauglich vermarktet mit T-Shirts, Kaffeebechern, Mousepads und so weiter. Wenn man dies weiß und trotzdem keine Freude am Leben hat, dann kann man sich ja immer noch betrinken. Also soll sich die verwöhnte, westliche Gesellschaft nicht so anstellen und sich freuen dass sie was zu fressen haben. Mann, wenn die Kinder in Afrika nicht wären, dann wäre was los. Dann könnte man aber rum meckern und sich mal gescheit selbst bemitleiden. Wäre mal dringend nötig zur Hinterfragung des Lebenssinnes!


Was höre ich da von den billigen Plätzen? Zynisch? Politisch nicht korrekt? Pseudo************??? 


Jetzt folgt eine Schlägerei. Guter Schluss. Echt guter Schluss. 


PS: Wenn man mehr über das Leben erfahren will, kann man gute Bücher von Camus lesen, gute Filme von Woody Allen gucken oder auf die Straße gehen. Die Wahl der Straße bleibt dem Individuum überlassen.




Montag, 23. April 2012

Gäbe es nur eine Trinkflaschenstöpselgröße, gäbe es diesen Eintrag nicht


Absolut keine Notwendigkeit für einen Flaschendeckel


Als ich vor einer Woche meine Zahnbürste fragte, was ich denn auf meinem schönen Blog so schreiben könnte, wusste sie nicht so recht und sagte erstmal überhaupt nichts. Ich dachte mir: "Nun gut, eine gute Idee braucht Entwicklungszeit, das weisst du ja selbst am besten." Also ließ ich der struppigen Kameradin ein wenig Zeit, bevor sie mir einen angemessenen Vorschlag unterbreiten konnte. Nachdem allerdings die Woche vorbei war und die Bürste immer noch nichts gesagt hatte, wurde es mir zu dumm mit diesem unkreativen Objekt und sie flog in hohem Bogen zum Fenster hinaus. Nun rieche ich bereits seid zwei Wochen unangenehm aus dem Mund (wissenschaftlich: Maulgammel) und habe immer noch keine neue Idee. Deshalb erzähle ich von einem kleinen Missgeschick, welches mir letztens erst widerfahren ist.

Kürzlich kam ich auf die famose Idee, mir eine spritzige Orangensaft Schorle zu genehmigen, da ich zufällig Orangensaft und kohlensäurehaltiges Mineralwasser mein Eigen nennen durfte. Mit Hilfe eines handelsüblichen Trichters mischte ich den Saft der runden Frucht mit dem einzigen Element, dass sich gut in Flaschen verkaufen lässt. Ich schüttete also das eine Zeugs in das Andere. Glücklicherweise ging nichts daneben, sodass ich nicht genötigt war zum handelsüblichen Lappen zu greifen. Nun schrieb ich aber, dass mir ein gar mistig Missgeschick widerfahren sei. Keine Angst, dazu komme ich jetzt: In meiner freudensbedingten Geistesabwesenheit versuchte ich die Flasche des Saftes, welche einen recht breiten Hals hatte, mit dem viel kleineren Deckel des klassischen Mineralwassers zu verschließen. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Deckel plumste in die Flasche und schwamm dort wie ein Boot voller betrunkener Schwaben ziellos herum.

Verständlicherweise war ich aufgebracht und ließ meinen Frust sofort an der Mikrowelle aus. Nun stinke ich nicht nur aus dem Mund wie ein Kläranlage, sondern esse diverse Speisen kalt, wenn nicht sogar tiefgefroren. Wie auch immer, kam mir doch bei meinem Malör ein philosophischer Geistesblitz: Nämlich dass der Mensch mit viel zu kleinen Mitteln versucht einen viel zu großen Sachverhalt zu verstehen und letztendlich hilflos dahintreibt. Für Sonderschulabbrecher: Der Mensch versucht sich etwas zu erklären, ist aber zu blöd dazu und ist letzten Endes frustriert. Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Nun wird die Stimme der Aufgebrachtheit natürlich aus ihrem Dachsbau gekrochen kommen und mir was husten. "Ächo, Ächö!! Sie neunmalkluger Stöpselphilosoph! Ächö, Ächö! Das weiss doch schon jeder Depp! Man muss sich einmal "Gute Zeiten unter uns" zu Gemüte führen und schon hat man den Sachverhalt verstanden!" Also gut, ich schreibe keine philosophische Abhandlung über offensichtliche Sachverhalte. Sowas nennt sich außerdem nicht Philosophie, sondern Richard David Precht. Egal.

Ich könnte natürlich auch eine Kunst- Performance daraus machen: Zehn halbnackte, junge Mädchen stehen nebeneinander und lassen unaufhörlich Wasserflaschendeckel in Orangensaftflaschen fallen. Dazu läuft im Hintergrund so etwas wie Zwölftonmusik. Allerdings nur mit fünf Tönen. Den Sinn dahinter ist absichtlich nicht zu erkennen, da Kunst erst richtig interessant ist, wenn man auf den ersten Blick nichts versteht. Nein, das war kein ironischer Kommentar, wie er sonst von "Das-kann-mein-Kind-doch-auch-malen"- Leuten kommt, sondern absolut ernst gemeint. Besagte Leute sollten am besten von Allan Kaprow überfahren werden. Und zwar mit einem Auto, von dem kurz zuvor Frauen Marmelade leckten und an welches Chris Burden genagelt ist. Anschließend kann Joseph Beuys gerne dem Publikum zeigen, wie man dem toten Kunstbanausen die Bilder erklärt. Der Kunststudent schnappt jetzt natürlich nach Luft, weil er vor lauter Lachen droht zu verrecken. Der Rest knallt mit dem Kopf auf den Tisch. Auch gut.

Da wir gerade beim Thema "Leute zum überfahren" sind: Als ich letztens im Norma den Dienst an der Kasse tätigen musste, hatte ich das Pech weder Fünfer Scheine, noch Münzen der Wertigkeit Eins und Zwei zu haben. Weiterhin hatte ich das Pech, einem Vollidioten sieben Euro herausgeben zu müssen, der überaupt nicht damit einverstanden war, dass er den Betrag in 50 Cent- Stücken bekam. Jedenfalls war meine fiese Cent- Aktion nicht das Einzige, was ihn an der Filiale störte, sondern auch die "Tatsache", dass es nie was Frisches gäbe. Ich hätte ihm vorschlagen sollen, dass er um 06:45 Uhr antanzen solle um sich an zu sehen, wie wir Kistenweise frich angekommene Erdbeeren, Eisbergsalate und Jeanshosen einräumen. Dann würde er sich sicher beschweren, dass es totlangweilig wäre sich so etwas ansehen zu müssen. Jedenfalls kam ich diesem Subjekt mit dem ultimativen Totschlagargument "Sie müssen ja nicht hier einkaufen", was vom Käufer hinter unserem Meckerfritzen bejaht wurde. Dieser beledigte den Cent- Verweigerer anschließend noch, wie dieser, nach eigener Aussage "noch nie beleidigt worden wäre". Nämlich mit: "Sie gehören ins Irrenhaus". Jedenfalls wurde uns noch ein Nachspiel versprochen.

Ui, neue Idee für eine Kunstaktion! Zehn halbnackte, junge Mädchen beschießen mit Hilfe von Steinschleudern einen gefesselten Vollidioten mit 50 Cent- Stücken. Wenn Hermann Nitsch noch Lust hat, kann er vorbei kommen und ihm einen Kalbskadaver um die Ohren hauen. Anschließend gibt es für alle Orangensaft mit Wodka. Vielleicht passt ja der Kartoffelschnaps- Deckel auf die Saftflasche.

Montag, 5. März 2012

Von der Ähnlichkeit mit prominenten Personen



Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beim obrigen Bild jegliche Assoziation mit Günther Grass fehl am Platz ist

Zu den ganz auffälligen Nachteilen an meiner Person gehört, neben den üblichen Nachteilen und Problemen, die aus der eigenen, individuellen Persönlichkeit resultieren, dass ich nicht die geringste Ähnlichkeit mit irgendeinem Prominenten habe. Wobei es mir in erster Linie egal wäre, aus welchem Beet des glamourösen Prominenzgartens mein Ebenbild gezogen würde. Musik, Film, Bildende Kunst, Politik, das alles wäre im Endeffekt egal, da die Tätigkeit der besagten Person nichts mit meinem Wunsch an sich zu tun hat. Außer dass es eine Tätigkeit von prominenter Natur ist. Zwar ist es in diesen, heutigen Tagen nicht allzu vorteilhaft wie Christian Wulff oder Karl- Theodor zu Guttenberg aus zu sehen, was sich auch niemand wirklich wünschen würde, aber dennoch bleibt mir durch mein unmediales Aussehen folgende Situation verweigert:

Eine junge Frau, gegebenenfalls auch ein junger Mann, würde mich auf der Straße, vielleicht gerade am Stachus an dem ich mir Kirschen in den Mund schiebe, da ich diese kurz zuvor käuflich erworben hatte, um eine spontane Lust nach Kirschen zu stillen, ansprechen und zwar entweder mit „Entschuldigung, dass ich sie einfach so anspreche, aber waren Sie nicht schon einmal im Fernsehen?“ oder mit „Verzeihung, das hören Sie sicher ständig, aber sind Sie nicht ?“. Eigentlich könnte die Frau, beziehungsweise der Mann, auch alt sein, mir ist das ganz gleich. Paarweise können sie auch auftreten. Eine junge Frau und ein junger Mann, eine alte Frau und ein alter Mann, eine junge Frau und ein alter Mann oder eine alte Frau und ein junger Mann. Hat mit der Konfrontation nicht wirklich etwas zu tun. Auf jeden Fall würde ich das Subjekt, dass mich gerade angesprochen hat, verwundert ansehen und nebenbei meine Kirschen hinunter schlucken. Ich müsste aufpassen, dass ich keine Kirschkerne verschlucke oder ausspucke. Dann wenn ich mich gefasst habe, würde ich sagen: „Nein tut mir leid, Sie müssen mich verwechseln“. „Oh, tut mir Leid“ würde dann zurückkommen, „sie sehen nämlich , unglaublich ähnlich.“. Darauf würde ich wiederrum antworten, dass dies nichts mache und mir außerdem immer passieren würde. Lächelnd verabschiedet man sich und geht weiter seiner Wege, mit dem guten Gefühl im Bauch, ein Missverständnis aufgelöst zu haben und ohne irgendwelche Folgeschäden daraus hervor gegangen zu sein. Sicher würde man es auch Freunden und Familie erzählen, dass man jemanden getroffen hatte, der aussieht wie , da man so was ja Leuten erzählt. Wenn man jemanden mit jemandem verwechselt, der in der Öffentlichkeit weithin unbekannt ist, dann hält man das lieber für sich geheim, weil es zu den peinlichsten und unverzeihlichsten Dingen gehört, die einem passieren können.


Wie auch immer, ich sehe ja niemandem ähnlich, also wird mich niemals jemand ansprechen. Schade eigentlich, da ich trotz meines Allerweltsgesichts - Jedes Gesicht, dass man nicht mit irgendetwas und irgendwem assoziieren kann, ist ein Allerweltsgesicht - etwas zum Thema „Ich im Fernsehen“ erzählen könnte. Sollte mich also irgendwer auf der Straße ansprechen, und mich fragen ob ich Erfahrungen vor der Kamera habe, würde ich antworten: „Und ob! Mit neun Jahren waren ich und einige Kameraden aus meiner Klasse bei „Tabaluga Tivi“ eingeladen. Ich habe es zwar nicht zum Kandidaten geschafft, - was nebenbei bemerkt, auch gar nicht so schlimm gewesen wäre, da der Vorstellungsfilm zu mir recht uninteressant ausgefallen sein müsste - aber letztendlich saß ich im Publikum. Allerdings glaube ich, dass ich kein einziges mal im Bild war. So etwas Ähnliches habe ich noch im Gedächtnis. Eigentlich auch gar nicht so schlimm, da ich während der Sendung mit einem, neben mir sitzenden Freund herum gekaspert habe und da kommt man, nicht mal als Kind, seriös rüber. Wenn ich es genau überlege war er aber auch kein richtiger Freund. Der war in höchstem Maße unsympathisch. Ich glaube er hieß Alex, ich weiss es aber nicht mehr genau. Ich würde auch nicht mein letztes Hemd darauf verwetten, dass er Alex hieß, nicht dass sie denken, es könnte ja ein Alex sein, den Sie kennen. Sie könnten ihm dann nicht mehr normal gegenüber treten, da Sie sich immer fragen würden, ob er der Alex ist, den der junge Mann, den Sie angesprochen haben, so unsympathisch findet. Tatsache ist allerdings, dass er bei jeder Gelegenheit erwähnt hat, dass er nur Einser schreiben würde, was logisch betrachtet vollkommen absurd ist, da in der Grundschule schließlich jeder irgendwo sein Problemchen hat. Meines war Mathe. Aber das hat uns ja hier nicht zu interessieren. Außerdem meinte er, seine Familie hätte schon des öfteren im Lotto gewonnen. Ich habe es damals geglaubt, da sie einen rießigen Krohnleuchter im Esszimmer hatten, der...“. Spätestens jetzt würde die Person anmerken, dass sie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel fahren müsse und sich deshalb diesen interessanten Auszug aus meiner Biografie nicht zu Ende anhören könne. Noch bevor ich etwas sagen könnte, würde der Mensch, der mir gerade noch so nahe war, mit gekünsteltem Lächeln und schnellem Schritt verschwinden. Nach einigen Sekunden des Herumstehens, würde auch ich weiter ziehen. Eine halbe Stunde später würde mir dämmern, dass diese Frau mich offenbar angelogen hat, da es nicht sein kann, dass jemand, der schnell zur Bahn oder zum Bus muss, an meinen Fernsehauftritten, aber nicht an Alex, von dem ich übrigens noch genau weiss, dass er so hieß, interessiert ist. Aber bevor Wut aufkommt, zeigt sich eher etwas Verständnis, denn schließlich wäre jeder bei einer solchen Informationsflut erstmal überwältigt und bräuchte einen stillen Platz, um diese zu verarbeiten. Ich nehme mich da übrigens nicht aus.

Letztens erst beim Tabakkauf, war ich mit Informationen, oder besser gesagt mit Informationsgier überfordert. Informationsgier ist übrigens Fragerei. Nach meiner Weltanschauung ist eine Frage auch eine Information und zwar die Information, dass der Gegenüber eine Information will. Aber das nur am Rande. Auf jeden Fall, wollte die Verkäuferin, die mir eigentlich schon den Tabak relativ ausgehändigt hatte, auf einmal mein Alter wissen. Es lässt sich erahnen, dass sie neu eingestellt war und in mindestens drei Wochen das Fragen unterlassen würde. Jedenfalls behagelte ich mich gerade selbst mit Informationen, das heißt, ich dachte über potentiell Interessantes wie Literatur, Musik oder Frauen nach, aber ich weiss es jetzt nicht mehr genau. Jedenfalls war ich von dieser einen Frage „Wie alt bist du denn?“, bereits so aus der Bahn geworfen worden, dass die Gedankenordnung in meinem Kopf sich nun in einen Wirbelsturm aller erster Güte verwandelte und ich nicht wusste was nun zu antworten war. Hätte sie übrigens „Wie alte sind Sie denn?“ gefragt, hätte ich geantwortet „Also wenn, sie mich schon siezen, dann müssten sie mich doch auch für alt genug halten um zu Rauchen“. Hat sie aber nicht. Also wurde sie auch nicht rot. Auf alle Fälle, vergaß ich in diesem Schockmoment mein Alter und brachte nur ein verdutztes „Ääh“ hervor. Ich kramte in meinem Kopf nach der Akte „Alter Rauchen“ (Niemand würde je eine Akte so benennen), aber anscheinend war es die Falsche, da ich in Versuchung kam „18“ zu sagen. Da ich allerdings älter als 18 bin, überlegte ich kurz logisch und versuchte mir mein Geburtsdatum vor´s geistige Auge zu führen. Da raste auf einmal aus meinem Hinterkopf die Zahl 20 heran, die auch zufällig mein Alter recht gut beschreibt. In der Zwischenzeit waren wie Stunden scheinende Sekunden vergangen und ich kam mir recht unglaubwürdig vor, so dass ich meinen Personalausweis aus der Tasche zog. Im Endeffekt bekam ich meinen Tabak und rauchte sofort eine Verarbeitungszigarette.


Womit wir wieder zur Frage kommen, was wäre, wenn ich einem Prominenten ähnlich oder gar identisch sehen würde. Hätte ich dann beim Tabakkauf mein Alter vergessen, würde die Verkäuferin oder ein zufällig herumstehender Zeuge diese Geschichte sofort an die Medien, in erster Linie an Boulevardblätter verkaufen. Dann stände in der Zeitung folgende Schlagzeile: „ im Teufelskreis der Drogen“ oder „, trotz Alzheimer noch in der Öffentlichkeit“. Diese prominente Person würde sich darauf hin zu Wort melden und die Geschichte revidieren, vielleicht sogar behaupten, nie an diesem Tabakstand gewesen zu sein. Man würde alles nachprüfen und den Artikel schließlich auf der zweiten Seite, einer folgenden Ausgabe als Irrtum entlarven und sich bei den Lesern sowie dem Opfer entschuldigen. Vielleicht gäbe es auch noch ein Interview in dem ich sagen würde, dass mir das dauernd passieren würde. Aber solange es niemand, der mir ähnlich sieht ins Fernsehen schafft wird es das leider auch nicht geben.

Es könnte sein, dass es mal jemanden gab, der im Fernsehen war und nebenbei auch noch so aussah wie ich, aber dann würde sich entweder niemand mehr an ihn erinnern oder man würde sagen: „Verzeihung, aber hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass sie aussehen wie , in vergangenen Zeiten?“ Worauf ich sicher sagen würde „Keine Ahnung, den kenn´ ich nicht.“ Im Endeffekt, wäre auch keine wirkliche Verwechslung passiert, das heißt, wenn irgendwer mein Gesicht hatte und im Fernsehen war, nützt mir das überhaupt nichts. Denn darauf angesprochen zu werden, dass ich aussehe wie jemand der mal so ausgesehen hat wie ich, kann ich wirklich verzichten.

P.S. Dieser Text wurde bereits vor zwei Monaten geschrieben und ich haderte mit mir, ob ich ihn der gierigen Öffentlichkeit preis geben sollte. Letztendlich habe ich es doch getan, wie man am obrigen Text sehr gut erkennen kann.

Montag, 12. Dezember 2011

50 Tragödien über die man sich nicht beschweren sollte



Jeder von uns der schon einmal gelebt hat, wird gemerkt haben, dass das Leben nicht nur fröhliche und endorphinausstoßfördernde Momente enthält. Nein, größtenteils bekommt man genau das Gegenteil zu spüren und erlebt eigentlich nur eine Aneinanderreihung von kleinen Dramen. Und wie bei einem Drama im Theater ist es so, dass einige Dinge mehr Aufmerksamkeit erregen, da sie emotional aufwühlender sind ("Hamlet" von Shakespeare) und einige Dinge überhaupt niemanden berühren, da der Zuschauer gar nicht in der Lage sein kann sich in die Problematik einzufühlen ("Die traurige Tragödie in der Herr Henzel seinen rechten Schuh verlor" von Astinbach). Nun sind Ereignisse wie ein Todesfall in der Familie, Jobverlust oder eine tödliche Krankheit natürlich kein Pappenstiel und einschneidend im Verbringen der Existenz. Diese Sachen haben allerdings den Vorteil, dass man über sie sprechen kann und im besten Fall Mitgefühl von seinem Gegenüber bekommt. Dieses muss nich unbedingt echt sein, aber es fühlt sich schon recht gut an, wenn man Aufmerksamkeit bekommt und vielleicht zu seinem Darmkrebs noch einen ausgegeben bekommt.

Wirkliche Probleme sind allerdings die, die kein Leben beenden oder beeinträchtigen sondern es einfach nur unangenehm begleiten. Die "Problemchen" haben den Nachteil, dass sie niemandem Mitleid oder Empathie entlocken, sondern dass man im Endeffekt nur als Heulsuse, Meckerfritze oder Volldepp abgestempelt wird. Genau dieses Fehlen an Interesse am eigenen Colabieren führt oft zu schweren Depressionen und "Leck-mich"- Zuständen. Da ich ja auf die Gefühle der Menschen nicht mehr angewiesen bin, da ich hier einen Blog habe, möchte ich ganz offen über diese Dinge schreiben und so vielleicht einigen Leuten da draußen das Gefühl geben, verstanden zu werden. Die Liste ist übrigens nicht in Ranking Show- Manier gehalten bei dem man mit dem Banalsten beginnt und sich langsam vorarbeitet zum Ergreifensten, sondern alle diese Krisen sind auf ihre Art und Weise gleichwertig. Also viel "Spaß" damit:

  1. Man sitzt zu lange auf dem Klo und kommt zu spät zu einer Verabredung.
  2. Die Songs, die man sich auf den MP3- Player geladen hat, werden nicht in der Reihenfolge der Tracklist aufgelistet.
  3. Man schwitzt im Winter in seinen Klamotten, aber man kann sie nicht ausziehen weil es sonst zu kalt wäre.
  4. Der Kugelschreiber schmiert beim Schreiben.
  5. Man vergisst zum fünften oder sechsten mal sein E-Mail- bzw. Blogpasswort.
  6. Der Ofenkäse wird nicht knusprig (obwohl man Zeit und Temperatur auf der Packung eingehalten hat.
  7. Langsame Leute gehen vor einem (meistens auch noch nebeneinander, damit kein Durchkommen ist).
  8. Die Vorhaut klebt beim Urinieren zusammen und bildet so einen Springbrunnen. (Ich weiss nicht ob Frauen das selbe Problem mit ihren Genitalhäuten haben, aber irgendetwas Ähnliches wird es da schon geben).
  9. Man fängt in der Hose an zu urinieren, aufgrund von unglaublichem Druck (Komischerweise immer dann wenn man sich selbst gut zuredet, dass man es gleich geschafft hat).
  10. Der öffentliche Toilettensitz ist nass, siehe dazu auch Punkt 8.
  11. Die eigenen Geräusche sind auf der öffentlichen Toilette zu laut.
  12. Beim Wareneinräumen fällt ein Karton, nach Abnahme des Deckels auseinander und die Waren verteilen sich auf dem Boden.
  13. Zu viele Leute stehen vor dem Bankautomaten und machen zu viel.
  14. Aufgrund Alter und Kranker ist kein Sitz in der S-Bahn frei
  15. Die Nase läuft und kein Taschentuch ist in Sicht.
  16. Man sitzt am Bahnhof auf der Bank direkt vor dem Fahrplan und blöde Touristen rücken einem auf die Pelle um sich ihn anzusehen.
  17. Die Butter ist zu hart um sie gescheit auf´s Brot zu schmieren.
  18. Aus dem Pfeffer- bzw. Salzstreuer kommt zu wenig
  19. Aus dem Pfeffer- bzw. Salzstreuer kommt zu viel
  20. In der Bahn geht niemand in die Gänge, sodass sich alle im Eingangsbereich tummeln
  21. In der Bahn gehen alle in die Gänge, sodass man nicht mehr aus seinem Abteil kommt.
  22. Man nießt und hat auf einmal einen Schleimbatzen in der Hand.
  23. Leute stehen auf der Rolltreppe nebeneinander.
  24. Der Sitznachbar in der Bahn sitzt auf deiner Jacke.
  25. Urinieren mit Morgenerektion.
  26. Das Buch klappt ausversehen zu und natürlich hat man sich die Seite nicht gemerkt.
  27. Man lässt beim Rasieren größere Flächen unabsichtlich stehen.
  28. Die Pizza ist zu heiß, so dass man sie lange abkühlen lassen muss.
  29. Die Pizza ist zu kalt, weil man sie zu lange abkühlen hat lassen.
  30. Man sticht sich beim Nähen.
  31. Man will sich ein Hautfitzelchen in der Nähe des Fingernagels abreißen und reißt dabei zu viel weg, sodass es brennt.
  32. Der Filter fällt aus der frisch gedrehten Zigarette.
  33. Die Hose wird vom Schneematsch nass und dreckig.
  34. Die Simpsons- Folge die diesmal kommt, hat man schon kurz zuvor auf DVD gesehen.
  35. Das Bier läuft über.
  36. Runzelige Finger nach Berührung mit Wasser.
  37. Die Socken lassen sich nach dem Duschen nur mit Mühe anziehen.
  38. Das Halten des Regenschirms wird durch starken Wind erschwert.
  39. Die Kopfhörer des Sitznachbarn sind zu laut.
  40. Eine Erdnuss, die man gerade verzehren wollte fällt auf den Boden und mitten in eine Staubfluse.
  41. Die Hose ist zu eng, sodass man seine Hände nicht in die Taschen stecken kann.
  42. Die Kunden an der Kasse erwidern nicht den schönen Tag, den man ihnen wünscht.
  43. Knabbereien fallen ins Bett und man rollt sich im Schlaf in ihnen herum.
  44. Man muss in der vollbesetzten Kneipe (wahlweise auch Kino etc.) auf´s Klo.
  45. Man erschrickt wenn das Handy klingelt.
  46. Das Anzünden der Zigarette wird durch starken Wind zur Tortur.
  47. Es stinkt und man weiß nicht ob der Gestank von einem selber kommt.
  48. Die Aufzugstür braucht zu lange zum Schließen.
  49. Man wird lange und eindringlich von einem Kleinkind angestarrt.
  50. Man malt sich versehentlich mit einem Stift ins Gesicht.

Nun wird man sicherlich gemerkt haben, dass viele Punkte mit Toiletten oder S-Bahnen zu tun haben...Willkommen in meiner Welt.