Donnerstag, 13. Juni 2013

Umsonst und deshalb moralisch korrekt

Man beachte das egoistische und antisolidarische "Unsere"


In der gestrigen Nacht hatte ich einen gar wunderbaren Traum. Ich träumte, ich wäre in einer ranzigen Spelunke zu Gast, was allerdings noch lange nicht der Höhepunkt war. In besagter ranziger Spelunke spielte ich, wie es im wachen Zustand eher weniger meine Art ist, an einem Spielautomaten. Zu meinem unglaublichen Glück war dieser auf zauberhafte Weise kaputt, sodass er mich bei jedem Spiel, egal ob gewonnen oder verloren, mit einem Geldgewinn beglückte. In meinem Traume allerdings nicht in Gestalt der üblichen Münzen, sondern in Geldscheinen, deren Wertigkeit im Intervall zwischen fünf und zwanzig lag. Unüblich aber in der irrationalen Welt der Träume keines Stirnrunzelns würdig. Ich erzählte es sogleich meinen Freunden, die sich aber dafür nicht interessierten. Dann wachte ich zu meinem Missvergnügen auf und fand mich in der kalten, harten Realität wieder.

Wollen wir den Traum analysieren? Au ja, au fein! Was jetzt aber an diesem Traum noch interessanter ist als die psychologische Analyse, ist doch die moralische. Warum sagte ich dem widerlichen Barbesitzer (ich nehme mal an, dass er recht widerlich war) nicht, dass der Automat kaputt war? Dies bedeutete schließlich Verlust für ihn und unritterliche Belohnung für mich. Ein brauchbarer Mensch wäre in dieser Situation natürlich ehrlich und würde es quer durch die Bar plärren. Nur ein Gierschlund und Kapitalistennazikinderschänder würde hier in sich hinein kichern und seine Taschen mit der Kohle füllen.

Da ich ja ein vollwertiger Mensch bin, meine ich auch, dass Geld nicht alles ist. Deshalb bekommt auch jeder Bettler in der Fußgängerzone von mir, statt schnöden Mammons, ein ehrlich gemeintes Lächeln aus tiefstem Herzen. Das muss reichen um die Wolken der Trübseligkeit zu vertreiben. Wer in der Fußgängerzone allerdings von mir weder Geld, noch ein Lächeln bekommt, sind Vereine wie "Ärzte ohne Grenzen", "WWF", der Kinder- bzw. Naturschutzbund etc. Man muss in der Tat mit offenen Augen durch die Stadt gehen, denn sonst steht man, ehe man sich versieht, an solch einem Stand und wird mit Zahlen, Fakten und gestrichelten Linien bombadiert. Eine solche Vorgehensweise kennen wir ansonsten nur von Scientology und anderen Sekten, die einem Bücher und DVDs, gegen eine kleine Spende versteht sich, selbstlos schenken. Nun ist es halt bei letzteren einfacher, zu widersprechen, da man immer sagen kann: "Haltet ein! Eure Pseudo- Religion lehne ich ab! Eure Methoden sind frevelhaft und nun schert euch zum Leibhaftigen!"
Das geht einem leicht über die Lippen und man bekommt auch noch tosenden Applaus von den anderen Passanten, die gegen Ausbeuterreligionen sind, außer sie haben schöne Tempel, in denen man Fotos machen kann.
Bei Hilfswerken sämtlicher Couleur geht das schlecht. "Ich lehne Kranke, Kinder und Natur entschieden ab!" kommt recht blöd rüber und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Rentnern angespuckt zu werden. Da man dies um jeden Preis vermeiden will, füllt man schön brav mit den Zähnen knirschend den Zettel aus, sagt zu dass man monatlich 5.000 € überweist und macht zu Hause dann von seinem Widerrufsrecht Gebrauch, da man nicht sagen wollte, dass man vor Hunger selbst schon die Meisenknödel aus dem Nachbarsgarten geklaut hat.

Was vor allem jedes mal wunderbar ist, sind die Annäherungsversuche der jeweiligen Vereinsmitglieder, die entweder schlecht schauspielernde junge Mädels oder dreitagebärtige Jam Session- Kumpels sind. Kommt man mit einem "Che Guevara war end' dufte"- T-Shirt daher, kommt "Hey, ich find Che auch end' dufte, aber schau, wir haben hier...", kommt man mit einem "Che Guevara war ganz und gar nicht dufte"- T-Shirt um die Ecke kommt "Hey, ich find Che auch ganz und gar nicht dufte, aber schau, wir haben hier..." und rumpelt man ihnen schlußendlich mit einem "Ich stehe Che Guevara mit keiner wertenden Meinung gegenüber"- T-Shirt daher, kommt auch wieder ein, speziell auf das Shirt abgestimmter Satz. Irgendwie schon auf eine gewisse Weise unseriös. Und wie steht es im Küchenkalender mit Omas Weisheiten? "Nur unseriöse Vereinigungen arbeiten unseriös." Oh, da kommt ein Anruf.

Ich: Ja bitte?
Greenpeace Piet: Wir sind nicht unseriös!
Ich: Dann arbeitet auch nicht so! >klack<

Für solche Anrufe hab ich nun wirklich keine Zeit. Wo waren wir? Ach ja, bei Geld. Ich halte es im Übrigen für Unfug, Geld als die Wurzel allen Übels zu bezeichnen. Ich denke nämlich mal, dass es auch schon vor der Erfindung des Geldes bereits Mord, Totschlag, Diebstahl und Mobbing gab. Missetaten aufgrund von Geldgier sind lediglich Alternativen zu Missetaten aus Langeweile, Hass oder wissenschaftlichem Interesse. Unsere Vorfahren waren eben nicht auf das Geld des anderen, sondern auf die Größe von dessen Dreckhaufen neidisch. Oder so....und selbst bei Kain und Abel hat nicht die Anzahl der Scheinchen, sondern die Anzahl der Schäfchen zum Mord geführt. Und das Schaf als die Wurzel allen Übels zu bezeichnen wäre, auch bei den unzähligen Schwierigkeiten, die Schafe uns bereiten, doch ein relativ großer Unsinn.

Ging es bei Kain und Abel überhaupt um Schafe? Ging es um die Schafe an sich, oder darum, dass die Schafe Gott besser gefallen haben? Is ja auch wurscht...

Witziger Einfall: Ein Politiker der bei einer Rede "...die Wurzel allen Übels" sagen will, aber statt dessen "...die Würzel allen Ubels" sagt.

Die Band Body Count vertonte übrigens auch mal ihre Ansichten über Geld, unter dem Titel "Root of All Evil". Erstens mal ist der Song, genau wie das restliche Oeuvre der Gruppe recht vergessenswert und zweitens mal finde ich es immer recht merkwürdig, wenn steinreiche Musiker darüber singen wie doof doch Zahlungsmittel sind. Da würde ein wenig Differenzierung wahrlich zur Glaubwürdigkeit beitragen.

"Ich liebe es mein, mit Musik verdientes Geld für Luxus auszugeben, aber ich verurteile Menschen, die mit ihrem Geld Böses tun"

Damit würde ich mich zufrieden geben. Meinetwegen auch "I love to spend my money, that I earned with music, on luxury, but I condemn poeple who use their money for evil things". Im Endeffekt ist es egal ob Deutsch und Englisch, es hört eigentlich eh keiner auf den Text, wenn was im Radio läuft.

Witziger Einfall: Wenn jemand fünf 1 Cent- Stücke hat, dann hat er nicht viel. Wenn er 1000 1 Cent- Stücke hat, hat er nicht viel, aber davon eine ganze Menge.

Was man sich von Geld allerdings nicht kaufen kann, sind gute Überleitungen. Leider ist das so. Was man sich aber schon kaufen kann, ist eine Garnelenbox bei Nordsee (gute Überleitungen sind unbezahlbar). Wenn man in ein Nordsee Restaurant geht, ist man noch lange nicht von solchen Schuldgefühlen geplagt, als wenn man zu McDonalds oder Burger King geht, obwohl auch Nordsee eine kleinunternehmerphobe Kette ist. Aber da nun mal Fisch gesund ist, und somit schon mal die erste Schranke überwunden ist und Nordsee allein durch den Namen schon etwas gutes deutsches und nichts böses amerikanisches hat, betritt sich das Lokal recht gut, ohne Übermaß an Gewissensbissen. Auf jeden Fall: Garnelenbox. Darin sind schmackofatzige Garnelenschwänze in paniertem bzw. fritiertem Zustand, die zwar schon seid Stunden in der Sonne liegen, aber trotzdem gekauft werden, da Fisch ja gesund ist. Auch ich gönne mir ab und an solch eine Schachtel voll mit Garnelchen. Und nun meine Frage dazu (sollten Sie hochgradig infantil oder blöd sein, lesen Sie bitte nicht weiter): Isst man die harten Schwanzenden eigentlich mit? Ich glaube zumindest, dass man es nicht macht, da sie keinerlei Geschmack haben und auch ansonsten nicht sehr einladend zum Verzehr sind. Ich esse sie allerdings trotzdem jedes mal, weil sie nun auch nicht komplett ungenießbar sind. Falls ich aber mal mit einer feinen Gesellschaft bei Nordsee essen gehe, würde ich es doch gerne wissen, nicht dass ich am Ende als dummer August dastehe. 

Aber vom dummen August brauchen wir ja jetzt noch nicht reden, erst mal sollten wir den dummen Mai verarbeiten. Ob der Juni das Adjektiv "dumm" verdient hat, wollen wir abwarten. Gerade scheint nämlich die Sonne auf lieblichste Art und Weise, während der Ammersee vom ganzen Regen übergelaufen ist. Bevor die dieses meteorologische Phänomen weiter analysieren, sollten wir uns darauf einigen, dass der Mensch dran schuld ist mit seinem vielen Geld. Und so ist auch nach diesem Blogeintrag (der, ich entschuldige mich, reichlich spät kam) alles wie davor und nichts hat sich geändert. Wer an einen Blogeintrag aber den Anspruch stellt, das er etwas ändern soll, der soll selbst erst einmal mit seinem Leben klar kommen, denn so viel Weltfremdheit ist garantiert nicht mehr gesund.

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